Eigene Gedanken zu einer Neuerscheinung auf dem
Philatelistischen Buchmarkt



Wieder einmal wurde eine Neuerscheinung von Wolfgang Maassen 
auf dem philatelistischen Buchmarkt mit großen Vorschußlorbeeren bedacht.
Ich meine sein Buch:

Philatelie und Vereine im 19. Jahrhundert
Sonderband der Reihe Chronik der deutschen Philatelie. 
Autor: Wolfgang Maassen
Erscheinungsort: Schwalmtal
Verlag: Phil*Creativ GmbH 
Jahr: 2007
ISBN: 13: 978- 3-932198-69- 4
Format: 28 x 21 cm, satiniertes 150g-Papier
Umfang-Seiten: 627
Abbildungen: 700 s/w
Preis: 74 € incl. Porto
Erhältlich bei: PhilCreativ Verlag, Pf. 57, 41366 Schwalmtal
Einband: Leinen-Hardcover Goldprägung auf Buchrücken
Ohne Angabe einer Auflagenhöhe

 
Fängt man an, dieses fulminante Werk zu lesen, so stolpert man als Fiskal- Philatelist über so manche Details, die man so einfach nicht unwidersprochen stehen lassen kann!



Zu den Aussagen im Einzelnen:

Fakt ist doch: Der private Kurierstempel aus Mailand dieses Herrn Sforza war kein Poststempel. Es gab da noch nicht eine Post im herkömmlichen Sinne! Wohl einen privaten Kurierdienst. Man kann doch nicht alles mit dem heutigen Wort „Post“ abtun und suggerieren, alles war postalisch! 

Denn: Philatelistisch ist es schon, aber postalisch wohl eher nicht!

Fakt ist doch: der Erfinder der Briefmarken Ronald Hill dachte seinerzeit zuerst nur an gestempelte Papier-Umschläge, also an englisches Stempelpapier (stamped paper stamp) mit seinen Impressed Seals oder an die schönen, auf Guillochiermaschinen hergestellte farbigen Stempelabschläge und nicht an aufzuklebende Briefmarken! Denn nur Fiskalmarken mit einen Werteindruck und auch mit einer Jahreszahl darin wurden in England seit 1691 verklebt und versiegelt mit einem Silberfaden. Und dass die erste Briefmarke der  Welt die 500erste Fiskalmarke für das engl. Schatzamt gewesen war, wird bewusst verschwiegen! 

Denn Fakt ist, der erwirtschaftete Gewinn der Post ging an den Staat! 

Die Postgebühr war also eine simple indirekte Steuer, nix anderes!

Fakt ist auch: das gestempelte Papier in Venedig war ein staatliches und zugleich auch ein behördlich- postalisches zwischen den Regierungsabteilungen in Venedig, es war nun mal ein steuerlich gestempeltes Postbriefpapier! 
Obwohl dies in der Fachwelt seit zig Jahren bekannt ist, wird dieser Sachverhalt in diesem Buch nicht einmal erwähnt. 

Fakt ist auch: in Holland handelte es sich um ein staatlich ausgeschriebenes Preisausschreiben, das dieser Privatmann Brooks gewann, und nichts  anderes. Nur den Erlös (die staatlich ausgelobte Summe), den haben er und seine Familie nie erhalten! Und andere Umschreibungen treffen hier einfach nicht den Kern!


Fakt ist auch: die in diesem Buch gezeigten Klein Siegel aus Holland sind aus dem 18ten Jahrhundert, nicht aus dem 17ten!

Fakt ist weiterhin, daß die Sardischen Pferdchen noch nie etwas anderes als Fiskalbelege waren, also auch ein steuerlich gestempeltes Papier, oder wollen wir Stempelpapier sagen, das käme auf's gleiche raus! 

Da kann man nur sagen: Mensch,  war das ein Staatsbetrieb, das waren Steuereinnahmen!

Seit x Jahren in der Fachwelt bekannt ist, wird dies nun endlich vom Autor in seinem Buch für Deutschland als richtiggestellt gepriesen; und trotzdem wird hier immer nur von der Post geschrieben! 

Immer steht das Wort Post im Fokus des Autors und des geschrieben Wortes!

Für mich gibt es da nix Neues zu erfahren, nur hat die Deutsche Philatelie seit Jahren vor dieser Erkenntnis die Augen und Ohren verschlossen!


Fakt ist auch: Das Siegel in Baden war das große Insiegel, also ein papiergedecktes Siegel.
Nur die anzuhängende Kapselrolle war ein Wachssiegel! Komisch ist: Hier bei Baden Durlach wird das Siegel als Steuermarke definiert, und beim spanische Stempelpapier = Paspel Sellado, soll es wiederum kein Steuerstempel sein? Das mutet schon etwas seltsam an!

Fakt ist auch: vor 1673 gab es in Frankreich
keinen schwarzen Gebührenstempel, 
also ist das gezeigte Bild vom Schreiben Villayer eine Fälschung! Ich datiere jenen gezeigten Gebührenstempel in das Jahr 1678, der Ersterscheinung dieses Stempels! Was man eigentlich im Bild selbst auch schon gut erkennen kann, die richtige Zahl 1678 ist auf 1671 gefälscht worden!

Weiter fragt man sich, wieso die Tiroler Raitbücher zur ersten Staffettenpost im Römischen Reich Deutscher Nation erst gar keine Erwähnung fanden, obwohl doch die Finanzierung dieser Staffettenpost eine Fiskalische Ausgabe von Kaiser Maximillian darstellt! 

In der Philatelie ist das aber schon seit Jahren bekannt, oder etwa nicht? Ich verweise auf die Abhandlung im Archiv für deutsche Postgeschichte, Heft 1/1990. Aber auch hier wurde solche Recherche lieber ausgelassen! 

Die Daxen handelten nur im Auftrag des Kaisers, der dabei vielmehr auf einer Briefspionage Wert legte als auf eine Nachrichtenübermittelung für einen mündigen Untertan!

Oder auch die Dokumente aus dem ehem. Reichspostmuseum zu Berlin zu der Pariser Stadtpost, auch sie werden hier erst gar nicht erwähnt! Vielleicht auch deshalb, weil der erste Leiter der Pariser Stadtpost ein Fiskalbeamter war und kein Postbeamter! Maitre de Request ist Meister der Zugriffe (wörtlich übersetzt), also der, der in die Taschen der Bürger greift, der Oberste Steuereinnehmer des Königs  und damit erster Beamter im Staate Frankreichs; aber er war wahrlich kein Postmeister!

Und so geht es munter weiter, dass Schöngeschreibe zum Postalischen hin!

Fakt ist: die ersten Kataloge von Moens beinhalteten Fiskalmarken und Postbriefmarken nebeneinander und alles wurde zur Philatelie gerechnet und es gab auch Fiskalische Vereine! 
Auch das ist in diesem Buch - ob bewusst oder nicht - , einfach verschwiegen worden. 


Dann ist doch unbestreitbar:
Alle Staatliche Steuer bzw. die Staatliche Gebühreneintreibung mittels Gebührenstempel oder Gebührenmarken, sind als Vorläufer aller Gebührenzettel, Taxzettel anzusehen, sowohl bei der Postalischen Tax, wie auch bei der Fiskalischen Tax. Denn es gab zu beiden eine staatliche Gebührenverordnung und die Steuer und die Postgebühr waren zu der Zeit überall staatlich!

Wieso, frage ich mich, verrenkt sich der Autor hier so in ein Fachgebiet, nämlich der Fiskalphilatelie, von dem er allem Anschein nach nichts versteht? 

Das aber, was ich hier anmerke, sieht bis heute nunmal die ganze Welt so, nur die Sprachorgane der deutschen Philatelisten, die sehen das immer noch ganz anders !

Auch könnten diesen Herren ja Wissens- Pfründe abgehen und das wird selten gerne zugegeben. Also macht man sich jetzt schnell noch die Fiskalphilatelie zu eigen und zeigt an, daß man total belesen daherkommt und sogar das geduldete Randgebiet beherrscht; schließlich ist man ja gewillt, über den Tellerrand zu schauen, 

Fazit, und aus meiner Sicht immer wieder zu bedauern:

Die deutschen Fiskal- Philatelisten werden erst gar nicht gefragt!
Und es wird wieder einmal mehr deutlich: die gibt es erst gar nicht in Deutschland!
Weiter wird in diesem Buch suggeriert, die postalischen Philatelisten seien immer auch schon Fachleute für Stempelpapiere gewesen; nur, die haben null Ahnung von dieser philatelistischen Materie! Dazu braucht es schon etwas mehr, als ein paar Artikel zu lesen und ein paar postalische Meinungen von Briefmarkensammlern einzuholen!


So wundert es einen nicht, wenn alles, was im eigentlichen Sinne Philatelistisch, nämlich Fiskal- Philatelistisch ist, heute wie in der Vergangenheit  in Deutschland einfach unter den Teppich gekehrt wird!

Deshalb meine Meinung: 

Als kritischer Philatelist, der auch gerne über seinen eigenen Tellerrand schaut, muß man sich dieses Buch nicht antun. Und als Fiskal-Philatelist schon zweimal nicht!


Man kann nur hoffen, daß der BDPh die Druckkosten bezuschusst hat, denn sonst muß- bei einer zu großen Auflage - dieses Buch vielleicht alsbald als Jahresgabe an wohlverdiente und selbsternannte Spitzenkenner der Geschichte der Philatelie verschenkt werden!



gez. Wolfgang Morscheck 

(und zum besseren Verständnis für alle:aus Bad Säckingen in Baden Württemberg)

 

www.stempelpapier.de