Der Stempelpapier- Impost aus dem Königreich Württemberg 
von 1805 bis 1817
 
1.  Einführungsplan mit Karte und Geschichte
2.  Trotzdem und jetzt erst recht. Nun eine erste und zweite Stempelpapier Ordnung
3.  1808 die endgültige, revidierte Stempelpapier Impost für ganz Württemberg und der Geldwert im Land
4.  Der Stempelpapier- Impost in 1808
5.  Ab 1808 neue Stempelsignetten vorgeschrieben, provisorische werden eingeführt
6.  Der Stempelpapier Impost in 1809
7.  Der Stempelpapier Impost in 1810
8.  Der Stempelpapier Impost in 1811
9.  Der Stempelpapier Impost in 1812
10. Der Stempelpapier Impost in 1813
11. Der Stempelpapier Impost in 1814
12. Der Stempelpapier Impost in 1815 und 1816 und das Ende der Steuer?!
 
Herrschaftsgebiet um 1800
   
  
Herrschaftsgebiet um 1806
   

Geschichtliches

Das Herzogtum Württemberg bildete am Ende des Alten Reichs mit etwa 650 000 Einwohnern und einem Staatsgebiet von 9 500 Quadratkilometern das größte und geschlossendste Territorium im deutschen Südwesten. Im Reichsdeputationshauptschuss von 1803 erlangte Friedrich II. als Ersatz für die von Frankreich annektierten linksrheinischen Gebiete einen Gebietszuwachs mit einer Gesamtbevölkerung von 120 000 Menschen. Außerdem wurde wie auch dem badischen Haus, Württemberg die Kurfürstenwürde zuerkannt. Diese neuerworbenen Territorien fasste Friedrich zu einem eigenen, absolutistisch regierten Staat Neuwürtemberg zusammen.

Das ihm von Napoleon 1805 aufgezwungene Kriegsbündnis gegen Österreich trug ihm die Königskrone sowie beträchtliche Gebietsgewinne ein. Friedrich widersetzte sich den Rheinbundplänen Napoleons und beugte sich nur, weil weitere territoriale Zugewinne in Aussicht gestellt wurden. Durch seine großzügig bemessene Sache im Feldzug Napoleons gegen Preußen und Österreich erwartete Friedrich weitere Gebietsgewinne, vor allem eine Annektion Badens. Napoleon, der sich den Wünschen Friedrichs nicht verschloss, wollte ein Friedensabkommen mit England und brauchte dazu Friedrich, als Verwandtschaftsfaden zum englischen Haus. Doch der Vertrag kam nicht zu Stande. Da schlug 1809 der günstige Wind aus Paris um, und Friedrich musste sich mit kleinen territorialen Mindestforderungen zufrieden geben. 1810 waren die endgültigen Grenzen festgelegt und das Staatsgebiet wuchs auf 19 503 Quadratkilometer an, mit 1 340 000 Einwohnern.

 
   
2. Trotzdem und jetzt erst recht. Nun eine erste und zweite Stempelpapier Ordnung
  
Hoheitsstempel (Kontrollstempel) 1805:
beide FR = Friedrich Rex und Klassenstempel 1805 mit 3 + 6 Kreuzer
  

Durch die Widerstände der Stände im eigenen Land war es den Herrschern Württembergs vorher nie gelungen, außer in 1719, aber 1720 schon wieder aufgehoben, wie in allen anderen Staaten auch, eine Stempelpapiersteuer einzuführen. Die alte Accise- Ordnung, als Verbrauchssteuer von 1744, wurde auch nach 1805 in den alten württembergischen Ländern beibehalten.

  
In den Neuwürttembergischen Ländern ist dann 1805 die (Erste) Stempelpapier Ordnung eingeführt, mit neuen Stempeln zu: 6 Klassen (Wertstufen), die Stempelwerte zu: 2/3/6/15/30/ Kreuzer und 1 Gulden.

Die (Zweite) allgemeine Stempelpapier Ordnung für alle Württembergischen Lande wurde 1806, immer noch gegen den Widerstand der reichen Stände, die um Ihre Pfründe bangten, eingeführt und zwar in:2 Hauptgattungen, die eine nach Maßgabe des Geldwertes mit 7 Klassen zu:
3/6/15/30/ Kreuzer und 1/2/3 Gulden,
sowie die andere Gattung:
nach der Beschaffenheit des Gegenstandes mit 6 Klassen zu:
2/3/6/12/15 Kreuzer und 1 Gulden.

   
   
3. 1808 die endgültige, revidierte Stempelpapier Impost für ganz Württemberg und der Geldwert im Land
 
Ein Kontrollstempel mit FR und die Klassenstempel in 1808
   

Eine revidierte Stempel- und Tax- Ordnung wurde dann, sehr umfangreich, am 14. November 1808 eingeführt, die aber dann auch nur bis 1816 Bestand haben sollte.

 

Zwei Gattungen, die eine nach dem Geldwerte des zu erhebenden Impostes in 11 Klassen zu: 3 / 6 / 15 / 24 / 30 / 45 Kreuzer ,1fl., 1fl.+ 30 Kreuzer, 2 / 3 / 4 Gulden.
  

Die andere nach der Beschaffenheit des Gegenstandes des zu erhebenden Impostes in14 Klassen zu: 2 / 3 / 6 / 12 / 15 / 24 / 30 / 45 Kreuzer, 1 / 2 / 3 / 4 / 5 / 10 Gulden.

  

Auch sollten die Rechtsgeschäfte und sonstige stempelpflichtige Handlungen nur noch auf mit der Jahreszahl versehenen gestempelten Papieren, sowie mit der Jahreszahl versehenen Stempeln ausgeführt werden. Diese Jahreszahl ist dann aber im Stempel und im Wasserzeichen, wie im Edikt von 1806 vorgeschrieben, bei den verwendeten Papieren erst im Jahr 1811 vor zu finden.

 
Geldwert
In Süd- und Südwestdeutschland prägten viele Münzstände vermehrt doppelte und vierfache Kreuzer, sog. Halbbatzen und Batzen. Der Kreuzer war um die Mitte des 16. Jh.s bereits so verbreitert, dass er Eingang in die Augsburger Reichsmünzordnung von 1551 und 1559 fand. Dort wurden die Reichsmünzen nach Kreuzern bewertet. In Süddeutschland kam es zur Festlegung des Guldens (Rechnungsgulden) auf 60 Kreuzer a` 4 Pfennige. Es gab auch 3,- 6,- 7,- 10,- 12,- 15,- und 20- Kreuzer Stücke, die beiden letzteren Vielfache waren vor allem in 17./18. Jh. verbreitet. Die Kreuzerprägung wurde in den süddeutschen und einigen mitteldeutschen Staaten bis zu Einführung der Markwährung 1871 beibehalten, am längsten in Österreich bis zur Einführung der Kronenwährung 1892.
   
    
4. Der Stempelpapier- Impost in 1808
  
Ein Stempelpapier aus 1808. Die gesiegelte Aufstellung zur Schuldanerkenntnis, mit 2 Kreuzern Gebühr für den Bogen Papier. Zwei Aufdruck- Nassstempel in schwarzer Farbe, links und rechts gesetzt. 
Der Hoheitsstempel linke Seite und der Klassenstempel rechte Seite. ½ Bogen Papier, 
ohne Wasserzeichen. 
Die Urkunde ist oben links handschriftlich entwertet worden, durch Durchschreiben des Hoheitsstempels.
   
   
5. Ab 1808 neue Stempelsignetten vorgeschrieben, provisorische werden eingeführt

Hier die Klassenstempel- Signetten von 1808 bis 1811, die älteren mit der Reichsfahne sind schon seit 1805 im Gebrauch.
Es gab viele Abarten von Stempeln.
Mit großer oder kleiner Krone, mit schmalen oder breiten Wappen, kleinen oder großen Durchmesser, links oder rechts umlaufenden Lorbeerkranz, großen oder kleinen Lorbeerblättern, usw.
Die Entwertung der Klassenstempel war vorgeschrieben mit dem Revisionsstrich oder mittels Durchschreiben. Obwohl vorgeschrieben, sind die wenigsten dieser Signetten handschriftlich entwertet worden!

   
  
Es dauerte sehr lange, bis neue Stempel mit einer Jahreszahl eingeführt wurden, nämlich erst ab 1811. Deshalb wurden auch noch bis 1811 die alten Stempelsignetten weiterverwendet 
(die sog. Aufbrauchpapiere), d.h. der Vorrat an vorhandenen Papieren wurde erst verbraucht. 
Dabei kamen auch die neuen, provisorische Stempelsignetten in den Gebrauch, die den späteren, endgültigen Stempeln sehr ähnlich sahen. Diese waren immer noch ohne Jahreszahl. Sie hatten die gleiche Größe im Durchmesser = 29 mm, wie die alten Stempel mit der Reichsfahne und den Geweihen (Gewerken).

Diese provisorischen Klassenstempel wurden dann aber alleine mittig, oben auf das Papier gesetzt. Der schwarze Hoheitsstempel (Kontrollstempel) mit "FR", vorher immer dazu auf die linke obere Papierseite gesetzt, fällt weg, nachdem des Königs Macht in Württemberg unumschränkt und absolutistisch umgesetzt wurde.

   
   
6. Der Stempelpapier Impost in 1809
  

Königliches, Hochlöbliches Oberamt, Übergabeschreiben, Stempelimpost zu 12 Kreuzer
schwarzer Klassenstempel = 29 mm, mittig gesetzt.
Wasserzeichen Seite a = königliche Kürzel FR, Seite b = königliches Wappen mit Krone.

    
    
7. Der Stempelpapier Impost in 1810
   
Hier noch ohne Jahreszahl, Stempeldurchmesser nun 23 mm
   
   

Erbteilung 1810, Ettenhausen, Amt Bartenstein, Oberamt Ingelfingen, neuer Klassenstempel in verkleinerter Form. Durchmesser = 27 mm. 
Es ist ein schwarzer Aufdrucknassstempel, der mittig gesetzt wurde.
Doppelbogen Papier mit dem Wasserzeichen Seite A) = das württembergische Hoheitswappen,
Seite B) = F R ( Friedrich Rex).

     
      
8. Der Stempelpapier Impost in 1811
   
Jahreszahl 1811, Stempeldurchmesser = 29 mm
      

Neue, endgültige Klassenstempel werden eingeführt, mit einer Jahreszahl, die, wie schon in der Verordnung von 1808 vorgeschrieben, nur noch im selben Jahr benutzt und gebraucht werden durften.
Das gleiche galt auch für dass zu bestempelnden Papier mit dem Wasserzeichen, der Jahreszahl.

     
   
½ Bogen Papier mit dem Wasserzeichen auf dieser Seite: FR + 1811
   
  
Kostenaufstellung von 1810/11. Schwarzer Aufdrucknassstempel, mittig gesetzt, 
jetzt, wie in der Verordnung von 1808 vorgeschrieben mit der Jahreszahl 1811 versehen, 
sowie dem Wasserzeichenpapier: 1811 + FR.
   
   
9. Der Stempelpapier Impost in 1812
       
Jahreszahl 1812, geänderte Stempel im Durchmesser = 23 mm
   
   
Schreiben an das Hochlöbliche Oberamt, 
schwarzer Klassenaufdrucknassstempel zu 6 Kreuzer mittig gesetzt, Jahreszahl 1812. 
Wasserzeichen im Papier auf jeder Seite des Bogens = 2x 1812 und FR
      
     
10. Der Stempelpapier Impost in 1813
    
Jahreszahl 1813, geänderte, ovale Stempel mit den Stempelmaßen = 26 X 22mm
     
    

Vorladung eines Freiherrn von Zabel zu Würzburg zum Großherzoglichen Hofgericht zu Würzburg, schwarzer Aufdrucknassstempel zu 6 Kreuzer, mittig gesetzt, mit der Jahreszahl 1813 
und dem Wasserzeichen im Papier,
  je Seite vom Bogen: FR + 1813

    
   
Annoncenaufgabe im Schwäbischen Merkur war kostenpflichtig pro Zeile 
und als Quittung stempelpflichtig.
      
       
11. Der Stempelpapier Impost in 1814
   
Jahreszahl 1814 
wieder geänderte, nun runde Stempel mit einem Durchmesser von = 23 mm
   
   

Schuldforderung von einer Fideikommiß Administration, vor dem Würzburgischen Hofgerichts Tribunal
Schwarzer Klassenaufdrucknassstempel 12 Kreuzer, mittig gesetzt, mit der Jahreszahl 1814,
sowie mit dem Papierwasserzeichen pro Seite: FR + 1814

   
    

12. Der Stempelpapier Impost in 1815 und 1816 und das Ende der Steuer?!

    
Jahreszahl 1815, geänderte Stempel. Die Kreuzerwerte haben eine runde Stempelform. 
Durchmesser = 23 mm. Die Guldenwerte hatten eine ovale Stempelform: Maße 27 x 23 mm. Wasserzeichen pro Bogenseite: FR + 1815
   
   
Jahreszahl 1816, mit dem geänderten Stempel. 
Alle Stempelwerte haben nun eine ovale Form, mit den Maßen 27 x 23 mm. 
Wasserzeichen im Papier: FR + 1816
    

Das Ende der Stempelsteuer in Württemberg sicher,
aber Ausnahmen bestätigen die Regel!

   
   
Eine provisorische Einführung des verbesserten Stempelwesens in 1817 mit Sporteln 
und ein Stempelsurrogat zur Vermeidung von doppelter Gebühr (Tax und Stempelgebühr) ergibt, 
dass es durch die Taxibilien vom 1.2.1817 in Württemberg keine Stempelgebühr mehr gibt, 
bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Kalender, Karten, Reisepässe, Zeitungen, Wein- und Most- Produkte, Viehpässe, Hausirscheine, Vollmachten, Unterpfandzettel, amtl. u. gerichtl. Obligationen, Schuld- u. Bürgscheine, sowie Stempelkautionen).
   
   

 

EXPONAT VON GUNTER WAGNER, FILDERSTADT, unter Mitarbeit von Wolfgang Morscheck, Bad Säckingen. 


        

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