Was sind Musilmarken?
 


Es handelt sich um Probedrucke für eine Stempelmarke, mit der die Firma Emil Musil versuchte, einen Druckauftrag für die Stempelmarken zu bekommen. 

Stempelmarken – in diesem Fall handelt es sich um die „gewöhnlichen“ Urkunden-Stempelmarken von Österreich, Ausgabe 1898 – sind seit jeher (und bis zu deren Ende vor einigen Jahren) in der Österreichischen Staatsdruckerei hergestellt worden, die mehrere Jahrhunderte lang das Monopol für alle Arten staatlicher Drucksachen hatte. 

Die Stempelmarken waren durch mehrere damals moderne Verfahren vor Fälschungen und betrügerischer Mehrfachverwendung geschützt, etwa Druck auf der Gummiseite (beim Ablösen zum Zwecke mehrmaliger Verwendung löste sich das Markenbild auf). 

Daher verwendete man ganz dünnes, durchscheinendes Papier (das rückseitige Markenbild sollte ja vorderseitig sichtbar sein), wechselte häufig das Druckbild (wechselnde Jahreszahlen) und so weiter. 

Musil legte seinerzeit Muster vor, die dem Druckbild der damaligen Stempelmarken ähnlich waren. 
Das Kaiserporträt war durch einen allegorischen Frauenkopf ersetzt. Der Text war natürlich verändert; ein Teil des Textes war vorne, der andere hinten. 

Ein kompletter Nachdruck einer Stempelmarke wäre natürlich eine Urkundenfälschung gewesen. 

Immerhin schaffte es Emil Musil angeblich, ein Papier mit Wasserzeichen  zu verwenden (ich konnte jedoch kein WZ vorfinden!) – was bei dem dünnen, empfindlichen Papier sicher nicht einfach war. 
Auch gab es verschiedene Farbvarianten, ich zeige hier nur zwei auf.

Ansonsten sagt man, daß Größe, Zähnung, die Anordnung des Druckbildes und auch die Bogenanordnung recht gut den Originalen entsprach (was ich übrigens etwas anders sehe!). 

Wie es aber scheint, dürfte die Initiative keinen Erfolg gehabt haben, denn die Staatsdruckerei druckte jahrzehntelang ihre Stempelmarken weiter.

Immerhin sind solche Vorlagestücke ziemlich selten aufzufinden. 

Für einen Fiskalphilatelisten oder einen Stempelmarken-Sammler oder allgemein historisch Interessierten sind sie durchaus bemerkenswert, auch wenn es sich nicht um Briefmarken handelt. 

Seit einiger Zeit sind Stempelmarken in Österreich als Nebengebiet der Philatelie anerkannt und dürfen auf philatelistischen Ausstellungen aufgezeigt werden; ob in einem Borderline Exponat oder nicht, entzieht sich bis heute noch meiner Kenntnis! 

 



5 Probe Stempelmarke 1904 mit alleg. Frauenkopf von E. Musil Wien  

Druck auf sehr dünnem, transparentem Papier, wobei auch hier ein Teil vom Druck, ganz so wie im Original von 1898, und auch hier insbesondere der Unterdruck, das sind sehr feine filigran guillochierte Kreuzblüten, rückseitig aufgedruckt worden ist. Dieser Unterdruck löst sich beim Ablösen/Abwaschen der Marke und bleibt an der Unterlage haften – sog. Abziehbild- Druckverfahren. 

 



Perf. 14 ½, und rückseitig eine wabenartige, leicht erhöhte Struktur-Gummierung - ist es das benannte Wasserzeichen? Wohl eher nicht! Obwohl es den Eindruck eines Wasserzeichens hinterlässt, siehe Randstücke, konnte ich kein wabenartiges Wasserzeichen feststellen!


 



Vorderseitiges farblich, geändertes Markenbild mit Frauenkopf
5 Probe Stempelmarke 1904, E. Musil Wien
 



Rückseitig eine wabenartig, leicht erhöhten Struktur- Gummierung (Wasserzeichen?)





Vorderseitiges Bild vom Teilbogen
5 Probe Stempelmarke 1904, E. Musil Wien, Perf. 14 ½ 

 



Rückseitig eine wellenförmige, leicht erhöhten Struktur- Gummierung, soll dass etwas ein Wasserzeichen sein? Und wenn, dann käme dieses WZ nur beim Verkleben zum Vorschein!  Die waagerechten Wellenlinien sind aber hier doch gut erkennbar!

Ansonsten erinnert es mich eher an ein gewelltes, ansonsten stark gummiertes Zigaretten- bzw. Maispapier ohne jegliches Wasserzeichen im herkömmlichen Sinne!

 

  

 

Quelle: 
- Stempelmarken Fundus Gunter Wagner Filderstadt, wo sonst?

Infos im Net über diesen Drucker waren übrigens  nicht aufzufinden.
Diese Marken sollen erwähnt worden sein im L. Hanus Katalog, Österreichische Stempelmarken Versuche und Probe.


www.stempelpapier.de