Almanach- bzw. Kalender-Abgabe für die Deutschböhmen und Deutschmährer

Deutschböhmen und Deutschmährer
Der Begriff Deutschböhmen (tschechisch Ceští Nemci) ist eine Sammelbezeichnung für die deutschsprachigen Bewohner Böhmens oder auch der gesamten früheren Länder der Böhmischen Krone sowie für das frühere Siedlungsgebiet dieser Bevölkerungsgruppe. 
In den zur böhmischen Krone gehörenden Ländern Mähren und Schlesien sprach man von Deutschmährern (Moravští Nemci) und deutschsprachigen Sudetenschlesiern. Die Bezeichnungen Deutschböhmen und Deutschmährer kamen nach den nationalen Umbrüchen 1848, gleichzeitig mit der häufigeren Verwendung des Begriffs Tschechen, allmählich in Gebrauch. 
Im 20. Jahrhundert wurde der Begriff Sudetendeutsche gebräuchlicher. Durch den Begriff Sudetendeutsche fühlten sich allerdings wiederum andere lange ansässige, deutschsprachige Bevölkerungsgruppen ausgeklammert. Außerdem sind die Begriffe Deutschböhmen und Deutschmährer insofern genauer, weil viele Siedlungsgebiete weit abseits der Sudeten lagen. Deutschböhmen und Deutschmährer wurden bis zum Ende der Donaumonarchie meist primär als Angehörige der deutschsprachigen Bevölkerungsgruppe Altösterreichs wahrgenommen. Im heutigen Tschechien werden im Zusammenhang mit der deutschen Minderheit entweder ebenfalls die Bezeichnungen „Deutschböhmen“ und „Deutschmährer“ verwendet, häufiger spricht man jedoch schlicht von den Deutschen in der Tschechischen Republik.

 



 

Mehrheitlich deutschsprachige Gebiete in den böhmischen Ländern (Stand: 30er Jahre des 20. Jahrhunderts)

 

 

Frühes 19. Jahrhundert und Zeit der k.u.k. Monarchie

                                                        

Projektierte Provinz Deutschböhmen als angestrebter Teil von Deutschösterreich

Nach 1848, als sich durch die tschechische Nationalbewegung eine Gleichstellung der Deutschen und Tschechen durchsetzte, versuchten die in Böhmen lebenden Deutschen, zumindest in den Regionen, in denen sie die Mehrheit bildeten, auch die politische und kulturelle Hoheit zu bewahren. 
Auf dem Kongress in Teplitz 1848 wurden die Forderungen verankert. 1868 bis 1871 wurde die Forderung nach einer staatsrechtlichen Regelung immer lauter. Das Postulat einer geschlossenen Region nahm teilweise Formen an, in denen gefordert wurde, Tschechisch völlig auszuschließen. Die Demarkation sollte einer völlig neuen Aufteilung der Kreisgebiete dienen, die von Ämtern der jeweiligen Nationalität verwaltet werden sollten. Festgehalten wurde die Aufteilung im Pfingstprogramm vom 20. Mai 1899, das weitgehende Regelungen für die nichtdeutschen Völker enthielt. 1900 folgten Vorschläge für die Einteilung Böhmens in eine deutsche und eine tschechische Zone. 1903 wurde durch den Mediziner Josef Titta der Deutsche Volksrat für Böhmen gegründet, der sich zur Aufgabe setzte die zerstrittenen Deutschen Parteien in Böhmen zu einen, um so gemeinsam eine Lösung des Nationalitätenproblems zu finden. Der Volksrat konnte zwar keine gemeinsame Koalition der deutschen Parteien herstellen, doch galt er als bedeutsamste und einflussreichste deutsche Schutzgemeinschaft des alten Österreichs. 1907 wurden im Zuge der neuen Wahlkreisaufteilung für die Reichsratswahlen die Wahlbezirke des deutschen und tschechischen Siedelungsgebietes weitestgehend scharf voneinander abgegrenzt. 1909 erarbeitete der Deutsche Zweiteilungsausschuss auf dieser Grundlage einen Entwurf zur völligen Aufteilung Böhmens und der Schaffung der Region Deutschböhmen.

 

Zweisprachiges Büchlein, verklebt wurde die Marke im tschechischen Text!
     
2 h für Heller
Nationalgesinnte Marke mit heroischen Germanen- Abbild und der Inschrift:
DEUTSCHER VOLKSRAT FUER BÖHMEN
   
   
In der Goldwährung Österreich-Ungarns war der Heller der hundertste Teil einer Krone. 
Aus dieser Tradition leiten sich auch die heute noch gebräuchlichen Bezeichnungen in Tschechien, der Slowakei und Ungarn ab. Die tschechoslowakische, slowakische und die tschechische Krone war bzw. ist in 100 Heller unterteilt, die entsprechende Übersetzung ist halér oder halír, Mehrzahl halére, halíre, haléru halíru usw. im Tschechischen, halier, Mehrzahl haliere oder halierov im Slowakischen.
    
   



 

Quelle:  Aus dem fiskalphilatelistischen Fundus von Gunter Wagner, Filderstadt, vom wem sonst?

        

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