Die preussischen Gerichtskostenmarken in der " North Rhine Region", 
in der " Westphalen Region" und im Land Nordrhein- Westfalen ab 1945
Für den Interessierten wird hier - wieder einmal mehr - Geschichte mit Fiskalmarken genauestens belegt!
   
   
Die unmittelbare Nachkriegszeit und die Gründung Nordrhein-Westfalens (1945/1946)
  
Politische Vorüberlegungen
Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gebiet des heutigen Landes Teil der britischen Besatzungszone mit Hauptquartier im westfälischen Bad Oeynhausen. Wegen seiner enormen Bedeutung für den Wiederaufbau und angesichts seiner rüstungstechnischen Bedeutung, die sich auf ganz Nachkriegsdeutschland und darüber hinaus erstreckte, konzentrierten sich die Siegermächte bei der Neugliederung Westdeutschlands vor allem auf das weitere Schicksal des Ruhrgebiets und der umliegenden Industriereviere. Dieser Topos der internationalen Politik wurde die Ruhrfrage genannt. 
Die Industrialisierung hatte wichtige sozioökonomische Grundlagen geschaffen, die bei der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen eine entscheidende Rolle spielten.
  
 
Besatzungszonen in Deutschland ab Juni 1947
Im Hinblick auf eine verstärkte Zusammenarbeit wurden die britische und die amerikanische Besatzungszone am 1. Januar 1947 zum Gebiet der sogenannten Bizone vereinigt.
  
  
Anfänglich waren sich die Alliierten über die Zukunft des Ruhrgebietes uneins
Frankreich befürwortete für dieses Gebiet einen eigenständigen, politisch schwachen Staat oder ein internationalisiertes Gebiet nach dem Vorbild des Saarlandes. Den Rhein verstand Frankreich als „französische Sicherheitsgrenze“; insoweit lebte die französische Vorstellung einer Annexion des linken Rheinufers zunächst wieder auf.
Die Sowjetunion favorisierte in einem Konzept der „Zerstückelung“ Deutschlands in mehrere Staaten die Internationalisierung des Ruhrgebietes und einen Viermächte-Status, vergleichbar mit dem bis 1991 geltenden Besatzungsrecht für Berlin. Besonders die sowjetische Seite sprach sich für eine umfassende Demontage aus und befürworteten einen wesentlich schärfer ausgestaltetes Ruhrstatut.
Die USA verhielten sich in dieser Frage offiziell neutral, unterstützten aber stillschweigend die Briten, 
die letztlich als Besatzungsmacht das Schicksal der Gebiete zwischen Weser und Rhein bestimmten.
Belegt ist, dass Großbritannien bereits 1945 zur Konferenz von Jalta die Idee der Teilung Deutschlands in einen norddeutschen Staat sowie eine „Donauföderation“, die es 1943 den USA und der Sowjetunion bereits auf der Konferenz von Teheran vorgetragen hatte, um das Element eines westdeutschen Staates am Nieder- und Mittelrhein weiterentwickelt hatte. 
In einem Memorandum von 27. November 1944 legte das Foreign Office der britischen Regierung dar, dass die in Deutschland zu entwickelnde staatliche Ordnung die Bevölkerung und ihre föderalistische Tradition berücksichtigen müsse, wobei ein nach Größe und Bevölkerung ausgewogenes System von Gliedstaaten anzustreben sei. Sowohl Preußen als auch die Kleinstaaten könnten nicht bestehen bleiben. 
Die preußischen Provinzen könnten zu Teilstaaten verbunden werden, hierbei „könnte Rheinland-Westfalen ein solcher Fall sein.“ 
Ende 1945 gelangte zudem ein britischer Economic and Industrial Planning Staff, der die Aufgabe hatte, die Regierung Großbritanniens zu beraten, schließlich zu der maßgeblichen Erkenntnis, dass die intensiv verwobene rheinisch-westfälische Kohlen-, Eisen- und Stahlindustrie kaum sinnvoll zu entflechten sei. Daher beschloss die britische Regierung, einen neuen westdeutschen, unter ihrer unmittelbaren besatzungsrechtlichen Kontrolle stehenden Staat auf diesem industriellen Cluster zu errichten und damit gleichzeitig das für den Wiederaufbau Europas wichtige Gebiet an Rhein und Ruhr den Bestrebungen Frankreichs und der Sowjetunion durch Schaffung vollendeter Tatsachen zu entziehen. Besonders die Ausweitung des sowjetischen Einflusses gen Westen sollte damit bereits in der Frühphase der sich anbahnenden Ost-West-Konfliktes eingedämmt werden. Außerdem befürwortete die britische Regierung eine Eingliederung des Ruhrgebiets in einen zukünftigen deutschen Staat, um eine Wiederholung der schweren Wirtschaftskrise und damit der Instabilität, die die Weimarer Republik nach dem Ersten Weltkrieg gekennzeichnet hatte, zu vermeiden. Allerdings sollten sowohl die Wirtschaftsmacht als auch das potenziell sozialistische Proletariat des Industriereviers kompensiert werden. Deshalb entwickelten die Briten die Idee des Zusammenschlusses mit dem ländlich und katholisch geprägten Westfalen. 
Zudem sollte die Einbeziehung leistungsfähiger Agrarlandschaften die logistisch schwierige Aufgabe der Versorgung des dicht besiedelten Ruhrgebiets erleichtern, dessen desolate Versorgungslage nach Kriegsende offensichtlich war. Das Ruhrstatut sollte eine Kontrolle der Rüstungsindustrie sicherstellen.
Am 21. Juni 1946 verständigte sich ein Kreis von britischen Ministern, Militärs und Beamten in London-Whitehall im Geheimen auf die Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen. Während der britische Deutschlandminister John Burns Hynd in einem Zusammenschluss Nordrheins und Westfalens die Gefahr eines „neuen Preußens“ erblickte, hielten der Außenminister Ernest Bevin, der Leiter seiner Deutschlandabteilung John Morton Troutbeck, der britische Oberbefehlshaber Sir Sholto Douglas, sein Stellvertreter Sir Brian Robertson, der Regional Commissioner William Asbury und die meisten Mitglieder der Militärregierung den – zunächst noch geheimen – Plan zur Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen für die beste Lösung.
   
Gründung des Landes Nordrhein-Westfalens
Der Stahlhof in Düsseldorf: Hier wurde durch Militärverordnung Nr. 46 der britischen Militärregierung am 23. August 1946 das Land Nordrhein-Westfalen gegründet. Nachdem am 21. Juni 1946 intern der Entschluss zur Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen gefallen war, wurde am 17. Juli 1946 auf einer Pressekonferenz beim Alliierten Kontrollrat in Berlin die Zusammenlegung des nördlichen Rheinlands mit Westfalen bekanntgegeben und Düsseldorf zur Landeshauptstadt bestimmt. Seine staatsrechtlichen Grundlagen als Land erhielt Nordrhein-Westfalen mit der Verordnung Nr. 46 der britischen Militärregierung vom 23. August 1946 zur „Auflösung der Provinzen des ehemaligen Landes Preußen in der Britischen Zone und ihre Neubildung als selbständige Länder“.  Auf Grundlage dieser besatzungsrechtlichen Verordnung wurde aus dem nördlichen Teil der preußischen Rheinprovinz und aus der Provinz Westfalen das neue Land Nordrhein-Westfalen gebildet, das in der Verordnung Nr. 46 im Übrigen noch die Bezeichnung Nordrhein/Westfalen trug.
   
Historische und kulturelle Anknüpfungspunkte
Offensichtlich standen bei den Überlegungen zur Gründung Nordrhein-Westfalens nicht Gedanken einer Zusammenführung kulturell homogener Gebiete im Vordergrund, sondern vielmehr der Wunsch der Besatzungsmacht Großbritannien, das Ruhrgebiet und seine bedeutenden industriellen Ressourcen als Ganzes in ein einziges und aus sich heraus lebensfähiges Land einzubetten. Offensichtlich ist auch, dass Nordrhein-Westfalen kein stark identitätsstiftender Vorgängerstaat vorausging. Preußen, aus dessen Westprovinzen das Land gebildet wurde und dessen staats- und völkerrechtliche Nachfolge Nordrhein-Westfalen dort antrat, spielte diese Rolle nicht, weil sein Ruf nach dem Zweiten Weltkrieg beschädigt war, weil es als Staat den soziokulturell heterogenen Norden Mitteleuropas überwölbt hatte ohne in allen Gebieten die volle Zuneigung seiner Bewohner zu finden, gerade nicht in den katholischen Landstrichen, in denen die Erinnerung an den Kulturkampf noch lange lebendig blieb, und weil das politische Zentrum immer im fernen Berlin angesiedelt gewesen war. Abgesehen von wenigen protestantisch geprägten Gebieten in Westfalen, etwa den Gebieten um Minden, in denen das Preußentum über die Jahrhunderte durchaus als Teil der Identität angenommen wurde, war und ist in den anderen Gebieten des größten Nachfolgestaats Preußens die Einstellung zur preußischen Zeit eher durch Distanz geprägt, insbesondere im Rheinland. Eine eigene Identität pflegte der Vorgängerstaat Lippe, dessen Eingliederung 1947 aufgrund der britischen Militärverordnung Nr. 77 erfolgte. Wie auch Westfalen stand dieses Gebiet Niedersachsen kulturräumlich näher als dem Rheinland. Der Staat Lippe war viel zu klein und zu peripher gelegen, um das neue Land und dessen Identität insgesamt prägen zu können. Die Grenzen des Raumbewusstseins zwischen dem Rheinland und Westfalen verwischten sich im Ruhrgebiet, dessen eigene Identität sich erst nach 1918 herausbildet hatte, gefördert durch die Ereignisse im Zusammenhang mit der Ruhrbesetzung in den Jahren 1923 bis 1925.
Neben Trennendem bestand aber auch Verbindendes. Zeitweilig hatte es im heutigen Staatsgebiet Nordrhein-Westfalens größere Verwaltungsgebiete oder größere Staatengebilde gegeben, die rheinische und westfälische Gebiete des heutigen Landes miteinander verbanden. Beispiele sind Kurköln, Jülich-Kleve-Berg, das Großherzogtum Berg oder der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk. Eine für ganz Nordrhein-Westfalen identitätsstiftende Bedeutung erlangten die historischen Bezüge darauf aber nicht ansatzweise, denn kennzeichnend für das heutige Staatsgebiet war jahrhundertelang vielmehr eine unübersichtliche Gemengelage der vielzähligen unterschiedlichen historischen Territorien und ihre Wirkungen auf die Kultur und Identität ihrer Bewohner. So schrieb im 19. Jahrhundert der Schriftsteller Carl Leberecht Immermann über das Land westlich der Westfälischen Pforte:  „Erinnerungen der verschiedensten Art beherrschen die Geister der Menschen. Hier lag eine freie Reichsstadt, dicht daneben waltete der Krummstab des Bischofs, unfern gebot ein kleiner Dynast. Nun dauert aber das Gedächtnis einer politischen Vergangenheit länger als unsre Staatskünstler sich träumen lassen. Weiterhin, in den rheinischen Kreisen, war bekanntlich die Landkarte noch bunter zu den Zeiten des Reichs, welches doch noch kein Menschenalter tot ist.“ – Carl Leberecht Immermann.
Trotzdem gab es bereits vor der Landesgründung Organisationen, die das Rheinland und Westfalen abseits der politischen Verwaltung miteinander verbanden. Zwar waren sie vor allem auf dem Gebiet der Wirtschaft entstanden und trugen so der wirtschaftliche Verflechtung des rheinisch-westfälischen Raumes Rechnung, an die ja auch die Briten bei der Landesgründung anknüpften, jedoch gab es auch Organisationen, deren Hauptinteressen auf anderen, insbesondere kulturellen Gebieten lagen. Beispiel ist die Königlich Rheinisch-Westphälische Polytechnische Schule zu Aachen, die bereits 1870 als eine preußische Hochschule die Landesteile Rheinland und Westfalen als ihren Einzugsbereich zusammenfasste. Schon 1829 hatte der Kunstverein für die Rheinlande und Westphalen begonnen, das mäzenatisch gesinnte rheinische und westfälische Bürgertum als Förderer der Kunstakademie Düsseldorf und der Düsseldorfer Malerschule zu vereinen. Ab den 1870er Jahren begann die an Rhein und Ruhr entstandene Industrie, zunehmend rheinisch-westfälische Zusammenschlüsse zu bilden, etwa den Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen, das Rheinisch-Westfälische Kohlen-Syndikat oder das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk. Die spätere Landeshauptstadt Düsseldorf war bereits seit 1875 Sitz der Rheinisch-Westfälischen Börse und hatte schon vor der Landesgründung als „Schreibtisch des Ruhrgebiets“ eine entsprechende zentralörtliche Bedeutung entwickelt.
Ob Großbritannien bei der Landesgründung auch an die politische Idee einer „Westdeutschen Republik“ anknüpfen wollte, die in der Anfangszeit der Weimarer Republik insbesondere in rheinischen Kreisen der Zentrumspartei und westdeutscher Kommunalpolitiker offen diskutiert worden war, ist nicht erwiesen.
   
Rezeption
Das Projekt der Zusammenführung westfälischer und rheinischer Gebiete – von den Briten als Operation Marriage bezeichnet – war von Anfang an umstritten, nicht zuletzt innerhalb Deutschlands, wo einzelne Politiker das wirtschaftliche und Bevölkerungsübergewicht des neuen Landes fürchteten und die Grenzen des Landes Nordrhein-Westfalen bereits im Vorgriff der Landesgründung und noch lange danach in Frage stellten. Zudem gab es in den Augen der Kritiker nur wenige kulturelle und historische Gemeinsamkeiten der beiden Landesteile Nordrhein und Westfalen.
Dadurch, dass aber die Briten zunächst den Fortbestand der nördlichen und östlichen Grenzen Westfalens (später im Osten die Grenze des Landes Lippe als Landesgrenze) anordneten, blieben Diskussionen unter deutschen Politikern über die Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen bzw. einem ebenfalls vorgeschlagenen „Land Weser-Ems“ folgenlos. So hatte der Kreistag des Landkreises Vechta bereits im Vorgriff der Landesgründung Niedersachsens am 12. Juni 1946 beschlossen, dass im Falle einer Auflösung des Landes Oldenburg das Oldenburger Münsterland Westfalen zugeschlagen werden solle. 
Die Meinung, das Oldenburger Münsterland solle ebenso Teil Westfalens werden wie der Regierungsbezirk Osnabrück, war unmittelbar nach Kriegsende auch unter der Bevölkerung Westfalens weit verbreitet. Umgekehrt hatte der spätere niedersächsische Ministerpräsident Hinrich Wilhelm Kopf am 1. April 1946 verlangt, dass weite Gebiete im Norden und Nordosten des heutigen Nordrhein-Westfalens Teil eines zu gründenden Landes Niedersachsens werden sollten, für dessen Gründung er bereits seit 1945 warb. Nach Kopfs Vorstellungen sollten die Stadt Bielefeld, die Kreise Minden, Lübbecke, Tecklenburg, Bielefeld, Herford und Halle, also das historische preußische Verwaltungsgebiet Minden-Ravensberg, sowie das Tecklenburger Land dem Land Niedersachsen zugeschlagen werden. Nachdem die Briten im August 1946 das Land Nordrhein-Westfalen gebildet hatten, waren seine Pläne hinfällig. Niedersachsens Gründung erfolgte daraufhin im November 1946 in den bis heute im Wesentlichen bestehenden Grenzen, nämlich aus den Ländern Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe.
Auch spätere Diskussionen in Rheinland-Pfalz zur Ausgliederung der rheinländischen Landesteile und ihren Anschluss an Nordrhein-Westfalen führten nach einem Volksbegehren Mitte der 1950-er Jahre zu einem Volksentscheid 1975, letztlich konnte das Land Rheinland-Pfalz aber seine territoriale Integrität wahren.
Bis zur Londoner Deutschlandkonferenz am 26. März 1949 vertraten die Niederlande immer wieder die Forderung, dass ein Gebietsstreifen südöstlich und östlich der deutsch-niederländischen Grenze an sie abgetreten werden sollte. Erst 1949 wurden diese Forderungen weitestgehend ad acta gelegt. 
Trotzdem behielten die Niederlande (und auch Belgien) bis in die 1960-er Jahre einige westliche Randgebiete Nordrhein-Westfalens (z.B. das Selfkant) unter ihrer Verwaltung.
Die preuss. Gerichtskostenmarken in der "North Rhine Region", 
in der "Westphalen Region" und im Land Nordrhein- Westfalen ab 1945
     
NORTH RHINE REGION 1947 zu 5 Reichspfennig
Mit längsseitigem Überdruck Waage/Schwert und DM
    
NORTH RHINE REGION 1947 zu 1 Reichsmark
Mit Überdruck Waage/Schwert und DM
  
WESTPHALEN REGION 1947 zu 8 Reichspfennig
Mit längsseitigem Überdruck WAAGE/Schwert und DM
   
LAND NORDRHEIN WESTFALEN 1948 über 1 Reichs-Mark
Mit querliegendem Überdruck Waage/Schwert und DM
   
LAND NORDHEIN WESTFALEN 1949 über 20 Deutsche Mark
    
LAND NORDRHEIN WESTFALEN 1950/1951
Deutsche Pfennig und Deutsche Mark Werte
     
  

   

 

Quelle: Aus dem Stempelmarken- Fundus von Gunter Wagne,r Filderstadt, von wem denn sonst?


            

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