Stuttgarter Möbelmesse-Marken
   
   
Diese Marken erblickten am 8. Dezember 1883 das Licht der Welt. Ein trübes Licht, denn sie klebten auf der Rück- und Unterseite von Schreinereiprodukten und blieben so den rund 200 Besuchern am ersten Ausstellungstag weitgehend verborgen.
Die "Ordnung für die Möbelmessen", die 1885 entsprechende Gemeinderatsbeschlüsse zusammenfasste, regelte in den drei Kategorien "polierte Ware", "Polsterware" – und "sonstige Ware" die Messegebühren. Sie bestimmten die Stückelung der Marken, wie folgende Beispiele zeigen:
3 Pfennig für einen Küchenstuhl, 5 Pfennig für ein Spuckkastel, 6 Pfennig für einen Rohrsessel, 10 Pfennig für eine Wiege, 20 Pfennig für ein Nachttischchen, 25 Pfennig für eine lackierte Kommode, 30 Pfennig für eine Bettlade, 40 Pfennig für einen Schreibtisch, 50 Pfennig für einen zweitürigen Kasten und 60 Pfennig für einen Sekretär.
"Feinere geschnitzte Ware" mit einem Wert von über 200 Mark mußte mit Möbelmessemarken von 1 Mark beklebt werden, was nicht ohne Kombination mehrerer Marken möglich war.
Der städtische Messeinspektor scheint die hohen Gebühren nicht allzuoft eingefordert zu haben, sonst wäre sicher eine wertentsprechende Möbelmarke eingeführt worden.
Die Messeordnung bestimmte: Die Marken sind an den einzelnen Messestücken anzukleben und über die ganze Messedauer an solchen zu belassen. Von Messestücken, an welchen sich beim Wegtransport keine Marken befinden, wird nachträglich das tarifmäßige Platzgeld erhoben.
Eine Entwertung der Marken war nicht vorgesehen. Wozu auch. Zur nächsten Messe gab es neue Möbel und die mußten wieder neu beklebt werden. So lief es auch ein par Jahre lang. Bis ganz Schlaue entdeckten, daß sich das Platzgeld sparen ließ, wenn man die Bescheinigung der Messegebühren von früheren Ausstellungsstücken ablöste und sie den neuen Möbeln aufklebte. Der Messeinspektor erhielt die Anweisung, die Marken mit einem Farbstift (meist rot oder blau) gegen solche Wiederverwertung unbrauchbar zu machen. Mitunter muß auch ein Stempel für die Entwertung benutzt worden sein, aber auch diese Maßnahme scheint nicht voll durchgeschlagen zu haben. Die neue Markenausgabe im Mai 1890 diente einzig dem Zweck, solche Betrügereien unmöglich zu machen. Von da an erschien jedes Jahr eine andersfarbige Serie.
  
Aufgezeigt wird hier von mir nur ein ganz kleiner Teil der damals herausgegebenen  Möbelmesse-Marken der Stadt Stuttgart. 
   
  
Ausgabe Mai 1890, schwarz auf weiß. Perf. 12
Abmaße: 29,5 mm x 33 mm mit den Ausgabewerten: 3, 5 und 6 Pfennig
Abmaße: 33 x 36,5 mm mit den Ausgabewerten: 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
   
   
Ausgabe Dezember 1890, schwarz auf rosa ?
Abmaße: 29,5 mm x 33 mm mit den Ausgabewerten: 3, 5 und 6 Pfennig
Abmaße: 33 x 36,5 mm mit den Ausgabewerten: 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
   
   
Ausgabe 1890 Mai, blauschwarz auf graublau? Perf.11 ½
Abmaße: 29,5 mm x 33 mm mit den Ausgabewerten: 3, 5 und 6 Pfennig
Abmaße: 33 x 36,5 mm mit den Ausgabewerten: 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
    
    
Ausgabe Mai 1897 Mai, grün auf weiß. Perf. 10
Abmaße: 29,5 mm x 33 mm mit den Ausgabewerten: 3, 5 und6 Pfennig
Abmaße: 33 x 36,5 mm mit den Ausgabewerten: 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
  
   
    
Ausgabe Mai 1897, schwarz auf braun. Perf. 11 ½
Abmaße: 29,5 mm x 33 mm mit den Ausgabewerten: 3, 5 und6 Pfennig
Abmaße: 33 x 36,5 mm mit den Ausgabewerten: 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
   
    
Ausgabe Mai 1898, orange auf weiß. Perf. 11 ½
Abmaße: 29,5 mm x 33 mm mit den Ausgabewerten: 3, 5 und6 Pfennig
Abmaße: 33 x 36,5 mm mit den Ausgabewerten: 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
   
    
Ausgabe Mai 1899, ultramarin auf weiß. Perf. 10
Abmaße: 29,5 mm x 33 mm mit den Ausgabewerten: 3, 5 und6 Pfennig
Abmaße: 33 x 36,5 mm mit den Ausgabewerten: 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
   
    
Ausgabe Mai 1900, rot auf grünlich. Perf. 10
Abmaße: 29,5 mm x 33 mm mit den Ausgabewerten: 3,5 und6 Pfennig
Abmaße: 33 x 36,5 mm mit den Ausgabewerten: 10,15,20,25,30,40,50 und 60 Pfennig
 
   
    
Zeichnung der Ausgaben Mai 1901 bis December 1913
Ausgabe Mai 1901, rosa auf weiß. Perf. 11 ½
Ausgabewerte: 3, 5, 6, 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
   
   
Ausgabe December 1901, smaragd auf weiß. Perf. 11 ½
Ausgabewerte: 3, 5, 6, 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
   
    
Ausgabe Mai 1902, fahlviolett auf weiß. Perf. 11 ½
Ausgabewerte: 3, 5, 6, 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
   
   
Ausgabe December 1902, graubraun auf weiß. Perf. 11 ½
Ausgabewerte: 3, 5, 6, 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
   
    
Ausgabe Mai 1903, schwarz auf weiß. Perf. 9 ¼
Ausgabewerte: 3, 5, 6, 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
    
    
Ausgabe December 1903, schwarz auf rosa. Perf. 11 ½
Ausgabewerte: 3, 5, 6, 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
   
   
Ausgabe Mai 1904, schwarz auf grün. Perf. 9 ¼
Ausgabewerte: 3, 5, 6, 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
   
    
Ausgabe December 1904, schwarz auf braungelb. Perf. 11 ½
Ausgabewerte: 3, 5, 6, 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
    
     
Ausgabe Mai 1905, blaugrün auf hellblaugrün. Perf. 11 ½
Ausgabewerte: 3, 5, 6, 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
   
   
Ausgabe December 1905, grün auf gelb. Perf. 9 ¼
Ausgabewerte: 3, 5, 6, 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
   
   
Ausgabe December 1906, rot auf gelb. Perf. 11 ½
Ausgabewerte: 3, 5, 6, 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
    
     
Ausgabe Mai 1907, violett auf weiß. Perf. 11 ½
Ausgabewerte: 3, 5, 6, 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
   
   
Ausgabe Dezember 1907, blau auf hellblau. Perf. 11 ½
Ausgabewerte: 3, 5, 6, 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
   
    
Ausgabe Mai 1908, schwarz auf grau. Perf. 11 ½
Ausgabewerte: 3,5,6,10,15,20,25,30,40,50 und 60 Pfennig
 
      
      
Ausgabe December 1908, dunkelviolett auf lachsrosa. Perf. 11 ½
Ausgabewerte: 3, 5, 6, 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
   
   
Ausgabe Mai 1909, orangerot auf hellblau. Perf. 11 ½
Ausgabewerte: 3, 5, 6,10,15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
    
   
Ausgabe December 1909, schwarz auf gelb. Perf. 11 ½
Ausgabewerte: 3, 5, 6, 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
   
   
Ausgabe December 1910, gelbbraun auf weiß? Perf. 11 ½
Ausgabewerte: 3, 5, 6, 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
   
   
Ausgabe Mai 1912, grün auf weiß. Perf. 11 ½
Ausgabewerte: 3, 5, 6, 10, 15, 20, 25, 30, 40, 50 und 60 Pfennig
 
      


  

 

Quelle: Erler- Jaedeckes Katalog der Fiskalmarken der Stadt Stuttgart, Ora Verlag 1983


        

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