WISMARS SPIELKARTENBFABRIK

Über einen Mecklenburger Spielkartenhersteller des 19. Jahrhunderts

Artikel verfaßt von Wilfried Kaschel


         

 

Wismarer Spielkarten gesucht

So wie die Welterbestadt Stralsund beherbergte auch Wismar eine Spielkartenfabrik.
Die Anfänge
der Stralsunder Kartenmacherkunst begründete 1765 Johann Caspar Kern, dessen Nachfolger 
bis
1932 erfolgreich und richtungsweisend für die deutsche Spielkartenindustrie Deutschlands produziert haben.
Aus der Spielkartenfabrik zu Wismar sind bisher
keinerlei Sachzeugen und Spielkarten nachweisbar. Die Geschichte der Wismarer Spielkartenfabrik ist noch nicht erschöpfend erforscht. Dennoch konnte
der Verfasser eine Menge von Informationen und Quellen sichten, so dass ein erster Überblick gegeben werden kann.
Waren es bei Errichtung der ersten Fabriken/
Manufakturen noch Holzschnittkarten, wurden bis zum Niedergang dieser kleinen Hersteller, im letzen Viertel des 19. Jahrhunderts, schablonenkolorierte Kupferstich-, Stahlstich- und lithografierte Karten gefertigt. 
Dass das Kartenspiel weit verbreitet war,
wird immer wieder durch amtliche Regularien belegt.

In Wismar wurde so auch bereits 1762 eine entsprechende Verordnung erlassen. Am 9. März 1789 erneuerte der „Hochedle Rath der Stadt Wismar“ diese gegen das Hazard-Spiel gerichtete Verordnung. Der Bedarf an Spielkarten war wegen der oft minderwertigen Qualität groß. So war es nur folgerichtig, dass auch in Wismar Spielkarten hergestellt wurden.
1798 wurde der Kaufmann Christian Ludwig Klingner
erstmalig als Kartenproduzent in der „Acta betreffend die Cocessionierung der Spielkartenfabrik hieselbst“ in den Ratsakten der Stadt Wismar genannt. Eine weitere Erwähnung fand er 1809, mit der Einführung des Karten- und Kalenderstempels in Mecklenburg – Schwerin.
Neben der Aussage, dass sich in Wismar eine
Spielkartenfabrik befindet, wird zur Besteuerung bemerkt: „Dieser Stempelsatz wird, dem Wismarschen Karten-Stempel unbeschadet, erhoben“. Über diesen speziellen wismarschen Kartenstempel konnten bisher keinerlei Hinweise, geschweige Unterlagen 
aufgefunden
werden. Sicherlich spielen hier die historischen Umstände Wismars eine nicht unwesentliche 
Rolle.

Mit dem Westfälischen Frieden, der im Jahre 1648 dem
Dreißigjährigen Krieg ein Ende machte, ging 
Wismar
an Schweden. Erst 1803 brachte Friedrich Franz I. Wismar durch den Malmöer Vertrag, wenngleich 
nur
als Pfandbesitz, wieder zu Mecklenburg. 1812 wurde per Erlass von Herzog Friedrich Franz festgelegt dass die zwei „einländischen Spielkartenhersteller in Bützow und Wismar“ auf dem Treff-Buben firmieren müssen. Cristian Klingner musste seine Produkte mit „C.K. Wismar“ kenntlich machen. In einem Bericht
über die Situation der Fabrik, nach seinem Tod 1829,
wurde bemerkt, dass noch zwei Arbeiter beschäftigt
wurden. Früher standen 16 bis 20 Beschäftigte bei ihm in Lohn und Brot. Ab 1830 führte seine Witwe, Christiane Charlotte, geborene Müller, die Spielkartenfabrik weiter. Friedrich Wüstney, Wismarer Bürger und Mitglied der Krämer Companie, übernahm diese 1840.
Die letzte bisher bekannte nachweisbare Quelle
über die Existenz der Wismarer Kartenfabrik ist die Nennung, durch die in Bützow ansässige Konkurrenz, im Jahr 1855. Es muss davon ausgegangen werden, dass auch in Wismar das Mecklenburger Regional-Bild hergestellt wurde, welches in den Städten Rostock, Schwerin, Bützow und Neubrandenburg von den dort ansässigen Spielkartenherstellern angeboten wurde. Dieses regionale Bild wurde 1834 zuerst von Johann Gottfried Tiedeman in Rostock gedruckt.
Es verschwand mit dem Niedergang dieser kleinen
Spielkartenhersteller. Sie waren mit ihrer handwerklich geprägten Produktion nicht mehr konkurrenzfähig.

– Sind noch Wismarer Karten zu finden ?

 

        

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