Fiskal-Philatelie - noch Hobby oder schon historische Hilfswissenschaft?

 

Da, wo für die meisten Briefmarken-Sammler die Arbeit aufhört, fängt sie für Sammler von Fiskal-Dokumenten erst richtig an.

Begnügen sich Briefmarken-Sammler häufig mit der Bestimmung der Marken, Art und Formen der Stempel, Laufwegen und Taxierung von Briefen, so muss der Fiskal-Dokumenten-Sammler in aller Regel doch tiefer in die Materie eindringen.

Wichtige Fragen müssen beantwortet werden, wie z. B.:
- Was ist überhaupt Inhalt und Gegenstand dieses Dokumentes?
- Aus welcher Zeit und aus welcher Region stammt es?
- Kann man durch das Wasserzeichen Rückschlüsse auf Papiermühle
und Entstehungszeit ziehen?
- Wie waren zum Zeitpunkt der Niederschrift die
Herrschaftsverhältnisse in dieser Region?
- Welche Steuertarife gab es und wie wurde in diesem Falle besteuert?
- Welche Währung galt zu dieser Zeit und in welcher Höhe wurden
Gebühren entrichtet?
- Welche Konsequenzen hatte das Dokument für die Beteiligten, welche
Rechtswege waren nötig?

Hilfs- und Grundlagenwissenschaften der Geschichte, wie Schriftkunde, Aktenkunde, Siegelkunde, Heraldik, Genealogie, Numismatik, Historische Geographie, Steuerkunde, Rechtsgeschichte u.a.m. 
stellen dabei hohe Anforderungen an den Fiskal-Philatelisten.

Bleibt es beim Briefmarkensammeln also meistens beim Hobby, so artet das Sammeln von Fiskaldokumenten oft in akribisches Zusammenführen unterschiedlichster Details aus. Umso grösser ist natürlich die Freude, wenn am Ende eines langen Weges wieder ein Dokument dechriffiert, der Fachwelt vorgeführt und in die Sammlung integriert werden kann!

Wir sehen, die Arbeit des Fiskal-Philatelisten nimmt also häufig auch wissenschaftlichen Charakter an! Besonders natürlich dann, wenn durch die Aufschlüsselung und Interpretation der Dokumente sich neue Erkenntnisse für die Geschichte ergeben. Dies gilt, wenn bisherige geschichtliche Erkenntnisse durch die Interpretation der Dokumente ergänzt oder gar revidiert werden müssen. Beispiele dafür gibt es viele, auch auf meiner homepage. Als ein Beispiel seien hier genannt die neuesten Datierungen der Erhebung von Stempelsteuern für eine Region oder eine Herrschaft.

Fazit: Die Fiskal-Philatelie ist also ein Hobby mit wissenschaftlichem Anspruch; sie kommt ohne die Anwendung geschichtlicher Hilfswissenschaften nicht aus.    
Ist die Tätigkeit des Fiskal-Philatelisten nicht nur auf die Einordnung der Dokumente, sondern auf die Gewinnung neuer Geschichtsdaten gerichtet, so stellt in diesem Falle die
Fiskal-Philatelie durchaus eine historische Hilfswissenschaft dar.




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