Das gestempelte Papier für postalische,oder besser gesagt: 
für botendienstliche Zwecke, das nicht mit der Staatspost, 
sondern - merke: mit Privatbotendienst befördert wurde!



 

Hier zeige ich die ausgeschnittenen Steuerstempel auf 
- und nicht etwa die von der Postalischen Philatelie für sich reklamierten Francostempel!

 

Wegen finanzieller Einbußen war seit 1772 die unmittelbare Beförderung von Privatpost im Königreich Sardinien bei Strafe verboten, denn die sardische Post - damals Staatsmonopol - forderte von allen beförderten Briefen eine Einnahme, die durch Abstempelung der Briefe dokumentiert wurde. 
Das bedeutete, daß jeder Brief vor seiner Reise den Umweg über eine stempelführende Stelle machen mußte; wollte ein Absender aus seinem Dorf ohne Poststelle seinen Brief in das 2 Meilen entfernte Nachbardorf schicken, mußte also der Briefbote zunächst das möglicherweise 3 Meilen entfernt entgegengesetzt liegende Amt aufsuchen, um besagten Stempel als Nachweis für die Beförderungserlaubnis zu erlangen. So legte der vielleicht eilige Brief schließlich statt der eigentlich geplanten 2 Meilen insgesamt 8 Meilen zurück.

Um solchen Missständen abzuhelfen, erließ König Viktor Emanuel am 7.11.1818 eine vereinfachte Verordnung: 
Nun sollte ein besonderer Briefbogen, offiziell "carta postala bollata" (postalisch gestempeltes Papier) allgemein zu kaufen sein, mit dessen Erwerb die Erlaubnisgebühr bereits als entrichtet galt. 
(Übrigens alles schon mal dagewesen: Staatliches, Postalisches Briefpapier wurde schon aller Orten - und das seit dem Erscheinen des ersten Gebührenstempels auf dieser Welt in Holland 1624 -  von den Papiermachern hergestellt und auch in dessen Auftrag verkauft. Zudem wurde in den meisten Staaten in einem Edikt über den Stempelpapier- Impost festgeschrieben, welches Papier für was zu gebrauchen war, und wieviel das jeweilige Papier zu kosten hatte!) 

Die von der Staatlichen Generaldirektion der Post hergestellten Bögen,  spezielle Wasserzeichenpapiere im Format ca. 40 x 25 cm, mußten vom Benutzer so gefaltet werden, daß der "Wert"-Stempel sich links unter der Adresse befand. 

Drei Entfernungsstufen waren vorgesehen:
3 Soldi oder 15 Centesimi bis 15 Meilen, 
5 Soldi oder 25 Centesimi über 15 bis 35 Meilen, 
10 Soldi oder 50 Centesimi über 35 Meilen. 

Diese Beträge deckten jedoch nur die Erlaubnisgebühr - die eigentliche Beförderung war zusätzlich zu bezahlen. Selbst bei Beförderung durch die Post statt durch einen Privatboten war eine Preisermäßigung nicht vorgesehen, kam aber bei dienstlichen Schreiben bisweilen vor. 
Wegen des harten Winters 1818/19 konnte das vorgesehene Wasserzeichenpapier nicht rasch genug beschafft werden. Deshalb wurden die Stempel zunächst auf beliebiges Papier in meerblaugrüner, öliger Farbe von Hand aufgesetzt, später auch in blau. 
Wegen der darauf dargestellten Amoretten zu Pferde wurden sie bald "Cavallini" oder "Sardische Reiter" genannt.

Während die provisorische Ausgabe noch jeweils von einer durchgezogenen Linie umgeben war, wies der endgültige Trockenstempel eine Perleneinfassung auf.
Diese zweite Ausgabe wurde für den 1.1.1829 bestimmt. 
In Privathand befindliche Bogen der ersten Ausgabe konnten gegen die neuen eingetauscht werden; Restbestände wurden innerpostalisch aufgebraucht, indem der Stempel nach innen gefaltet und die ehemalige Rückseite mit entsprechenden Aufschriften bedruckt wurde. 
Die Cavallinis kamen Ende März 1836, als der Brieftransport zum ausschließlichen Regal der Staatspost erklärt wurde, außer Kurs.  

Halten wir fest:
Diese Sardischen Reiter waren eine reine Fiskalische Stempelgebühr (eine Art steuerliche Zuschlagsmarke) des Staates Sardinien. 
Und sie sollte deshalb auch so benannt werden! 


 

 

 
15 Centesemi
   
  
25 Centesemi
   
   
 
50 Centesemi
   
  
  15 Centesemi  25 Centesemi    
   
    
50 Centesemi



 

Quelle: Wie so häufig, Stempelpapier- Fundus Gunter Wagner, Filderstadt; 
               einmal mehr, vielen Dank fürs Aufzeigen!


 

        

www.stempelpapier.de