Wertmarke der Röntgen- Reihenuntersuchung
GAU WIEN
    
    
Die Röntgenreihenuntersuchung (RRU) war die von 1939 bis 1983 praktizierte systematische Untersuchung der Bevölkerung mit Röntgengeräten zur Früherkennung von Lungentuberkulose und anderen Krankheiten des Brustkorbes, mit verpflichtender Teilnahme auf jeweiliger Landesebene.
  
   
Entwicklung
Im Rahmen der Tuberkulosefürsorge wurde die Röntgenreihenuntersuchung bereits 1926 vom Tuberkulosearzt Franz Redeker (1891-1962) gefordert. Erst Mitte der 30er Jahre lagen die technischen Voraussetzungen für einen Massenbetrieb vor, nachdem der Radiologe Holfelder in Frankfurt am Main das Durchleuchtungsverfahren mit einer Kleinbildkamera kombinierte hatte. Die Schwierigkeit dieser Kombination bestand darin, die strahlenspendende Röhre mit dem Durchleuchtungsschirm und der Kleinbildkamera in das richtige Verhältnis zu bringen. Davor bestand lediglich die Möglichkeit, dass sogenannte Fliegende Tuberkuloseärzte, die auf Anregung des Arztes Joachim Hein eingerichtet wurden, Reihenuntersuchungen nach dem zeitaufwendigen Durchleuchtungsverfahren durchführten.
   
    
Etablierung
Das neue Verfahren, bei dem im Nachgang die Kleinbildaufnahmen durch Fachärzte beurteilt wurden, bestand 1938 einen Probelauf in Mecklenburg. Ab 1939 folgten umfangreiche Röntgenreihenuntersuchungen in Baden, Württemberg, Westfalen und Hannover. Mit der Gemeinde Friedrichstal in Baden wurde erstmals vom Schulkind bis zum Greis die nahezu gesamte Bevölkerung einer Reihenuntersuchung unterzogen. Die neue Technik erlaubte mit Hilfe einer ausgebildeten Bedienungsmannschaft 250 bis 300 vorbereite Probanden je Stunde zu untersuchen.
   
    
Ein Röntgenzug bei der Betreuung der Landbevölkerung in Hermstedt Thüringen 1957
Die Notwendigkeit der Reihenuntersuchung wurde durch begleitende wissenschaftliche Untersuchungen untermauert, wobei die Behauptung, dass bei den ersten 100.000 Untersuchungen ein Anteil von 1,65% tuberkuloseverdächtiger Befunden und ein Anteil von 2,27% krankhafter Herzbefunde gefunden wurde, etwas hoch gegriffen scheint. Letztendlich überzeugte das Argument, insbesondere frühe Stadien der Lungentuberkulose durch Heilstättenbehandlungen zur Ausheilung zu bringen. Als Kostenträger und Förderer der Röntgenreihenuntersuchungen traten daher in erster Linie die Landesversicherungsanstalten und weniger das nationalsozialistische Regime, dem der Entwickler Holfelder nahe stand, auf. 
Bis Kriegsende wurden die Röntgenreihenuntersuchungen auf alle deutschen Länder ausgeweitet.
Vor dem Hintergrund hoher Erkrankungszahlen an Tuberkulose bei den in Norddeutschland angekommenen und in Lagern auf engem Raum untergebrachten Flüchtlingen und Vertriebenen, erließ Hamburg auf Initiative von Prof. Joachim Hein 1945 das Schirmbildgesetz und Schleswig-Holstein 1947 das Gesetz über die Röntgenreihenuntersuchung. Dieses Vorgehen wurde zum Vorbild für die Bundesländer Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern, da das mit Flüchtlingen überfüllte Schleswig-Holstein die Tuberkulose damit unter Kontrolle bringen konnte. In Hamburg selbst und in Bremen wurden die Pflicht-Reihenuntersuchungen bereits 1947 beziehungsweise 1950 aufgegeben. Entgegen dieser Entwicklung richteten Bayern am 6. Juli 1953 mit dem Gesetz über Röntgenreihenuntersuchungen und Baden-Württemberg am 1. April 1954 mit einem Erlass über die Durchführung von Röntgenreihenuntersuchungen, die verpflichtende Röntgenreihenuntersuchung wieder ein.
Neben stationären Schirmbildgeräten kamen in der Nachkriegszeit mobile Schirmbildgeräte in sogenannten „Röntgenbussen“ (in der DDR Röntgenzüge) zum Einsatz.
    
    
Auslaufen
Das Ende Röntgenreihenuntersuchung, die zuletzt nur noch in Baden-Württemberg und Bayern verpflichtend waren, kam in Baden-Württemberg zum 30. Juni 1983. Ab 1978 wurde zuvor das Mindestalter in Baden- Württemberg auf 18 Jahre heraufgesetzt. Die Aufarbeitung der Statistik hatte ergeben, dass bei sinkenden Tuberkulosefallzahlen (Bundesweite Inzidenz zu dieser Zeit von 39 TBC-Erkrankungen auf 100.000 Einwohner) zuletzt nur noch 4,6 Erkrankungen je 10.000 Untersuchungen festgestellt wurden. Der Erfassungsgrad der Bevölkerung lag bei 85-90%. Dem stand das Risiko strahleninduzierter Tumore entgegen. 
Bei der deutschen Bundeswehr wurde die Röntgenreihenuntersuchung bei jedem Soldaten bis 1999 während der allgemeinen Grundausbildung trotz geringer Befundausbeute weiter durchgeführt. 
In Bayern wurde das Gesetz über Röntgenreihenuntersuchungen erst mit Wirkung vom 15. April 2000 aufgehoben.
   
  
Diese Aufforderung in Verbindung mit der auf der Rückseite aufgeklebten Wertmarke berechtigt zur Teilnahme an der Untersuchung und bleibt als Beleg für die erfolgte Teilnahme in Ihrem Besitz. Sie wird zur Untersuchung abgestempelt.
     
   
Nicht abgestempelte staatliche Wertmarke. Der Untersuchung wohl nicht nachgekommen?
  
   
80 Rpf = Reichspfennig
RÖNTGEN-
UNTERSUCHUNG
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Erst auf den zweiten Blick kann man in den Erler-Katalogen diese Marke dann doch noch finden, 
nämlich unter der Rubrik: "Gebühren für Kliniken"
Dies wieder einmal ein Beweis für meine wiederholt gemachte Feststellung, daß Martin Erlers Werk, 
so großartig und unverzichtbar es für uns Fiskal-Philatelisten auch ist, in der heutigen Zeit dringend einer Überarbeitung und Ergänzung bedarf!
Hier wäre wieder einmal die ARGE Fiskalphilatelie gefragt, die aber lieber die alten Schwarten aus dem Schrank teuer verkauft, sich über die dort genannten niedrigen (Ankaufs-)Preise freut, und ansonsten den lieben Gott einen guten Mann sein läßt!

 

Quellen:
-  Wikipedia freie Enzyklopädie
-  und der Beleg stammt aus dem Fiskalmarken- Fundus von Gunter Wagner Filderstadt, von wem sonst?


 

        

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