DIE REISEGENEHMIGUNGSMARKEN DER ALLIIERTEN 1947/1951
Das sind Fiskalmarken, aber keine Postmarken!
  
  
Die militärische Führung der Alliierten (Engländer, Amerikaner, Franzosen) führte mit Wirkung vom 15. Februar 1947 für die Reisegenehmigungen nach den westlichen Teilen Deutschlands, Österreich und das freie Territorium Triest besondere Gebühren ein. Diese wurden in den Travel Permit Offices (bureaux de permis) in Washington und in verschiedenen europäischen Hauptstädten erhoben. Die Zahlung dieser Gebühren wurde durch das Aufkleben spezieller Marken auf die Reisegenehmigungen in besetzte Gebiete oder deren Transit, bzw. in die Reisepässe, nachgewiesen.
Diese Übung wurde bis zur Übergabe der Befugnisse an die Militärregierung in Deutschland beibehalten.
Die Marken wurden zunächst in US Dollars verrechnet, auch wenn die Gebühren im Äquivalent der jeweiligen Landeswährung beglichen werden konnten. Die Höhe der Gebühr wurde mit dem Erlaß Nr. 106 des Dreimächteamtes (Office Tripartite de la Cir­culation) festgelegt: 1 und 2 Dollar für die Transiterlaubnis für eine oder mehrere Reisen, und 2 bzw. 4 Dollar für eine, bzw. mehrere Reisen im betreffenden Land. Sammelgenehmigungen konnten für einen Dollar je Person, in Ausnahmefällen 1/2 Dollar je Person, ausgestellt werden.
Die Angehörigen der alliierten Streitkräfte, die Beauftragten der Besatzungsmächte im Dienstverkehr, die Rheinschiffer und die Eingeborenen waren von Gebühren befreit.
Vor dem Druck und der Verwendung von speziellen Marken erhielt der "service de circulation" von der britischen Verwaltung einen Posten von aus dem Verkehr genommenen Briefmarken und wandelte diese in Fiskalmarken um. Dies geschah durch einen Überdruck der die Inschrift „AM POST“ schwärzte und in vier Zeilen "Military Permit Office Fiscal Stamp" und den Wert zeigte.
Auf diese Weise entstanden zwei Werte zu 1 und 2 Dollar auf den Grundmarken AM POST zu 8 und 12 Pfennig der Washingtoner Ausgabe in Bogen zu 100 Stück, Zähnung 10 1/2 , Plattennummern 45.869 und 45.871.
     
Zur gleichen Zeit gab die interalliierte Verwaltung der Firma M.M. Thomas de la Rue in London den Auftrag, Spezialmarken herzustellen. Diese Marken kamen Ende April 1947 heraus und zeigten das Wappen des SHAEF (Supreme Headquarters Allied Expiditionary Forces). Es wurden 2 Werte zu 1 und 2 Dollar in Bogen zu 60 Stück herausgegeben. Die Bogen tragen am Rand den Druckvermerk "Thomas de la Rue & Company Limited, London" und die Plattennummer (bisher nur Nr. 1 bekannt). Die Marken hatten das Format 26 x 36 mm und waren gezähnt 11 1/2.
Bei der Verwendung zeigte sich, da ß ein kleineres Format dienlicher sei, und bei den folgenden Aufträgen wurde daher eine ähnliche Zeichnung aber ein kleineres Format verlangt. Das neue Format von 18 x 23 mm wurde in Baden-Baden gedruckt (Bogen zu 100 Marken, gezähnt 14, mit Reihenzählern wie bei den deutschen Briefmarken).
Die Werte zu 1 und 2 Dollar erschienen im April 1948, und fünf weitere Werte (Gratis, 4, 10, 20 und 50 Dollar) folgten im Laufe des gleichen Jahres. Die Marken zu 10 Dollar und darüber waren für Sammelgenehmigungen für Reisegruppen vorgesehen.
Diese Serie wurde im September 1950 durch eine Marke zu 1/2 Dollar ergänzt (durch Überdruck "Fifty U.S. Cents" in drei Zeilen auf Marken zu 1 Dollar der gleichen Ausgabe).
Es liegen keine Informationen über die Verwendung dieser Marke vor.
    
Gegen Ende 1948 wurde das System auf die entsprechenden Dienststellen in Deutschland übertragen. Da diese ihre Gebühren in DM erhoben, wurde zunächst ein Provisorium geschaffen, indem man die Genehmigungsmarken zu 1 und 2 Dollar mit dem neuen Wert von 5 und 10 DM überdruckte (September 1948). Die endgültige Ausgabe, die im Dezember 1948 ausgeliefert wurde, zeigte dann bei gleicher Zeichnung die Wertangabe in DM.
Die Anwendung stieß jedoch mangels gleichlaufender Verfügungen in den drei Besatzungszonen auf Schwierigkeiten. Deshalb erschien Anfang 1950 eine Verfügung der drei Mächte, welche die Gebühren und die Markenverwendung vereinheitlichte. Gemäß dieser Verfügung erfolgte die Ausgabe einer Marke zu 1 DM (Überdruck auf Wert zu 1 Dollar) und die Ausgabe einer Marke zu 15 DM (Zeichnung der laufenden Serie).
Die Marke zu 1 DM sollte die Erhebung von Gebühren bei verschiedenen Kombinationen möglich machen, aber offensichtlich wurde diese Marke nicht verwendet.
Bis jetzt ist kein bedarfsmäßig gebrauchtes Stück bekannt.
    
1950 wurde beschlossen, alle Gebühren vom 1. Januar 1951 an in DM zu erheben (unter Fortsetzung der Gepflogenheit der Verrechnung in der Währung des jeweiligen Landes in dem die Erlaubnis erteilt wurde.)
Die Gebühren wurden vornehmlich auf 2 DM für ein Transitvisum, 8 DM für ein Einreisevisum, 16 DM für ein Transit- oder Einreisevisum für mehrere Reisen, und 5 DM für ein Identitätspapier anstelle eines Reisepasses festgesetzt.
Sammelerlaubnisse waren für 1/2 DM pro Person möglich.
Befreiungen wurden wie früher gehandhabt.
   
Das O.T.C. hatte schon Marken zu 5, 10 und 15 DM. Zusätzlich wurden Vorräte an außer Kurs gesetzten Marken (in Dollars) verwendet, indem man diese mit der neuen Währungsangabe in DM überdruckte. Dieser Überdruck erfolgte mit Ausnahme der Werte zu 40 DM auf 10 Dollars und 200 DM auf 50 Dollars (diese in ocker) in schwarz.
Überdrucke in österreichischer Währung wurden nicht ausgegeben, aber Marken in DM-Währung wurden in Wien verwendet.
Die Anweisungen des O.T.C. sahen für den Fall eines eintretenden Mangels an bestimmten Wertstufen vor, daß die Leiter der Travel Permit Bureaux handschriftlich nach Maßgabe der Notwendigkeit einzelne Marken umwerten durften.
Bis heute wurden aber solche Stücke nicht gefunden.
    
Die Genehmigungsbüros wurden im Verlauf der Übergabe der konsularischen Autorität an die deutschen und österreichischen Behörden geschlossen. So Ende Januar 1951 die Büros in London, Paris und Washington, wie auch mit etwas zeitlicher Verzögerung die Büros in den sozialistischen Ländern Osteuropas (z.B. Prag).
Die nicht verwendeten Marken wurden verbrannt.
Henri Janton, (Henri Janton war Mitglied der Kommission der Alliierten, nach seinen Angaben kamen die hohen Werte wahrscheinlich nicht zur Verwendung).
   
Der Übersetzer – Martin Erler
   
Anm. Die Marke zu 4 Dollar gibt es mit Überdruck "Den Haag" und offensichtlich diente sie einem besonderen Amt in den Niederlanden, wer weiß mehr?
    
Und wie man sehen kann, ist sie heute auch schon mehrfach aufgefunden worden, auch auf Belegen!
Und man fand sogar Überdrucke auf die 1,2 und 4 USD Stempelmarken!
   
    
   
   
   
   
 
   
   
   
 
Inschrift auf den AM Post Briefmarken zu 12 Pfennig:
Military Permit Office Fiscal Stamp $ 2
AM Post durchbalkt
   
   
 
Grosses Format über  1 USD
  
 
Grosses Format über  2 USD
    
 
Kleines Format über 2 USD
   
 
über 4 + 10 USD
   
 
Gratis
   
 
Überdrucke und Schwärzungen
2 DM auf 1 USD
   
 
4 DM auf 10 USD + 4 DM auf 5 USD
  
      
4 DM auf 1 USD
   
   
6 DM auf 1 USD
   
   
8 DM auf 2 USD
   
16 DM auf 4 USD
   
    
Aufdruck = Eine Deutsche Mark auf 1 USD
    
 
Überdruck nur Währung und Wert
DM 5 auf 1 USD + DM 10 auf 2 USD
   
 
5 DM Werte
    
 
10 + 15 DM Wert
   
   
Beispiele: 1 USD Marke
    
4 USD Marke
    
10 DM Marke
    
5 DM Marke
   
15 DM Marke
   
2 Marken mit Überdruck 2 DM auf 1 $, alter Wert geschwärzt
   
Überdruck 16 DM auf 4 USD, alter Wert nicht geschwärzt
   
8 DM auf 2 USD
      
16 DM auf 4 USD
   
    
Temporary Travel Document in Lieu of Passport for German Nationals
 Titre De Voyage Provisoire Tenant Lieu de Passerport pour Personness De Nationalite Allemagne
 Vorläufer Reiseausweis an Stelle eines Passes für Deutsche Staatsangehörige
   
No. 0079396
     
Military Gouvernment für
Gouvernement Militaire Pour L`Allemagne
Militärregierung für Deutschland
Vorläufiger Reiseausweis an Stelle eines Passes für deutsche Staatsangehörige
   
Personenbeschreibung des Inhabers
   
Lichtbild des Inhabers
   
Verlängerung des Reisepasses
   
Visas - Transit
Consulat General Royal D`Egypte Milan,
Gendarmerie Francaise Care Badoise Bale
   
Ägyptische Fiskalmarke über 39 Mills
  
Travel Permit Fiskalmarken über 2 x 10 DM
    
Visas – Transit
Anmeldung von Einfuhr- Ausfuhr Bargeldmittel
Indian Military Mission Berlin etc.
   
Visa - Transit
Consulato D`Italia Amburgo
Suez Canal Police etc.
  
Italienische Fiskalmarken
Repubblica Italiana
Marca Consolare über 6 + 9 Lire Oro
Visas - Transit
Santacruz Bombay, Schweizer Consulat Hamburg etc.
Schweiz Basel, Badischer Bahnhof etc.
   
Visas - Transit
New Delhi, Karachi Police, Gouvernment of Pakistan etc.
   
Visas - Transit
Basel Badischer Bahnhof, Schweizerische Eidgenossenschaft Bern,
Thayngen, Confederation Suisse, etc.
    
Schweizer Fiskalmarke
Service Consulaire
Chancellerie
1 Franken
   
Service Consulaire
Chancellerie
2 Franken
Stempel: Consulat General De Suisse Bombay
   
    
Visas - Transit
Consolato D`Italia in Bombay 
und
Stempel der Landeszentralbank der Hansestadt Hamburg
Abt. Devisenkontrolle
   
Italienische Fiskalmarken
Marca Consolare
   
   
Visas - Transit
Gouvernment of Bombay Political & Services Dept.
Fee Received
Einreise- Abreise Stempel der US. Zone Deutschland
G.P.P. Flughafen München Riem 1950
Permit- Permit de Sortie- Munich
Gendarmerie Francais etc.
        
5 DM Marke
   
   
Visas - Transit
Consolato D`Italia Amburgo
Roma Aeroporto Ciampino
Consular Officer Indian Military Mission Berlin etc.
   
Fiskalmarke Italien
Marca Consolare
Gratuita / Gratis
    
   
Visas - Transit
Embassy, Government of Pakistan
Deutsches Zollamt Basel, Badischer Personenbahnhof
Karachi Police etc.
   
   
Important – Avis – Wichtig
Notes – Remarques – Bemerkungen
American Express Stempel,
Devisenkontrollstempel Hamburg etc.
Wollte man diesen Pass mit einem postalischen Brief vergleichen,
fiele das Ergebnis für den Brief doch recht mager aus, oder was meinen Sie?
   
    
    
Quellen: 
- Die Eingangsinfos stammen aus Arbeitsgemeinschaft Fiskalmarken Heft 2/1988 von Martin Erler

- das Dokument aus dem Stempelpapier und Stempelmarken Fundus von Gunter Wagner Filderstadt, von wem denn sonst

-
dann sehr  viele Abbildungen von Fiskalmarken und Belegen von Theo J.F. Schalke (th.j.f.schalke@inter.nl.net).  Dir dafür lieber Theo meinen grossen Dank!

 

        

www.stempelpapier.de