Die Nachtsteuer - oder auch Hockersteuer genannt!

 

Geschichtliches

Schon in den deutschen Städten des Mittelalters wurden Abgaben von Schankberechtigten erhoben, die als „Schankgelder“ oder „Zapfgelder“ Gebührencharakter, in Verbindung mit Ungeld oder Akzisen Steuercharakter haben konnten. Später auch von den Landesherren in Anspruch genommen, gingen sie im 19. Jahrhundert zum Teil in die Stempelabgabengesetze der deutschen Einzelstaaten ein. Durch das preußische Kreis-Provinzial-Abgabengesetz von 1906 wurde die Stempelabgabe als kommunale „Konzessionsteuer“ anerkannt. Nach dem Ersten Weltkrieg kamen vorübergehend kommunale „Nachtsteuern“ oder „Hockersteuern“ auf, die für den Ausschank an Gasthaus“hocker“ zur Nachtzeit erhoben wurden. Das preußische Finanzausgleichsgesetz von 1938 beschränkte das Erhebungsrecht auf die Stadt- und Landkreise. Nach 1945 wurde die Schankerlaubnissteuer als örtliche Verbrauch- und Aufwandsteuer in den neuen Steuerordnungen der Länder verankert.

 

Die gab es fast überall, die Nachtsteuer-Marken, so auch in Stuttgart

Als in der Inflationszeit nach dem 1. Weltkrieg die Stadtkassen leer waren und neue Steuerquellen gesucht wurden, kamen die Stuttgarter auf die Idee, eine „Nachtsteuer“ einzuführen.
Danach mussten die Wirte in den Wirtschaften, Weinstuben und Nachtlokalen von jedem Gast, der über 23:00 Uhr hinaus im Lokal hocken blieb, eine Nachtsteuer von 15,00 Mark verlangen, wofür der Gast dann eine Nachtsteuer- Marke als Quittung erhielt. Die Stadt Stuttgart führte diese Steuer als 1. deutsche Stadt am 27. Oktober 1921 ein, und schon im März 1922 befanden sich 500.000 Mark im Stadtsäckel, und von April 1922 bis März 1923 waren es gar 1.636.086 Mark. Diese Tatsache ermutigte weitere Städte zur Einführung dieser lukrativen Steuer. Am 11. Dezember 1924 versiegte diese Quelle jedoch wieder. Die Steuer wurde abgeschafft – doch nicht für immer. In den Jahren vor dem 2. Weltkrieg lebte sie in einigen Städten wieder auf, jedoch unter dem Namen „Hockersteuer“.

Als Quittung erhielten die „Wirtshaushocker“ im rheinlandpfälzischen Städtchen Landstuhl statt der Marke einen Zettel, auf dem folgender Vers aufgedruckt war: 
Vom Turm rief schon die Mitternacht, noch kreisen die Pokale. Ihr frohen Zecher wohlbedacht, wer Sitzfleisch hat, bezahle.

 

 
Späteste Verwendung der Hockersteuer in der Stadt Landstuhl/Bayern von 1936 – 1938

1. Stunde 10 Pfennig,  2. Stunde 30 Pfennig,  3. Stunde 50 Pfennig




Vom Turm rief schon die Mitternacht, noch kreisen die Pokale,
Ihr frohen Zecher wohlbedacht, wer Sitzfleisch hat bezahle!

1. Stunde 10 Pfennig
Belegnummer 1252
Hotel Burgard Landstuhl  12. Juli 1937

 

 



Rückseitiger Protest, bzw. ne Anmerkung im Suff? 

Ich mekre nich gegen der Numer
Frl Götz??

 

 



Vom Turm rief schon die Mitternacht, noch kreisen die Pokale,
Ihr frohen Zecher wohlbedacht, wer Sitzfleisch hat bezahle!!

2te Stunde 30 Pfennig
Belegnummer 210
Hotel Burgard Landstuhl 11. Juli 1937

 


 


Zechst Du noch in später Runde, 
Lebensfroh, vergnügt und heiter,
Zahle nach der Geisterstunde Den Tribut – und trinke weiter!

3. Stunde, 50 Pfennige
Beleg Nr. 4409
Am 11. Juli 1937
Hotel Burgard Landsstuhl 

 

Landstuhl die Stadt Franz von Sickingens, der Robin Hood der Reichsritter!

 

 

Quellen: 
Infos aus Wikipedia 
und Hockersteuerscheine von Kai Lindman, 1921 – 1938 


        

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