Renten- und Angestelltenversicherungsmarken -
ein weiteres, sehr großes Fiskal- Philatelistisches Sammelgebiet!
     
Hier die Teilrentenversicherung (K) für Freiwillige Versicherte 
der Versicherungsanstalt Berlin ab 1945
  
  
Sozialversicherung: Kontinuität oder Neubeginn?
Nach Kriegsende ist das System der sozialen Sicherung in Deutschland zerstört. Bereits im Herbst 1945 beraten die Alliierten über die Wiedereinführung der Sozialversicherungen. Ein gemeinsamer Entwurf der Besatzungsmächte, die Kranken-, Unfall- und Invalidenversicherung zu einer allgemeinen Versicherung zusammenzulegen, scheitert jedoch. Nur in Berlin gelingt es, für alle vier Zonen eine gemeinsame Einheitsversicherung einzuführen.
    
„Das Berliner Modell“
Am 1. Juli 1945 nimmt die Versicherungsanstalt Berlin ihre Arbeit auf. Die neue Berliner Sozialversicherung finanziert sich ausschließlich aus den Beiträgen ihrer Versicherten. 
Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen jeweils zehn Prozent des Bruttoarbeitslohnes (Arbeitslohn vor Abzug der Steuern und Sozialversicherungsbeiträge) für die vereinigte Kranken-, Unfall-, Invaliden- und Altersversicherung. Der monatliche Höchstbetrag beträgt 50 Mark für eine Einzelperson und 200 Mark für eine Familie.
Ab dem 1. November 1945 werden wieder Renten ausgezahlt. 
Im Jahr 1946 werden die Studentenversicherung, die Ausstellung von Versichertenausweisen und die Abrechnung der Kassenärzte nach Einzelleistungen statt Pauschalbeträgen eingeführt.
   
  
Der Zeitraum vom 01.07.1945 bis 31.12.1950
Nach dem staatlichen Zusammenbruch am 08.05.1945 wurden in Berlin alle Sozialversicherungsträger stillgelegt.
Auf der Grundlage der Anordnung des Magistrats von Berlin über den Wiederaufbau der Sozialversicherung vom 14.07.1945 (Verordnungsblatt für die Stadt Berlin - VOBl. - 1945 S. 64) wurde mit Wirkung vom 01.07.1945 an die Versicherungsanstalt Berlin (VAB) mit Sitz im früheren Ost-Berlin errichtet, die die Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung als Einheitsversicherung durchführte.
Eine Entrichtung von Beiträgen in Berlin für den Monat Juni 1945 war nicht möglich (vgl. hierzu SG Berlin vom 10.11.1959 - S 9 J 22/59 - in Mitteilungen der LVA Berlin 1959 S. 210).
Die bis zum 08.05.1945 gültig gewesenen Vorschriften der RVO und des AVG fanden in Berlin nach dem Zusammenbruch über Jahre hinweg keine Anwendung.
Rechtsgrundlage für die Durchführung der Sozialversicherung war zunächst die o. a. Magistratsanordnung i. V. mit Vorstandsbeschlüssen und Geschäftsanweisungen der VAB; diese wurden mit Wirkung vom 01.07.1945 an durch die Satzung der VAB vom 20.09.1946 ersetzt. 

Danach waren - mit Ausnahme der Beschäftigten im Eisenbahnbetrieb, für die die sowjetische Militärverwaltung die Versicherung geregelt hatte - grundsätzlich alle Beschäftigten sowie Gewerbetreibenden und sonstigen Selbständigen bei der VAB pflichtversichert.
Voraussetzung für die Versicherungspflicht war, dass die Beschäftigten - mit Ausnahme der Lehrlinge - gegen Entgelt tätig waren.
Eine Unterscheidung nach ArV und AnV wurde nicht getroffen.
Bei Gewerbetreibenden und sonstigen Selbständigen war für die Versicherungspflicht Voraussetzung, dass die Tätigkeit ihren Hauptberuf bildete und sie in ihrem Gewerbe (Betrieb) regelmäßig keine oder höchstens fünf Versicherungspflichtige beschäftigten (die bei ihnen mitarbeitenden Familienangehörigen blieben bei der Berechnung der Zahl der Versicherungspflichtigen unberücksichtigt).
Die im Betrieb eines Gewerbetreibenden oder sonstigen Selbständigen nicht nur vorübergehend mitarbeitenden Ehegatten waren vom 01.07.1945 bis 30.09.1946 zu versichern, sofern die Tätigkeit ihren Hauptberuf bildete. 
Die Versicherungspflicht der anderen Familienangehörigen endete bereits am 31.12.1945 (sie konnten jedoch über diesen Zeitpunkt hinaus versicherungspflichtig sein, wenn sie in einem regelrechten Beschäftigungsverhältnis standen).
Für die Sozialversicherung wurde in der Zeit vom 01.07.1945 bis 31.12.1950 ein einheitlicher Beitrag in Höhe von 20 % des Bruttoverdienstes erhoben, und zwar je 10 % vom Arbeitnehmer und vom Arbeitgeber. 
Die Beitragsentrichtung erfolgte in der Zeit vom 01.07.1945 bis 31.12.1946 im Lohnabzugsverfahren 
und vom 01.01.1947 bis 31.12.1950 im Markenverfahren.
Von der Verpflichtung, Beitragsmarken für die Beschäftigten zu verwenden, waren nach einer Sonderregelung alle Betriebe mit mehr als 10.000 Beschäftigten befreit; das gleiche galt für die Stadtverwaltung und die Firmen AEG, Osram und Siemens. Diese Arbeitgeber bescheinigten lediglich auf der Versicherungskarte die Beschäftigungszeiten und die hierfür abgeführten Beiträge.
Die Beitragsentrichtung der Gewerbetreibenden und sonstigen Selbständigen erfolgte vom 01.07.1945 bis 31.12.1946 entweder durch Bareinzahlung oder durch Überweisung auf die Konten der VAB und vom 01.01.1947 bis 31.12.1950 durch Verwendung von Beitragsmarken (§ 70 Abs. 4 und 6 der VAB-Satzung).
Unständig Beschäftigte hatten die Beiträge durch Bareinzahlung bei der für ihren Wohnort zuständigen Verwaltungsstelle der VAB zu entrichten.
Die Beiträge waren vom 01.07.1945 bis 30.09.1946 allein von dem Versicherten und ab 01.10.1946 von dem Versicherten und der Stadt Berlin - anstelle des Arbeitgeberanteils - aufzubringen (§ 69 Abs. 1 der Satzung der VAB).
Versicherungskarten und Versicherungsnachweise zur VAB wurden 1945 nicht ausgestellt. 
Nur die versicherungspflichtigen Gewerbetreibenden und Selbständigen erhielten Mitgliedskarten.
Der Nachweis der Pflichtversicherung für Beschäftigte in der Zeit vom 01.07.1945 bis 31.12.1946 erfolgte in dem vom 01.01.1946 an eingeführten "Versichertenausweis 1946".
Ab 01.01.1947 wurde die "Versicherungskarte 1947" und ab 01.01.1948 die "Versicherungskarte 1948 für Beschäftigte" eingeführt.
Die Versicherungskarte 1948 wurde bis etwa Herbst 1949 unter Verwendung von Einlagebögen weiter benutzt.
Anschließend wurden neue Kartenmuster "Versicherungskarte Nr. ... für Beschäftigte" unter Wiedereinführung der laufenden Kartennummerierung ausgegeben.
Den versicherungspflichtigen Gewerbetreibenden und Selbständigen bescheinigte die VAB die entrichteten Beiträge; hierbei wurden Beiträge für den mitarbeitenden Ehegatten (01.07.1945 bis 30.09.1946) in den Versicherungsausweis des Gewerbetreibenden oder sonstigen Selbständigen eingetragen.
Aus der Aufrechnungsbescheinigung für die Versicherungsausweise ist die Art der Versicherung ersichtlich:
Pfl. B  = Pflichtversicherung als Beschäftigter
Pfl. S  = Pflichtversicherung als Selbständiger
Pfl. m. E. = Pflichtversicherung als mitarbeitender Ehegatte
Für die Selbstversicherung und Weiterversicherung waren Beitragsmarken in dafür ausgestellte Versicherungskarten einzukleben.
Die freiwillige Versicherung konnte als Vollversicherung oder Teilversicherung erfolgen. 
Die Vollversicherung erstreckte sich auf die Kranken-, Renten- und Unfallversicherung, die Teilversicherung auf die Kranken- oder Rentenversicherung. 
Aus dem Aufdruck auf den Marken ist die gewählte Versicherungsart zu ersehen.
Für die Rentenversicherung sind nur die Marken mit dem Aufdruck R oder R + K zu berücksichtigen. 
Bei der freiwilligen Rentenversicherung gab es Monatsbeiträge zu 6,00 und zu 12,00 RM/DM. (Für Berlin wohl eher 9 RM oder DM, siehe meine Beispiele hier!!)
Bei der kombinierten freiwilligen Renten- und Krankenversicherung hatten die Beiträge einen Wert von 12,00 und 20,00 RM/DM, wobei 6,00 bzw. 12,00 RM/DM als Rentenversicherungsbeitrag anzurechnen sind.
Auf den Aufrechnungsbescheinigungen ist die Art der Versicherung angegeben (frw. R = freiwillige Teilversicherung, frw. V = freiwillige Vollversicherung).
Von der Aufrechnung waren die Versicherungskarten für die Teilversicherung K ausgeschlossen.
Die Verordnung über die freiwillige und zusätzliche Versicherung in der Sozialversicherung vom 28.01.1947 fand in Berlin während der VAB-Zeit keine Anwendung.
Die VAB führte die Sozialversicherung in der Zeit vom 01.07.1945 bis 31.01.1949 für Gesamt-Berlin durch.
In der Zeit vom 01.02.1949 an wurde die Sozialversicherung aufgrund der Spaltung der VAB in VAB-Ost und VAB-West für Beschäftigte in West-Berlin und Beschäftigte in Ost-Berlin getrennt durchgeführt. 
Auf die zur VAB-Ost entrichteten Beiträge ist § 257 SGB 6 nicht anzuwenden.
Die Zuständigkeit des Versicherungsträgers (VAB-West oder VAB-Ost) richtete sich grundsätzlich nach dem Beschäftigungsort; der Betriebssitz des Arbeitgebers war nicht entscheidend.
  
  
Die blauen Marken in Reichs- Mark- Währung mit dem Überdruck „K“ für die Teilversicherung 
galten seit Ausgabe der Versicherungskarten 1947.
Hier mit dem Monatsnamen „DEZEMBER“ 
und auch mit schwarz durchbalktem Monatsnamen wie „OKTOBER“
Linke Marke schwach entwertet, aber = 3.12.47
Diese Marken sind im Erler unbekannt!
   
   
Original Versicherungskarte von 1950, Teilversicherung „K“ , der Versicherungsanstalt Berlin, Verwaltungsstelle 4
Teilversicherung „R“ und Vollversicherung „V“ sind durchgestrichen!
   
   
Verklebte Versicherungsmarken einer Teilversicherung mit dem Kennbuchstaben „K“ über 9 DM 
der Jahre 1950, 1951 und 1952
  
Die Deutsche Mark (abgekürzt DM und im internationalen Bankenverkehr DEM, umgangssprachlich auch D-Mark oder kurz Mark, im englischsprachigen Raum meist „Deutschmark“) war von 1948 bis 1998 als Buchgeld, bis 2001 nur noch als Bargeld die offizielle Währung in der Bundesrepublik Deutschland und vor deren Gründung in den drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands und den westlichen Sektoren Berlins. Sie wurde am 21. Juni 1948 in der Trizone und drei Tage später auch in den drei Westsektoren Berlins durch die Währungsreform 1948 als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt und löste die Reichsmark als gesetzliche Währungseinheit ab. Auch nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949 blieb die Deutsche Mark die Währungseinheit in der Bundesrepublik einschließlich West-Berlin.
   
Freiwillige Teilversicherungsmarken der Versicherungsanstalt Berlin (V B) 
mit einem netzartigem Unterdruck und dem Überdruck „K“ für Teilversicherung
Auch diese Marken sind im Erler Katalog unbekannt!
   
Entwertet mit Stempel „TAG, Monat und Jahreszahl“
    



Quellen: 
- Beitragsmarken und Versicherungskarte aus dem Stempelmarken- Fundus von Gunter Wagner, Filderstadt, von wem denn sonst?
-  Weitere Infos aus dem Net,  z. B. von der Rentenversicherung der BRD

 

        

www.stempelpapier.de