Der Volksfeuerbestattungsverein - eine staatliche Institution der NS -
und seine Marken
Ein überaus schwarzes Kapitel
   
    
Gleichschaltung 1933 bis 1945
Viele Deutsche machten 1929 die bittere Erfahrung, auf einem überfüllten Arbeitsmarkt nicht Fuß fassen zu können. Arbeitslosigkeit und Massenverelendung kennzeichneten in der Wirtschaftskrise die Alltagssituation breiter Bevölkerungsschichten. Resignation und Verzweiflung waren Begleiterscheinungen der Krise, in der Tausende ihr als nutzlos empfundenes Leben freiwillig beendeten. Andere sahen in Adolf Hitler „die letzte Hoffnung" auf Arbeit und Auskommen. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 begann das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte - auch für den Volksfeuer­Bestattungsverein.
Es ist wohl keine Überraschung, dass ein so bedeutender Verein wie der Volksfeuer-Bestattungsverein mit einem für damalige Verhältnisse beträchtlichen Vermögen auch die Aufmerksamkeit der an die Macht gelangten NSDAP auf sich zog. Die diktatorische Macht gab den Nationalsozialisten die Möglichkeit, das bis dahin organisch gewachsene Gefüge des Vereins durch diktatorische Eingriffe, Verfügungen und Maßnahmen zu lenken, wie es ihnen beliebte. 
Der Verein wurde gleichgeschaltet. Die 625000 Mitglieder und Rücklagen von rund 15 Millionen Reichsmark (RM) wurden von den Nationalsozialisten übernommen. Der Verein wurde in „Großdeutsche Feuerbestattung V.V.a.G. zu Berlin“ umbenannt. Im Zuge der Gleichsetzung von Partei und Staat wurde der bis dahin eigenständige Verband zum „Großdeutschen Verband der Feuerbestattungsvereine“ mit zentralistischer, autokratischer Spitze umgestaltet. Dass durch diese Willkürakte Vereinigungen mit jahrzehntelanger Tradition aufgelöst wurden, deren Namen aus der Geschichte der deutschen Feuerbestattungsbewegung nicht wegzudenken sind, war den Nationalsozialisten egal.
Für die Idee der Feuerbestattung, im Sinn ihrer Pioniere, hatten die Nazis nicht viel übrig. Wie in vielen Bereichen missbrauchten sie auch diese Idee für ihre Gräueltaten. Das heute noch gültige „Reichsgesetz" über die Feuerbestattung' vom 15. Mai 1934 brachte gegenüber den früheren Landesgesetzen zunächst einige Erleichterungen. In rechtlicher Beziehung wurde die Feuerbestattung der Erdbestattung gleichgestellt. Es wurde ferner bestimmt, das sich die Bestattungsart grundsätzlich nach dem Willen der  Verstorbenen zu richten habe. Nur wenn eine solche Willenskundgebung nicht vorliegt, können die  geschäftsfähigen Angehörigen entscheiden. Die Bestattung darf selbstverständlich nur in polizeilich genehmigten Krematorien vorgenommen werden.
Der wahre Sinngehalt der Feuerbestattung wurde jedoch durch die Nationalsozialisten in übelster Weise missbraucht. Die humanitäre Arbeit der Feuerbestattungspioniere für die Anerkennung der Feuerbestattung, wurde nun von den Nazis instrumentalisiert, indem man die Einäscherung im Sinne des Rassenwahns zu einer spezifisch altgermanischen Sitte erklärte. 
Jegliche demokratische Regung wurde rücksichtslos ausgerottet. Die Rede des Bevollmächtigten für das Feuerbestattungswesen, Prof. Dr. Heinz Zeiß, auf der Tagung des „Großdeutschen Verbandes" 
am 5. September 1933 in Hannover ist Zeugnis dieser Gleichschaltung: „In vorderster Linie steht der Führergedanke obenan. Wer gegen die Anordnungen der obersten Führung „querschießt" oder „meckert'; trifft damit gleichzeitig die Partei, also den Staat.  An zweiter Stelle setzen wir den Rassengedanke, den rassischen Aufbau der Führerschaft unserer Feuerbestttungsbewegung. Wir wollen unsere Führer rassisch und völkisch erziehen. Der Führergedanke ist mit dem Rassengedanken untrennbar verknüpft. Und zum Dritten die Durchsetzung der deutschen Feuerbestattung mit dem Gedanken des Ugermanentums, des Hakenkreuzes…… Die Feuerbestattungsvereine müssen die SA der deutschen Feuerbestattung sein."
Die Nazis übernahmen eine starke Organisation, die große Leistungen anbot. 
Die Feuerbestattungsbewegung sollte die Grundlage für eine neue Monopoleinrichtung im Versicherungswesen bilden.  Doch die Pläne der Nationalsozialisten gingen nicht ganz auf: Trotz einer jährlichen Beitragseinnahme von rund 13 Millionen RM konnten nicht einmal die bestehenden Leistungen aufrechterhalten werden. Die Übernahme der Kosten für das Gesangsquartett und die Musik wurde ersatzlos gestrichen. Die Vereinszeitschrift „Die VolksFeuerbestattung“,  die im Jahre 1933 immerhin eine Auflage von 250 000 Exemplaren hatte, wurde vom Regime eingestellt.
Mit dem 26, Januar 1934 hatte der Reichsminister des Innern den Großdeutschen Verband" als die alleinige Organisation der Feuerbestattungsbewegung in Deutschland bestimmt. Auf der außerordentlichen Verbandstagung in Karlsruhe 1935 wurde eine neue Satzung erlassen, nach der der jeweilige Leiter des Verbandes vom „Beauftragten des Führers zur Überwachung der geistigen und weltanschaulichen Erziehung der NSDAP“,   Alfred Rosenberg, bestätigt werden musste. „Der Wille des Führers ist oberstes Gesetz“, so hieß es in allen Partei- und SS- Dienstanweisungen. Das System der gewaltmäßigen Seelenunterwerfung monopolisierte alle Handlungen der Bewegung und zwang sie in ein starres Organisationsschema.
           
  
      
Alles war gleichgeschaltet bei den Nazis auch die Feuerbestattung in der nun Großdeutschen Feuerbestattung unter Reichsaufsicht. Dazu wurde dem Volksgenossen wiederum sein sauer verdientes Geld aus der Tasche gezogen. Das der am Ende sowieso unter den Nazis den Tod fand, im KZ, an der Front, im Bombenhagel oder auch noch starb an Unterernährung wie die Reste der Bevölkerung in Königsberg 1945 – 1946, störte die Großdeutsche Feuerbestattung nicht sonderlich.
Wie mir in diesem Zusammenhang zu Ohren kam, mußte in der Großdeutschen Feuerbestattung ein  Sohn seine Mutter 1946 nach deren Hungertod in Königsberg noch selbst begraben, Beiträge hin, oder Beiträge her . Holz gab es in Königsberg für eine Feuerbestattung längst nicht mehr aufzufinden, die Besatzer hatten die vorgefundenen Fensterläden längst schon als Feuerholz verbraucht!
     

  

Mitgliedsausweis
  
Die verklebten Monatsbeiträge zur Volks-Feuerbestattung - ein schicksalhafter Zeitbeleg
Im Jahre 1935 ab in den Arbeitsdienst, dann in den zweiten Weltkrieg als Soldat, überlebt, 1946 mit Marken weiter geklebt, die mit „BEZAHLT“ entwertet wurden - als wenn dazwischen nichts gewesen wäre!
   
  
Ach ja, auch eine Kriegsumlage zur Deckung der Kriegssterblichkeit war 1944 im gleichgeschalteten Verband der Großdeutschen Feuerbestattung fällig und sollte bei jedem Leistungsanspruch  vorgelegt werden; deshalb mußte diese Quittung über die gezahlte Kriegsumlage auch noch gut aufbewahrt werden, Kriegswirren hin oder her!
   
     
War es dann soweit, so wurden auch die Hinterbliebenen nicht von Gebühren verschont.
Insofern behielt nicht mal der Spruch: "Umsonst ist nur der Tod" seine Gültigkeit!
   
Gebührenmarke der Friedhof- Veraltung Düsseldorf über 1Mark


 

Quelle: 
Aus dem unerschöpflichen Fiskal- Philatelistischen Stempel- und Gebührenmarken- Fundus 
von Gunter Wagner Filderstadt, von wem denn sonst?!


        

www.stempelpapier.de