Der Zoll - auch eine Stempelsteuer. 
Und diese war in der Geschichte oft der Grund für Aufruhr!

 

 

Jeder Zöllner weiß, dass seine Arbeit bei Betroffenen nicht immer nur Freude auslöst. Zölle und Verbrauchsteuern werden sogar in Kreisen, die man schon mal staatstragend nennt, argwöhnisch beäugt. Zu Recht: gerade bei Verstößen gegen das Übermaßverbot treten gelegentlich ungeahnte Erfolge oder, je nach Sichtweise, Misserfolge ein.

Eines der grandiosesten Beispiele dafür ist die Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika. 

Die Geschichte begann – man hält es kaum für möglich – in Deutschland, genauer: in Preußen. 

Dort hatte Friedrich der Große 1756 gegen Österreich und Frankreich einen Krieg begonnen, den man später den „Siebenjährigen“ nannte. Weil der britische König Georg II. im Hinblick auf sein weltweites Empire nicht zulassen wollte, dass Frankreich auf dem Kontinent eine Vormachtstellung erhielt, hatte er sich zugunsten des Alten Fritz in diesen Krieg eingemischt. 
Doch der Krieg kostete die englische Krone viel Geld, zu viel Geld. 

Um den Staat finanziell wieder flott zu machen, ersannen die königlichen Berater neue Abgaben. 

Das war nichts Neues, doch die Haushälter des Königs, der inzwischen Georg III. hieß, hielten es vermutlich für besonders schlau, vor allem die Siedler in ihrer nordamerikanischen Kolonie zu schröpfen. Dort boomte die Wirtschaft, und die Millionäre schossen wie Pilze aus dem Boden. Die Kolonialisten hatten breite Schultern und sollten von den Lasten des Königreiches ruhig ein wenig mehr aufgebürdet bekommen als andere. 

Also erfanden die königlichen Geldbeschaffer 1764 als Erstes den so genannten Sugar Act, ein Gesetz, das Einfuhren, die nicht aus englischen Kolonien stammten, mit Zöllen belegte. 

Das war, trotz des Murrens der Amerikaner, erst der Anfang.
 
Im März 1765 folgte die Stempelsteuer auf Importe, eine Art Verbrauchsteuer.

Die Proteste der Siedler gegen die Einfuhrabgaben nahmen daraufhin im Oktober 1765  organisierte Form an. 

Sie versammelten sich in New York zum so genannten Stempelsteuerkongress.
„No taxation without representation“ war ihr Leitsatz, „Keine Steuer ohne Mitsprache“


Die Siedler wollten nur noch zahlen, wenn sie im englischen Parlament mitreden durften. 

Die Engländer hoben die beanstandete Stempelsteuer zwar auf, aber ersetzten sie 1767 durch andere mit vergleichbarer Wirkung. 

Der Konflikt eskalierte. 
1770 kam es in Boston zu ersten gewalttätigen Demonstrationen, an deren Ende fünf Tote zu beklagen waren. „Massaker von Boston“ nannten Zeitgenossen dieses Ereignis, das die Gemüter keineswegs abkühlte. Zwei Jahre später ging im Hafen von Boston der britische Schoner Gaspeé in Flammen auf. 

Berühmter Höhepunkt des Zollstreites war am 16. Dezember 1773 die Boston Tea Party. 

Siedler, die sich als Indianer verkleidet hatten, enterten drei Schiffe der Ostindischen Kompanie und warfen 342 mit indischem Tee gefüllte Kisten in das Hafenwasser. Das war damals ein Vermögen. 
Auf diesen Protest gegen die Einfuhrbelastung für Tee reagierte die englische Staatsmacht mit Härte. 
Man schloss den Bostoner Hafen und entsandte eine Kriegsflotte nach Neuengland. Das war das Signal für den allgemeinen Aufruhr der kampferprobten Siedler. 

Am 19. April 1775 kam es bei Concord und Lexington in Massachusetts zu ersten Gefechten zwischen regulären britischen Truppen und nordamerikanischen Rebellenverbänden. 

Das Ende der Geschichte ist bekannt: Am 4. und 5. Juli 1776 billigen 13 Staaten Nordamerikas die von Thomas Jefferson verfasste Declaration of Independence, die unter der deutschen Bezeichnung Unabhängigkeitserklärung genauso berühmt wurde wie unter ihrem englischen Namen. 

Die Revolte wurde zum Befreiungskrieg und gewann schließlich eine solche Dynamik, dass die Engländer nicht mehr Herr der Lage wurden. 
Selbstverständlich nutzten sowohl Frankreich und die Niederlande als auch Spanien, Russland und Preußen die Gelegenheit, um den Engländern am Zeug zu flicken. 

Großbritannien blieb schließlich nichts anderes übrig, als im Pariser Frieden von 1783 die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika anzuerkennen. 

Hätten die Briten den Amerikanern rechtzeitig Zollfreiheit gewährt, wäre das alles nicht nötig gewesen.

 

 

Der Zoll- Gegenschein aus Württemberg von 1833 
und etwas für den Spezialisten der Fiskalphilatelie!

 



Zoll bei ¼ Pfund Gewicht = 15 Kreuzer
Stempelgeld = 1 Kreuzer
Summa = 16 kreuzer

 

 



Der NEU aufgefunden Königlich Württembergisch Zoll-Scheins Stempel

 

Und wer jetzt noch erzählt, dass der Zoll nicht zu den Stempelsteuern zählt, hat den Lauf der Geschichte verpasst!

 



Quellen: Gunter Wagners Steuerdokumenten- Fundus, danke fürs Aufzeigen; 
und Infos zur Boston Teeparty aus Wikipedia


www.stempelpapier.de