Post-Philatelie = Schmal-Spur-Philatelie, 
die an geschichtlichen Hintergründen nicht wirklich interessiert ist?

 
Wohl toller- aber auch recht einseitiger Bericht 
in der März-Ausgabe der "philatelie" (Nr. 405 / 2011). 

In dieser Ausgabe zeigt der 
Autor in seinem Artikel: Belgische Militaerpost im Rheinland (I) 
u. a. auf S. 41 eine dekorative Abbildung mit 2 Seiten aus einem belgischen Postsparbuch. 
Auf den ersten Blick sieht man drei verklebte Stempelmarken. Bei näherer Betrachtung erkennt man dann 
4 Poststempel und eine Lochung "H".

Wer nun denkt, der Autor würde über den Sinnzusammenhang zwischen Stempelmarken und Postsparbuch aufklären, wird enttäuscht:
Wieder einmal mehr wird hier nur über das Postalische schwadroniert. Dass da Revenues mit dabei sind interessiert gar keinen, wichtig ist der zu entwertende Poststempel, und der Rest ist Schweigen im Walde, wirklich sehr schade!

Aber warum diese Einzahlung getätigt wurde, warum diese Fiskalmarken als Kontrollmarken verklebt wurden, und warum die Post diese entwerten musste, das bleibt in diesem Bericht ein großes Mysterium.

Wie ich meine, wieder einmal ein Armutszeugnis dieser selbst ernannten Großkopferten- Kaste vom BDPh,  und dies natürlich  im Sprachrohrblättchen dieses Verbandes, wo die gesamte organisierte Sammlerschaft  an dieser Oberflächlichkeit der Geschichtsforschung geistig Anteil nehmen darf.

Traurig aber wahr - und einmal mehr: Armes Philatelistisches Deutschland. 
Und ich frage mich wirklich:
Wißt Ihr eigentlich, was für interessante Belege Ihr da in der Hand haltet, 
bevor Ihr nach dem Entziffern der Stempel sie wieder ins Album oder in die Kiste legt?


Aber diesbezüglich war Deutschland und seine Philatelie ja immer schon arm: kaum Bewegung, wenig Anerkennung von Neuem,  geschweige denn „Auf zu neuen Ufern“;  Flexibilität Fehlanzeige; grenzübergreifende Forschungsansätze: kennen wir nicht (und wollen tun wir sie erst recht nicht); wieso eigentlich den anderen zuhören?, oder gar sich auf sie zu bewegen?. Dann diese reduzierte Art, sich mit Geschichte intensiv auseinander zusetzen (ein grundsätzlich deutsches Phänomen?)!
Und  ich behaupte: das
, was unsere Philatelie heute ausmachen könnte, aber eben nur könnte, das können diese Herren irgendwie noch gar nicht erahnen! 

Meine Infos zu diesen Coupon - Steuermarken der Belgischen Kasse,
die überall nachzulesen sind: 

Diese Steuermarken sind Coupons Quittungen, die von der Caisse Générale d'Epargne in Belgien 
( = Allgemeine Spar- und Leibrentenkasse / Staatliche Rentenkasse Belgiens) ausgestellt worden waren 
und diese wurden als Steuermarken bzw. Wertpapiere nach dem Gesetz vom 16. Mai 1881 in folgenden Wertstufen ausgestellt: 1 Franken, 2 Franken, 3 Franken, 5 Franken, 10 Franken, 30 Franken 100 Franken 500 Franken und 1000 Franken.
 
Das Gesetz vom 16. September 1924 erwähnt folgende Werte: 

CHF 1, 2 FF, 3 FF., 5 Franken, 10 Franken, 20 Franken, 30 Franken, 50 Franken, CHF 100, 500 und 1000 Franken. Und diese sind noch nachweisbar bis ins Jahr 1957. 

Die erste Buchung/Spareinlage von 100 Franken wurde in Laeken (Brüssel) ausgestellt und die letzte Zahlung von 20 Franken erfolgte in der Besetzungszeit von Deutschland nach dem 1. Weltkrieg. 

Das Sparbuch wurde mit einem "H" für ("H"aumaert Marie Josephine Therese) seitenweise sicherheitsgelocht. 

Rechts oben auch die Nr. vom Sparbuch.

Als wenn hier der Poststempel das Wichtigste wäre, wohl eher mitnichten, denn die Post musste diese Einzahlung banktechnisch und damit für die Kasse/Rentenkasse und für die Steuer nur quittieren und am Ende sogar auch noch abführen, falls es gewünscht wurde.

Entscheidend sind diese Kontroll- Stempelmarken als Nachweis der Einzahlung und nicht der Poststempel, der quittiert nur, die Revenues sind aber die Einzahlungsnachweise, ohne diese Revenues ist keine Einzahlung erfolgt, und dem ist wirklich nichts hinzuzufügen!

Die 100 Franken wurden wohl zuerst einmal zur Eröffnung einbezahlt, weil unter hundert Franken dieses Sparbuch erst gar nicht zu eröffnen bzw. in Gültigkeit zu halten (Mindesteinlage) war. 

Die 100 Franken wurden mit Poststempel aus LAEKEN und zusätzlichem Aufdruck „Laeken 1“ entwertet bzw. quittiert. 

Die beiden "Tien Frank" Quittungsmarken tragen einen Feldpoststempel: Postes Militaires mit einer  „1“. der Stempel trägt das Datum 21. X. 1921 und wurde laut Autor zu dieser Zeit in Aachen eingesetzt. 

Es ist zwar notwendig, zwischen Steuermarken des Staates und Marken anderer öffentliche Träger zu unterscheiden, aber solche Coupon- Wertmarken wurden auch bei einer Rentenkasse bzw. einem Pensionsfond als Nachweis einer Einzahlung verklebt, ganz so wie unsere Rentensteuermarken in Deutschland auch. 

10/Dix francs ist sogar im Barefoot gelistet,  nur die 100/Hondert frank ist im Barefoot nicht nachgewiesen, stellt also mit diesem Beleg einen Neufund dar, obwohl die Fiskalphilatelisten in Belgien alle diese Marken schon kennen!
 

Anmerkung:  Vom Sparbuch her gesehen wurden die folgende eingezahlte Spareinlagen mit Rentencouponmarken bestätigt und verklebt, um eine freiwillige Basis zu schaffen, in gleicher Weise wie ein Post-Sparkonto, obwohl dieses Sparbuch auch durch den Sparfonds ausgeführt werden konnte wie eine staatliche Rentenversicherungs- Organisation. Diese Caisse Générale de Spar- und Alters-, bzw. diese kumulierenden Spareinlagen konnten dann umgerechnet werden in eine staatliche Rente, falls dies vom Sparer gewünscht wurde. 
 

Diese Coupon- Marken können somit als Renten- Steuermarken angesehen werden und sollten  in solch einem Artikel beschrieben werden, ansonsten macht dieser Artikel in der Gesamtphilatelie m. E. keinen Sinn!
Und ein "Sich nur um den Poststempel kümmern" zeigt mir das heute noch ziemlich einseitige Denken der deutschsprachigen Postalischen Philatelie auf. 

Wolfgang Morscheck, Bad Säckingen 

 


Die "Caisse Générale d’Epargne et de Retraite" (Allgemeine Spar- und Leibrentenkasse)
Ursprünglich wurde diese – nach französischem Vorbild – 1850 per Gesetz als "Caisse de Retraite" (Rentenkasse) errichtet und später 1865 zu einer Sparkasse, 1889 sogar zu einem Wohnungsbaufonds erweitert. Als wichtigste soziale Leistung galt die Möglichkeit, auf freiwilliger Basis ein Rentenkonto zu eröffnen. 1895 wurden insgesamt 5790 Rentenkonten eröffnet, davon 5107 von Männern und 683 von Frauen. Es handelte sich also keinesfalls um eine allgemeine Rentenversicherung. Nachfolgend wird beschrieben, wie dieses System damals funktionierte:

Jede Person ab Vollendung des 18. Lebensjahres war berechtigt, entweder für sich selbst oder zugunsten Dritter in die Rentenkasse einzuzahlen. Der Mindestbetrag pro Einzahlung war 1 Belgischer Frank, der Gesamtbetrag der Einzahlungen durfte die Summe von 1200 BEF nicht überschreiten. Ab dem 50. Lebensjahr erhielt man eine Jahresrente, doch es gab auch die Möglichkeit, diesen Anspruch bis zum 65. Lebensjahr zurückzustellen. Jemand der vor seinem 50. Lebensjahr erwerbsunfähig wurde, erhielt mit sofortiger Wirkung eine Jahresrente deren Höhe sich aus dem Alter und der bis dahin eingezahlten Beitragssumme errechnete.

Mit dem Gesetz vom 20. Mai 1900 verpflichtete sich der Staat erstmals zur Zahlung einer Rentenzulage an Arbeiter, die das Alter von 65 Jahren erreicht hatten und die bei der ASLK in die Rentenkasse eingezahlt hatten. Außerdem wurde ein vorzeitiger Renteneintritt ermöglicht. Wer genug eingezahlt hatte, konnte das Recht aushandeln, bereits im Alter zwischen 55 und 65 Jahr in Rente zu gehen. Das Neue an dieser subventionierten freiwilligen Versicherung war die proportionale Kopplung zwischen dem staatlichen Pflichtzuschuss und der privaten Vorsorgeleistung.

Im 19. Jahrhundert überwog im belgischen Sozialversicherungswesen allerdings nach wie vor das Prinzip der "subventionierten Freiheit". Die Politik favorisierte eindeutig freiwillige, eventuell mit Zuschüssen vom Staat ergänzte Versicherungen, im Rahmen des vorhandenen ausgedehnten Netzwerks von Krankenkassen.

 

Hier nun ein Original- Beleg, also ein Original- Postsparkassen- Buch aus WAVRE 
der Allgemeine Spar und Lebensversicherung und Lebensrentenkasse unter Aufsicht des Staates!

Ausführende Dienste der Sparkassen oder der Postbüros! 

Mindesteinlage 1 Franken, damit dieses Buch seine Gültigkeit behält!

... u.s.w.!

 

Die ersten Einzahlungs- Bestätigungsmarken sind in der Literatur erst gar nicht gelistet,
auch im Barefoot nicht, und sind daher als UNBEKANNT anzusehen!
  
   
    
Die ersten Einzahlungs- Bestätigungsmarken in diesem Postsparbuch sind in der Literatur nicht gelistet .
Im Panhuyzen tauchen sie nicht auf, und auch im Barefoot sind sie nicht aufzufinden!
   
   
     
   
   
   
   
   
Inschrift der Marken: SERVICEDECAISSESDEPARGNEDERETRAITEETDASSURANCESDANSLESBUREAUXDEPOSTE

Heißt: SERVICE DE CAISSES DEPARGNE DE RETRAITE ET D ASSURANCES D ANS LES BUREAU DE POSTES
    
  
   
   
   
   
   
   
Mein weiteres Fazit über die Sicherheitsmarken der Caisse Générale d'Epargne in Belgien  
= Allgemeine Spar- und Leibrentenkasse / Staatliche Rentenkasse Belgiens.
  
Vm Postsparbuch als solchem abgesehen, wurden die Einzahlungen freiwillig getätigt, wie bei einem Sparbuch / Sparkonto auch. Aber dieses Geld galt auch als Ansparfonds der Staatlichen Pensions- Organisation, der Caisse d `Epargne Generale et de Retraite, und diese angesparten kumulierten Spareinlagen konnten dann in eine staatliche Rente umgewandelt werden, falls dies vom Sparer gewünscht wurde.
Solche Marken könnten dann als Pension- Einnahmen des Staates und damit als Fiskalmarken / Revenues betrachtet werden.
Aber wenn das Sparbuch nicht als Renteneinlagefonds umgewandelt wurde, dann galten diese Marken eher als eine Art Sicherheitsmarken/Einzahlungsmarken über die freiwillig getätigte Einzahlung eines jeden Sparers.
Durch die Inflationen während und nach dem ersten Weltkrieg haben sich solche Sparguthaben, die nicht in Rentenguthaben umgewandelt worden waren, meistens in Luft aufgelöst!
   
   
   
   
   
  
Hier folgen die Statuten ...
  
  
 
Folgend das Regelement in Französisch
   
   
   
   
    
   
Folgend das Reglement in Niederländisch
    
   
Spaarkas = Sparkasse
Spaarboekje = Sparbuch
Ontvangst Zegels = Empfangs Siegel
Terugbetalingen = Zurückbezahlungen (Auszahlungen)
       
Spaarpennigen van Gehuwde Vrouwen en Minderjahrigen
Sparpfennig für verheiratete Frauen und Minderjährige
Aanteekenboekjes voor Renten
Anmerkungsbuch für Renten
Omzetting in belgische Staatsfondsen
Umwandeln in belgische Staatsanleihen
Aanteekenboekjes voor Renten
Anschreibbuch für Renten
   
Lijfrentkas = Lebensrentenkasse
Levensverzekeringkas = Lebensversicherungskasse
   
Algemeene Spaar- en Lijfrentkas =
Allgemeine Spar- u. Lebensrenten Kasse
Levensverzekeringskas =  Lebensversicherungskasse
   
   
   

 

Quellen: 
- Wikipedia freie Enzyklopädie
- und das Sparbuch stammt aus dem Fiskalfundus von Gunter Wagner, Filderstadt, von wem denn sonst?

        

www.stempelpapier.de