Ist wirklich alles schon bekannt in der Fiskalphilatelie
   
   
Wer den Hanus aufschlägt kann auch nach so langer Zeit immer wieder zu unseren Sammelgebieten in der Fiskalphilatelie etwas Neues entdecken, oder bereits Altbekanntes ganz neu aufzeigen, so wie hier das Stempelamtszeichen und die Namenskürzel des Vorschlagenden Kaiserlichen Rates „Hermann Gabriel Reichsritter von Välckern“.
  
  
Begriffe
PHILATELIE“. Das Wort besteht aus dem viel verwendeten Namen „Phil“ = Freund, aus dem „privativum“, welches deutsch die Bedeutung von bar, frei, los, hat, und dem Worte „ateleia“ unter dem versteht man die verschiedenen Abgaben, Zölle, Steuern, Gebühren, welche an die Staatsverwaltung geleistet werden mußten. In Verbindung mit  privativum bedeutet dieses Wort die Freiheit von Abgaben, Steuern, Gebühren usw. 
Somit heißt „Philatelie" die Beschäftigung mit demjenigen, was abgaben-, steuer-, gebühren- frei macht.
[Aus: Suppantschitsch „Grundzüge der Briefmarkenkunde und des Briefmarkensammelns" 1908, Verlag von J. J. Weber, Leipzig.]
   
   
Wie schon aus der Terminologie des Wortes „.Philatelie" erkenntlich, trifft dieser Ausdruck mit voller Berechtigung auch für die Beschäftigung mit Stempelmarken zu.
Zweifellos ist das Wort „Philatelie", das schon vor den 60er Jahren im Gebrauch war, von Briefmarkensammlern erfunden worden.
Zu jener Zeit aber waren die Briefmarkensammler zugleich auch Sammler von Stempelmarken und sind es zum großen Teil auch heute noch, denn die hochwertigen Briefmarken englischer Kolonien sind gleichzeitig auch Wertzeichen für fiskalische Zwecke und die Zeitungsstempelmarken einzelner Länder, die von den Briefmarkensammlern ebenfalls berücksichtigt werden, haben ausschließlich nur solchen Zwecken gedient. Die Kunde von den Staats-Wertzeichen fiskalischer Natur ist; also ein Zweig innerhalb der Philatelie.
Ungleich interessanter für den echten Sammler (weil nicht von der „Mode" angekränkelt) und anziehender für den Forschungsbeflissenen zeigen sich uns die Stempelwertzeichen. 
Während die Briefmarken im Zeitenlauf als noch jung anzusprechen sind, blicken die Stempelwertzeichen auf ein Alter von 3 Jahrhunderten zurück. Während bei der Forschung in der Briefmarkenkunde mehr drucktechnische Probleme in den Vordergrund treten, das historische Moment (eben wegen der noch nicht zu weit zurückliegenden Anfänge und wegen der seit Anbeginn eifrigst betriebenen Forschungs- und Feststellungsarbeit) nicht allzu viel Schwierigkeiten bereitet, hat die Forschung in der Stempelwertzeichenkunde vor allem die Staaten- und Kulturgeschichte, sowie die Finanzgesetze dreier Jahrhunderte in Betracht zu ziehen, begegnet infolgedessen größeren Schwierigkeiten, auch schon deswegen, weil das an und für sich nicht häufig anzutreffende Material nicht beliebig einfach in einem der zahlreichen Markenläden gekauft werden kann. sondern erst mühevoll an den Stätten des vermuteten Vorkommens aufgesucht werden muß.
   
   
Es ist nun einwandfrei nachgewiesen, daß Holland das gestempelte Papier zuerst einer Besteuerung unterworfen hat mit einer Stempelmarke und einer Wertangabe und das ist entscheidend, nicht die Papiersteuer an sich, die mag es schon viel früher gegeben haben, wie schon 1608 in Venedig. 
Die ewigen Kriege in jener Zeit und dadurch bedingten finanziellen Kalamitäten, in welche fast alle europäischen Staaten gerieten, bewirkten es, daß nach und nach alle Staatswesen sich der bequemen Art, mittels des gestempelten Papieres Geld hereinzubringen, bedienten. 
In den Spanischen Niederlanden ab 1642, in Dänemark 1657 und in Holstein, sowie 1660 in Schleswig und Emden finden wir das Stempelpapier, in Frankreich dasselbe aber erst 1672 und 1681 in Hessen- Darmstadt u. Brandenburg, 1682 in Sachsen, 1686 erst in Österreich, 1690 in Bayern und 1691 in England, wobei der Versuch in den nordamerikanischen Provinzen mit dem Stamp Act das Stempelpapier einzuführen, den Anlaß gab zum Freiheitskampf gegen das Mutterland „no taxation without present“ und zur 1775 erfolgten Unabhängigkeitserklärung als Vereinigte Staaten von Amerika führte. 
   
In Österreich wurde vorerst 1675 eine allgemeine Steuer auf Papier (Papieraufschlag) eingeführt. 
Später, als die finanzielle Not des Reiches durch die Türkenkriege usw. auf das Höchste gestiegen war, hat Leopold I. mit Hofkammerdekret vom 29. April 1686 die „Siegelung“ des Papieres, zunächst mit Gültigkeit für die österreichischen Erblande- angeordnet. 
Diese „Siegelung“ geschah dadurch, daß dem Papier, das für Urkunden mancherlei Art benützt wurde, Signetten, welche verschiedene Wertstufen darstellten, aufgedruckt wurden.  Die Stempelsignetten auf den dem Stempelgefälle unterworfenen Urkunden usw. sind sonach Staats- Wertzeichen fiskalischer Natur). Die amtliche Bezeichnung dieser Geldwert vorstellenden Signetten, welche später zur Besteuerung auch noch anderer Gegenstände Verwendung fanden, lautete in den früheren Zeiten „Siegel“.
   
   
Stempelpapier- Ordnung 1686 – 1693
Der 1681 erfolgten Aufhebung der Papiersteuer folgte nach dem Vorschlage des Kaiserlichen Rates Hermann Gabriel Reichsritter von Välckern mit dem Patente Leopold I. vom 28. April 1686 die Einführung des Papierstempels die insbesonders eine Besteuerung der Urkunden war. 
Man dekretierte einfach, dass den Rechtsgeschäften eine erhöhte Sicherheit gegeben werden müsse, was durch die Aufdrückung eines „Sigels“ auf die Urkunde geschehe. 
[die ersten Signetten werden von den Sammlern nach Kaiser Leopold (Leopoldiner Signetten oder kurz „Leopoldiner“ benannt.  
Die Staatspapiere fiskalischer Natur gliedern sich in zwei Gruppen, und zwar in 1. Die Stempelsignetten, das heißt die aufgedruckten oder eingedruckten Stempelzeichen (darunter so genannte Stempelpapier) und 2. Die Stempelmarken, das sind die zuerst 1854 in Österreich eingeführten aufklebbaren Wertzeichen, welche die Signetten ersetzten.]
 
Urkunden die nicht „gesigelt“ (gestempelt) sind, haben weder vor Gericht noch sonst eine Gültigkeit.
   
   
   
1687
Heuraths Contract
  
Heuraths Contract zwischen H(errn) Frid(rich) Ernst Grafen v. Wollarth 
und Frl. Magdalena Theresia Gräfin v. Wollarth geborene G(rä)fin v. Füger(in).
 
 
Die Abfassung des Contractes erfolgte mit Consens / Zustimmung des Römisch-Deutschen Kaisers, auch zu Ungarn und Böhmens König, Erzherzog zu Österreich, Leopold I. (1658-1705)und auch Frau Eleonora Magdalena Theresia von Pfalz - Neuburg, Römisch-Deutsche auch zu Ungarn und Böhmen regierende Königin, Erzherzogin in Österreich, Pfalzgräfin bey Rhein, ohne jedoch unterschrieben zu haben.
Bei der Abfassung des Kontraktes war auch zugeordnet und als Unterschriftsleistender anwesend: 
Carl Ferdinand Graf von Waldstein, Herr der Grafschaften Znaim, Lautschin, Trebitsch, Neuschloß und Böhmisch Leipa, Ritter des Goldenen Vließes, der Röm. Kaiserl. Majestät Geheimer Rat usw.
Die vertragsschließenden Parteien dieses Ehekontraktes waren:  Ferdinand Ernst, des Heil. Röm. Reichs Graf von Wollärth (hier auch Wollrath; Wollarth benannt), Freih. auf Reinegg, Großendorf und Rosenberg, der Röm. Kaiserl. Majestät "würklicher Cammerer", auch RegimentsRat usw. als Bräutigam und Frl. Magdalena Theresia Füger(in), Hofdame der Kaiserin als Braut.
 
Folgende Vermächtnisse wurden vertraglich in 12 Punkten verabredet:#
1). Das "Heiratsgut" der Braut für ihren künftigen Gatten beträgt 2000.- Gulden Rheinisch, zahlbar binen Jahresfrist.
2). Die Widerlage des Bräutigams beträgt 2000.- Gulden Rheinisch
3). Als Versprechen des Bräutigams für seine Braut: als "Morgengabe" 1500.- Gulden Rheinisch.
Damit betragen Heiratsgut, Widerlage und Morgengabe zus. 5500.- Gulden Rheinisch.
4). Enthält Abreden für den Fall des Versterbens des Ehegatten vor seiner Ehefrau.
5). Abreden im Falle des Versterbens der Ehefrau vor ihrem Gatten.
6). Abreden betr. der "Morgengabe" im Falle des Versterbens des Ehemannes.
7). Abreden für die finanzielle Sicherstellung der Witwe.
8). Sicherung von "Roß und Wagen" für die Witwe.
9.;10.; 11). Weitere testamentarische Verfügungen.
12). Die mährische Herrschaft Boinitz als väterliches Erbe des Bräutigams wird als Hypothek der Braut
 verschrieben.
Wienn, den 15. Juli 1687
   
  
Hiervon existieren 3 gleichlautende Exemplare.
 
Halbwegs sichere Unterschriften u. a. von:
--  Friedrich Ernst v. Wollarth (Bräutigam)
--  Magdalena Füger (Braut)
--  C. v. Waldstein
--  Franz Max(imilian) Graf v. Wollärth
--  Mansfeld
  
  
   
. ERSTES .  SIGILL .
. SECHZIG .  KREUZER .
    
Oben Mittig im Schuppenband ganz klein „O“,
das ist das Stempelamtszeichen für den Stempelort Wien.
Unten im Schuppenband mittig ganz klein
„ H. G. V. V.“  für H(ermann G(abriel V(on V(älckern
  
[Signetten mit deutlich sichtbarem Stempelamtszeichen sind äußerst selten, 
noch seltener solche, bei welchem im unteren Teil die Buchstaben: H.G.V.V. erkennbar sind.]
   
   
   
    
Stempelamtszeichen „O“ für Wien
Unten „H.G.V.V.“ für H(ermann  G(abriel  V(on  V(älckern
   
   
   
   
. ERSTES .  SIGILL .
. SECHZIG .  KREUZER .
  
Oben Mittig im Schuppenband ganz klein „O“,
das ist das Stempelamtszeichen für den Stempelort Wien.
Unten im Schuppenband mittig ganz klein
„ H. G. V. V.“  für H(ermann G(abriel V(on V(älckern
  
  
      
 
   
   
    
Gesiegelt mit Petschaften der teilnehmende Parteien und Zeugen ...
   
   
Anhang
   
   
   


Quellen: 
- L. Hanus Stempelsignetten-Katalog vom Österreich-Ungarn, I. Band: Die Urkundenstempel Prag 1930. 
- Das Stempelpapier stammt aus dem Fundus von Gunter Wagner aus Filderstadt- Germany, 
- für die Aufmachung, Ausführung und die Erstellung dieser Datei ist verantwortlich Wolfgang Morscheck aus Bad Säckingen- Germany 



 

        

www.stempelpapier.de