Der Stempelpapier- Impost aus dem Großherzogtum Baden
1. Einführungsplan
2. Alle Gebühren in einen Topf
3. Einführung neuer Gebührenstempel in den nördlichen, neu hinzugekommenen Landesteilen
4. Von dem Gebührenimpost: den Taxen
5. Von dem Gebührenimpost: den Sporteln und dem Geldwert
6. Von dem Gebührenimpost: den Stempelgebühren
7. Einführung povisorischer Gebührenstempel in den südlichen Landesteilen
8. Der endgültige Gebührenstempel
9. Der Urkundenstempel als Kontrollstempel
10. Der Kontrollstempel ohne Werteintrag
11. Der Hoheitsstempel als Kontrollstempel
12. Die Währungsumstellung
   
   
1. Einführungsplan
  
Herrschaftsgebiet um 1800 
    
   
Herrschaftsgebiet um 1806
   
  
Geschichtliches
Im Luneviller Frieden 1801, Verlust von 8 Quadratmeilen mit 25 000 Einwohnern, hatte Baden 60 Quadratmeilen mit 237 000 Einwohnern erhalten. 
Der Preßburger Friede von 1805 brachte Baden weitere Gebiete. 
Drei Monate später in 1805 schlossen sich 16 deutsche Reichsfürsten im Rheinbund unter dem militärischen und stillschweigend politischen Protektorat Napoleons zusammen. Mit dem Beitritt zur Rheinbundakte hatte sich Baden von Reiche losgesagt und die volle Souveränität erlangt. 
Der Kurfürst Karl Friedrich nimmt den Titel Großherzog an. 
Durch den Wiener Frieden von 1809 folgten 1810 neue Gebietserwerbungen. 
Damit hatte das Großherzogtum seinen größten Gebietsstand erreicht.
   
   
2. Alle Gebühren in einen Topf
   

Der Stempelpapierimpost der verschiedenen an Baden gekommenen Herrschaftsgebiete 
z.B. wie oben gezeigt von links: 
Fürstentum Leiningen, Herzogtum Modena, Kurfürstentum Pfalz (Churpfalz)

   
  

Schon die Vereinigung von Baden-Baden und Baden-Durlach hatte an die Verwaltung hohe Anforderungen gestellt. Noch schwieriger war es, zahllose kleine Gebietsteile zu einem lebensfähigen Staate zu verbinden, zumal unter den Untertanen ein Drittel der Bevölkerung unter den unzufriedenen entthronten Fürsten (sog. Standesherrschaften) stand. 
13 Organisationsedikte und 7 Konstitutionsedikte ab 1806 sollten die Staatseinheit herbeiführen. 
Sehr verschieden war der Steuerfuß in der Markgrafschaft Baden-Baden und Baden-Durlach; verschieden in den oberen und unteren durlachischen Landen; im Fürstenbergischen war der Steuerfuß so ungleich, daß man bald nach der Besitznahme eine provisorische Steuer-Ausgleichung veranstalten mußte; in den fürstlich und gräflich Leiningischen-, Salm-Krautheimischen- und Löwenstein-Wertheimischen Landen war der Pfälzische,- Mainzische,- Würzburgische und Wertheimische Steuerfuß gültig. Es folgte 1807 die sogenannte "Tax-, Sporteln- und Stempel-Ordnung" für das Großherzogtum Baden, mit Einschluß aller Hoheitslande.

      
   

Da es nicht sofort genug Stempel gab, wurden die benötigten Papiere mit den alten Stempeln weiterbenutzt. Diese sind noch bis 1813 vorgekommen (sog. Aufbrauchpapiere). Zu sehen sind hier verschiedene Stempelentwertungen von Amtsschreibern in handschriftlicher und Handentwerterstempel- Form.

   
 
Mit der Verordnung von 1807 wurden neue Stempelsignetten eingeführt, die aber erst 1808 auf Stempelpapieren vorzufinden sind. Im nördlichen Landesteil war es der Kurlöwe im neuen Landeswappen als Trockenprägestempel und in den südlichen Landesteilen das badische Wappen als Aufdrucknasstempel in schwarzer Farbe.
   
   
3. Einführung neuer Gebührenstempel in den nördlichen, neu hinzugekommenen Landesteilen
       
Sofort mit den Gebietsgewinnen von 1801 und auch im Reichsdeputationshauptausschuss von 1803 bestätigt, bekam die Markgrafschaft Baden die Kurwürde zugesprochen. Kurfürstentum Baden. Nun konnte das Haus Baden auch an der Wahl des deutschen Kaisers teilnehmen. Es wurden neue Stempel eingeführt, als Insignien der neuen Herrschaft. Hier als schwarzer Aufdrucknasstempel mit dem Kürzel " KUR BAD", dem badischen Schild und der Fürstenkrone.
   
   
4. Von dem Gebührenimpost: den Taxen
   
Taxe: von lateinisch taxare = abschätzen. Der amtlich festgesetzte Preis, der vom Taxator ermittelte Wert, z.B. eines Grundstückes. Dann auch (besonders in Süddeutschland) Gebühr, Verkehrsgebührenabgabe. Gebühren für Dispensationen, Konzessionen und andere begünstigende Entscheidungen. 
Im Kirchenrecht: öffentliche Gebühr bei Inanspruchnahme der geistlichen oder kirchlichen Behörden. 
Für die Ausstellung von Urkunden (Kanzlei Taxe), für die Akte der freiwilligen Gerichtsbarkeit, besonders Dispensationen und Verleihung einer Pfründe (Vergünstigungen).
   

Hier wurden 30 Kreuzer Tax abgerechnet für die Amtliche Handlung und 3 Kreuzer für das Stempelpapier Trockenprägestempel mittig aufgesetzt. Handstempel- Entwertung. 
Wasserzeichen siehe Blatt 12: die Buchstaben St. K. N. E. und der Baslerstab kopfstehend.

5. Von dem Gebührenimpost: den Sporteln und dem Geldwert
    

Sporteln: von lateinisch sportula = Korb (etwas in den Korb geben), sind Gebühren für bestimmte schriftliche Amtshandlungen (Ausfertigungen, Kanzleitaxe und urkundliche Gebührenvermerke), auch "Gerichtssporteln" genannt.

    

Hier wurden Gerichts - Sporteln 15 Kreuzer berechnet 
und für den Impost Stempel bzw. das Stempelpapier
3 Kreuzer. 
Impost- Aufdrucknasstempel in schwarz, mittig aufgesetzt, mit Handstempel Entwertung.

    

Geldwert: Südwestdeutschland prägten viele Münzstände vermehrt doppelte und vierfache Kreuzer, sog. Halbbatzen und Batzen. Laut Augsburger Reichsmünzordnungen von 1551 und 1559, wurden die Reichsmünzen nach Kreuzer bewertet. In Süddeutschland kam es zur Festsetzung des Guldens (Rechnungsgulden) auf 60 Kreuzer a` 4 Pfennige. Bis Einführung der Markwährung 1871 war der Kreuzer gültig, am längsten in Österreich, bis 1892.

   
   
6. Von dem Gebührenimpost: den Stempelgebühren
      

Stempelgebühr: Eingaben und Geschäfte von Bürgern an Bezirksämter und höhere Behörden mußten auf gestempeltem Papier geschrieben sein. Die Gebühr galt für einen Bogen Papier. Bei mehreren Bögen Papier erhöhten sich auch die Impost Stempelgebühren dementsprechend. Auch waren die waagerecht auf einer Seite zu beschreibenden Zeilen gesetzlich vorgeschrieben.

    

Für den Bogen Papier wurde eine 15 Kreuzer Stempelgebühr eingefordert. 
Es ist ein Trockenprägestempel auf der linke Seite oben auf das Dokument gesetzt wurde. 
Dieser ist mit einem Handentwerterstempel mit dem Buchstaben eines Notares = "G" entwertet worden.

   
   
7. Einführung povisorischer Gebührenstempel in den südlichen Landesteilen
   
Weil die alten Aufdrucknassstempel überholt waren, wurden andere Stempel für die südlichen Landesteile, ab 1821 in ovaler und ab 1825 in runder Form, eingeführt. 
Der Gebrauch dieser Stempel ist bis 1836 nachgewiesen. 
Entwertet mit dem Buchstaben- Handstempeln von Amtsrevisoraten, später dann auch durch Notare. 
Diese Stempelpapiere sind sehr selten aufzufinden!!
      
       
8. Der endgültige Gebührenstempel
    
   

Um 1830 kommen nun die endgültigen Stempel für das ganze Großherzogtum in Gebrauch, die bis zum Ende der Stempelgebühr im Jahre 1888 ihre Gültigkeit besaßen. Es wurden nur noch handschriftliche Gebühreneinträge vorgenommen, und es war keine direkte Stempelentwertung mehr nötig, obwohl hier oben noch durch den Stempel geschrieben worden ist. 
Hier 8 Kreuzer an Sporteln und 30 Kreuzer für das Stempelpapier.

   
   
9. Der Urkundenstempel als Kontrollstempel
    

Dieses Dokument wurde bei einer Schuld und Unterpfandsverschreibung von Liegenschaften verwendet. Der behördliche Akt war hier Stempelgebührenfrei. Die Verordnung, welche die Schuldurkunde betrifft, stammt von 1830. Erstmals ist von mir ein Dokument in 1852 vorgefunden worden. 
Diese Dokumente sind sehr, sehr selten aufzufinden.

   
    
10. Der Kontrollstempel ohne Werteintrag
   

Diese Amtshandlung war Stempelgebührenfrei, da sie dem sog. Armenrecht unterlag.
Die anderen Gebühren mußten dennoch bezahlt werden: z.B. Accise, Werttaxen und Sporteln. 
Erstmals ein Dokument in 1878 vorgefunden. 
Handschriftliche Gebühreneinträge, keine Entwertung des Stempels mehr nötig.

      
      
11. Der Hoheitsstempel als Kontrollstempel
   

Dieser wurde zur Sicherheit den Dokumenten ab 1888, als noch einziger verbliebener Stempel (bis 1909 vorgefunden), den Dokumenten mittig aufgedrückt.
Nur handschriftliche Gebühreneinträge sind noch vorgeschrieben, keine andere Stempelentwertung mehr nötig.

   
   
12. Die Währungsumstellung
   

1871 erfolgte dann die Währungsumstellung im ganzen Deutschen Reich.
Es wurde der alte Kontrollstempel weiterbenutzt und die neue Währung mittig hinzugefügt.

   

Der Hoheitsstempel (Kontrollstempel) wurde auf der linken Seite abgeschlagen
und der schwarze Gebührenwertstempel zu Einer Mark rechts


        

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