Morschecks Steuerkunde Teil 1

 Alles begann mit dem Zehnten!

Steuern, gibt es schon seit dem frühen Altertum 
und sie wurden unter den verschiedensten Bezeichnungen geführt, z.B. Tribut, Zoll oder Zehnten. Obwohl ihre Berechtigung traditionell darin gesehen wird, dass gemeinschaftliche Bedürfnisse befriedigt werden müssen, so zeugen einige Begründungen für die Einführung von neuen Steuern von bemerkenswerter staatlicher Kreativität.

 Die ersten Belege über staatliche Abgaben gibt es im 3. Jahrtausend v. Chr. aus Ägypten (Schreiber verwalteten die Erntesteuer und erhoben einen Nilzoll).

Auch aus den städtischen Hochkulturen in Mesopotamien ist die Steuererhebung geschichtlich verbürgt (hier führte die Tempelverwaltung Buch und versteuerte die Viehhaltung und den Fischfang).

Sowohl das assyrische als auch das persische Reich konnten während ihrer Blütezeiten auf eine Besteuerung der eigenen Bürger verzichten. Der Finanzbedarf wurde durch Tribute gedeckt, die den in Kriegen besiegten und unterworfenen Völkern auferlegt wurden. 

Griechenland, die „Wiege der Demokratie“, finanzierte das Staatswesen über indirekte Steuern (u.a. Zölle), die Arbeits- und Dienstleistungen der Athener Bürger und die umfassende Besteuerung aller Nicht-Athener. Der Parthenon auf der Akropolis diente zeitweise als Schatzkammer zur Verwahrung der Steuereinnahmen.

Die Finanzverwaltung der römischen Königszeit (753 bis 510 v.Chr.) war ähnlich, denn die Staatsaufgaben wurden meist durch die Bürger selbst erledigt und nur in außergewöhnlichen Situationen (meist aus Anlass eines Krieges) wurde eine Abgabe vom Vermögen (Tributum) fällig. Für die Veranlagung, den Census, wurden zwei hohe Beamte (censores) gewählt, die die Steuererklärungen (professiones) der Bürger überprüften und die Steuern eintrieben. 

Während der Zeit der römischen Republik (509 bis 133 v.Chr.) expandierte das Reich enorm und immer mehr Provinzen und tributpflichtige Reiche trugen zur Deckung des staatlichen Finanzbedarfs bei, so dass im Jahre 167 v.Chr. die römischen Bürger von den direkten Steuern befreit wurden. 

In den Provinzen wurden die direkten Steuern (Grund- und Kopfsteuer) durch Prokuratoren verwaltet, doch der Einfachheit halber war die Erhebung der indirekten Steuern (Zölle, Wege- und Nutzungsgelder) verpachtet und das System der Steuerpächter (publicani) führte zu Misswirtschaft und Ungerechtigkeiten. Erst Kaiser Augustus legte die gesamte Steuererhebung wieder in die Hände von staatlichen Beamten (Quästor). 

In Palästina, das seit 63 v.Chr dem römischen Reich abgabepflichtig ist, wurde zur Zeit von Jesus Geburt eine Steuerschätzung (census) mit Aufzeichnung der Bevölkerung und ihres Vermögens (Volkszählung) durchgeführt. Neben den römischen Steuern wurden noch erhebliche religiöse Abgaben fällig: Der Zehnte, der eine Zwangsabgabe seitens der Priester und Leviten darstellte sowie die Tempelsteuer zur Deckung der Kosten des öffentlichen Kultus. 

Den Germanen, die in vorrömischer Zeit statt einer Besteuerung nur die „freiwilligen Ehrenabgabe“ an den Fürsten kannten, soll der Versuch der Steuererhebung durch die Römer den Anlass zur Schlacht im Teutoburger Wald gegeben haben. 

Doch westlich des Rheins setzte sich die römische Finanzverwaltung durch und wurde von dem in Treverum (Trier) ansässigen Provinzialprokurator geleitet. 

Mit dem Niedergang des römischen Reiches wurden, bei steigenden Staatsausgaben, die Steuereinnahmen geringer und der Staatsschatz (aerarium), der bisher im Saturntempel verwahrt und vom Senat überwacht worden ist, wurde zugunsten des kaiserlichen Sondervermögens (fiscus) aufgelöst. Genötigt, nicht nur die Kosten des römischen Etats zu decken, sondern auch eine möglichst große Steigerung des Privatvermögens zu erwirtschaften, zeigen sich die ersten - geschichtlich verbürgten – Kuriositäten in der Steuergesetzgebung: "Pecunia non olet" (Geld stinkt nicht) – dieser wohlbekannte Ausdruck wurde von Kaiser Vespasian verwendet um eine Steuer auf öffentliche Bedürfnisanstalten zu rechtfertigen. 

Mittelalter und Frühe Neuzeit

Als Einnahmequelle für Könige und Fürsten spielte die Steuer im Frühmittelalter nur eine untergeordnete Rolle. Zum einen war keiner der fränkischen Fürsten machtpolitisch in der Lage eine allgemeine Besteuerung der Bevölkerung durchzusetzen. Auf der anderen Seite fehlten die notwendigen verwaltungstechnischen Mittel zur Anwendung einer Steuer, denn die Aufzeichnungen über Bürger und Besitzverhältnisse waren veraltet oder schlichtweg nicht vorhanden. 

Die Ausgaben wurden vielmehr durch „privatwirtschaftliche“ Einnahmen aus dem Verkauf von Rechten (Markt- und Stadtrechte), aus Monopolen (Woll- und Gewürzmonopol) und aus den Domänen, d.h. hauptsächlich aus den land- und forstwirtschaftlichen Staatsbetrieben und den Regalien, wie etwa dem Jagd-, Fischerei- und Salzrecht, bestritten. 

Anders stellte sich die Situation jedoch für die Kirche und ihre Institutionen und Personen dar: Da sich aus der Bibel eine Anweisung an Christen zur Erfüllung ihrer Steuerpflicht ergibt (Buch des Paulus, Römer 13,7: Gebt allen, was ihr ihnen zu geben schuldig seid: Steuer, wem Steuer; Zoll, wem Zoll; Furcht, wem Furcht; Ehre, wem Ehre gebührt) wird bis in das 19. Jahrhundert in der Form des Zehnten eine Kirchensteuer erhoben. Diese Abgabe konnte nicht nur aus den christlichen Traditionen hergeleitet werden, sondern von den kirchlichen Institutionen vor Ort relativ einfach überwacht und beigetrieben werden. 

Im Laufe der Zeit benötigten auch die weltlichen Herrscher höhere Einnahmen, beispielsweise zur Finanzierung eines Krieges oder des Aufbaus eines staatlichen Gemeinwesens. Er bekam sie oft von den Landständen vorgestreckt, durch Verpachtung der Steuern an diese! 

Im Hochmittelalter war die von Landesfürsten erhobene Steuer vorrangig eine Besitzsteuer, die Grund und Boden, aber auch andere Vermögensgegenstände (Vieh, Vorräte, etc.) einbezog. Ältester schriftlicher Beleg ist das Doomsday-Buch, das im 11. Jahrhundert die Besitzverhältnisse in England zwecks der Besteuerung durch den König erfasste. Damit der weit überwiegende Teil der Bevölkerung, der aus besitzlosen oder armen Leibeigenen und Pächtern bestand, ebenfalls steuerlich erfasst werden konnte, wurde die Kopfsteuer (Pupillensteuer) angewendet, die ohne Rücksichtnahme auf Besitz- und Eigentumsverhältnisse, allen Bürgern den gleichen Betrag abforderte. Die Besteuerung des Einkommens durch die zentralen staatlichen Stellen gestaltete sich als schwierig, denn eine Überwachung der Steuererhebung war wegen der verwaltungstechnischen Mängel im Mittelalter unmöglich. Deshalb wurden oftmals Repartitionssteuern erhoben, bei denen eine Region oder Gemeinde einen pauschalen Steuerbetrag auferlegt bekam, den sie nach eigenem Ermessen auf ihre Bewohner umlegte.

In den folgenden frühstaatlichen Zeiten wurden direkte Steuern nur in Ausnahmefällen erhoben und mussten von den Ständen bewilligt werden. Klassische Anlässe waren ein Krieg, die Hochzeit einer Tochter des Fürsten, der Romzug zur Kaiserkrönung, eine Lösegeldforderung oder 'Allgemeine Not'.

Da die Steuern nur in größeren Abständen und unregelmäßig erhoben wurden, konnten die Steuersätze auch verhältnismäßig hoch sein (z.B. gewöhnlich 5% des gesamten Vermögens).

Im 16. Jahrhundert werden Steuern in immer dichterer Folge und für immer längere Zeiträume erhoben, so dass sie jährlichen Steuern sehr nahe kommen.

Der Absolutismus in Frankreich kannte auch wieder das System der Steuerpacht mit all seinen Licht- und Schattenseiten

(finanzieller Aufstieg der Steuerpächter als einer neuen Gruppe im Staat, Überausbeutung der steuerzahlenden Bevölkerung). 

Seit dem späten Mittelalter erfreuten sich die indirekten Steuern immer größerer Beliebtheit bei den Herrschenden und so wurde die Stempelpapier Steuer 1604/1608/09 in Venedig und 1624 in den Generalstaaten von Holland eingeführt. Danach folgten Spanien, seine Kolonien, Dänemark und Frankreich.

Die Akzisen (Accisen) auf Getränke wie Bier und Wein, auf Salz, auf Lotterien, etc. wurden erhoben. Hier stand die vereinfachte Steuererhebung im Vordergrund, denn meist waren nur wenige Brauereien und Wein- oder Salzhändler auf ihre Steuerehrlichkeit hin zu überwachen.

Während der gesamten Historie zeigen sich zwei Probleme, die auch in heutiger Zeit nicht gelöst sind: Zum einen führt die Steuergesetzgebungshoheit oftmals zu einer Doppelbesteuerung, (z.B. bei Tax und Stempelsteuer) und zum anderen ergibt sich immer die Schwierigkeit der Abgrenzung der Steuererhebung von den übrigen Beitreibungen seitens der Herrschenden. 

So fordern nicht selten vier Institutionen eine Steuer von der Bevölkerung: Die Krone (Kaiser oder König), der Landesfürst, die Gemeinde oder Stadt und nicht zuletzt die Kirche.

Demzufolge werden die Steuern unterschieden in Reichssteuern (z.B. gemeiner Pfennig, Türkensteuer, Kontribution), in Steuern der Landesherren, in kommunale Steuern und in den kirchlichen Zehnt. Daneben werden immer auch Beiträge ganz allgemein für eine staatliche Leistung fällig (Nutzgelder), Abgaben, wie die Feudalabgabe oder der Todfall erhoben und Dienstleistungen erbracht (Fronde, Hand- und Spanndienste), die einem Grundherrn zustanden als Gegenleistung für den Schutz, den er den Hörigen bieten musste.

 


Neuzeit

Erst Adam Smith stellte 1776 die vier bekannten Steuergrundsätze auf:

Gleichmäßigkeit der Besteuerung

Bestimmtheit der Steuergesetze

Bequemlichkeit und

Billigkeit der Steuererhebung 

Während der französischen Revolution wurde das Prinzip der Allgemeinheit und Gleichmäßigkeit der Besteuerung als Menschenrecht verkündet und England führte als erster Staat zum Ende des 18. Jahrhunderts die Einkommensteuer zur Besteuerung der Vermögenssteigerung ein.

Im 19. Jh. entwickelten sich die Steuergesetze in den souveränen Einzelstaaten zunächst unterschiedlich, wobei sie in zunehmenden Maße von Forderungen aus der Wirtschaft zum Auf- und Ausbau der Infrastruktur begleitet wurden. In dieser Zeit des klassischen Liberalismus hat sich der heutige Steuerstaat herausgebildet, allerdings sind seither vielfältige Änderungen und nationale Besonderheiten in den verschiedenen Steuersystemen eingetreten.

 

Frühere Steuerarten

Die Bezeichnungen für die Steuer im Mittelalter und der Frühen Neuzeit sind regional sehr verschieden:

Besonders erwähnenswert - zum einen wegen der Bedeutung, zum anderen wegen der Dauer und nicht zuletzt wegen der Kuriosität - sind die folgenden Steuerarten genannt:

Z.b. Accise/Akzise, Abzugsgeld/Auszugsgeld, Apothekergeld, Achsengeld, Ausschanksteuer, Allmendezins, Almanachsteuer, Arnepfennig, Artztgeld, Anschlagen, Aversum, Armenpfennig, Briefsteuer, Backsteuer/Bachelon, Brüchtegeld, Bergwerksgült, Bergzins, Bannkorn, Bannhaber, Bannschatz, Branntschutzsteuer, Bausteuer, Briefsteuer, Baupfennig, Biersteuer, Bete/Bede/Beth, Beförderungsabgabe, Bededemund, Bürgereidsteuer, Brodtax, Bedkorn/Beetkorn, Bergzehnt, Brandgeld, Branntweinsteuer,  Bechtgeld, Brunnengeld, Bürgergeld, Brückengeld, Cappengeld, Copulationszins, Chausseegeld, Dienstpfennig, Dammgelt/Dammsteuer, Deichgelt, Droschkensteuer, Dingkaufzehnt, Ehrschatz, Einkindsteuer, Eidsumenpfennig, Eheberedungen, Engerpfennig, Erbgulden/Erbpfennig, Elbzoll, Erntehühner, Fleischaccise, Forsthühnergeld,  Frauenpfennig/Frauensteuer, Fahrradsteuer, Fleischakzise,  Fudergelt, Fischgelt, Fuhrmannsgelt, Fenstersteuer/Fenstergült, Fräuleinsteuer, Frongeld, Frond/ Schleuder, Frontpflastergeld, Fährgelt/Fährzoll, Füllzehend, Fuhrgebietgeld, Fürwein, Futtergeld, Gartenhühner, Gedingpfennig, Gefürtwein, Geleitgeld, Gescheidtgeld, Gestellgeld, Glockenzehnt, Gardinensteuer, Glütezoll, Geleitzoll/Geleitgelt, Goldzins, Großzehnt, Guldenzoll, Gerichtssteuer,  Gültekorn, Grundsteuer,  Haarzoll, Habergeld, Halszins, Heringswrackergelt, Hafengeld, Häusersteuer,  Hanfzehenden, Harthaber, Hausgeld, Holzgült/Holzzehnt/Holzgelt, Helblingzoll, Hellergeld, Hemlen, Herbstgewerf, Herrenhuhn, Hintersassgeld, Hintersasssequester, Hostaatzins, Heuzehenden, Hühnergeld, Hypothekensteuer, Haussierergelt, Hüttengelt, Hundegeid/ Hundesteuer, Hühnergülte, Husgeld, Handwerkssteuer,  Impoststeuer, Judengeld, Jungfernsteuer, Judengewerk, Judenwein, Jagdsteuer, Kürbiszehnt, Kappenzins, Kälberzehend, Klaftergeld, Kaigeld, Kopulationssteuer, Körnerzehend, Kornmentag, Kartengelt/Kartensteuer, Kornzehnt, Kopfsteuer, Kalendergelt/ Kalendersteuer, Konsumtionssteuer, Legatengeld, Lotteriesteuer, Lagergeld, Landvermessungssteuer, Laibeigensteuer = Manumissionsgelt, Landwehrsteuer, Mariathaler/Mariapfennig, Mahlzoll/Mahlzins/Mühlzoll/Mühlgeld/Mühlenzins, Mundzoll, Mundgutsteuer, Martinsbeth/Martinssteuer,  Massheller, Mattenzins, Matz, Märzengewerf, Möbelsteuer, Mutegeld/Mute, Münzsteuer, Nachtwächtersteuer, Novalzins, Nachtsteuer, Notariatssteuer, Nussgeld/Nusszehent, Obstzehent, Oktroi, Ochsengeld, Opferpfennig, Pfennigzins, Pfundzoll/Pfundgelt, Pupillensteuer, Perückensteuer, Poststeuer, Präsenzgeld, Platzgeld, Pflastergeld,  Pferdgelt, Plakatsteuer, Papiersteuer, Pferdesteuer, Quart/Quartalsteuer, Quartembersteuer, Rauchgeld/Viertel, Römermonat, Reichsfluchtsteuer, Rauchsteuer, Rheinzoll, Rauchhuhn, Reifengelt, Rauchhaber, Rauchgut, Reichssteuer, Reichskreissteuer, Römermonat, Salzsteuer, Stempelimpost, Schaugeld, Schirmgeld, Schöpfzins, Spurgeld, Sporteln, Stempelsteuer, Scheffelgeld, Silberzins, Standgeld, Schlaggeld, Spatzengelt, Schlachtsteuer, Schocksteuer/Schock und Quartembersteuer, Salinensteuer, Salzsteuer, Spielkartensteuer, Schaumweinsteuer, Thomaspfennig, Thorgeld, Türckensteuer, Torzettel, Tax, Traggeld, Trittenpfennig, Teerwrackergeld, Trankgeld, Tapetensteuer, Überlaufhühner, Unzuchtgeld, Uszlegung, Verkkost, Vitizumgeld, Vorspannzins, Vormundschaftssteuer, Viktualiensteuer, Verwaltungssteuer, Wassersteuer, Waaggeld, Weeggeld/Weegegeld, Würfelsteuer, Wachszehent, Waldsteuer, Waschgeld, Wachtgeld, Wechselsteuer, Waisenschilling, Wagenzins, Wasenzins, Wasserbeth, Wassergeld/ Wasserzins, Wasserzoll, Weidgeld/Weidbret, Wagensteuer=  Einachser, Zweiachser usw.) Weinzoll, Wirtssteuer, Wiesengeld, Immenzehnt/ Ymenzehent, Ysengeld/Eisengeld, Zugpfennig, Zeitungssteuer, Zündholzsteuer.  

Es fehlen hier auch noch die vielen Strafgelder, die auch  noch zu den Steuereinnahmen gerechnet wurden, z. b. Holzfrevel, Brüchtesteuer, (eine Taxe im Herzogtum Berg für Polizei, Jagd und Forstvergehen), und ich könnte noch viele dergleichen aufzählen.

Seit über 5000 Jahren müssen Bürger Abgaben an den Staat entrichten.

Sehr rauh ging es im ägyptischen Sakkara vor 4300 Jahren zu. Seit etwa 3000 v. Chr. erheben Könige, Diktatoren oder Finanzminister oft willkürlich Steuern, um damit das zu bezahlen, was sie für unausweichlich halten - sei es ein Krieg, die Hochzeit einer Prinzessin oder eine sechsspurige Autobahn.

Der Zweck hat oft die Mittel geheiligt, und die Fantasie des Fiskus (lateinisch für Geldkorb, Kasse) kannte keine Grenzen. 

So ließ der römische Kaiser Vespasian sogar Bedürfnisanstalten besteuern. Als sein Sohn ihn dafür tadelte, sprach er den berühmten Satz: "Pecunia non olet" - Geld stinkt nicht.

Im antiken Rom wie auch in Griechenland war darüber hinaus eine Sklavenumsatzsteuer üblich: Für jeden Zwangsarbeiter ab dem 14. Lebensjahr war eine Abgabe zu entrichten.

Wenn im 16. Jahrhundert der „Hellwagen" durch die Städte und Dörfer der brandenburgischen Altmark rumpelte, wussten die Menschen, dass es einigen von ihnen mal wieder an den Kragen gehen würde. Denn auf dem Wagen zogen der Marktmeister und die Stadtknechte aus, um im Auftrag des Magistrats säumige Steuerzahler zu „behelligen", also zu belästigen oder zu pfänden. Dort band man Tributverweigerer an den Schandpfahl und hieb mit Stöcken auf sie ein. Selbst Zahlungsbereite packte man beim Schopf und drückte sie nieder, damit sie ihre Steuererklärung gefälligst in ehrfürchtiger Haltung abgaben. Vor dem Haus eines Zahlungsmuffels hielten die Eintreiber an, hoben die Haustür aus den Angeln und beschlagnahmten sie. Nach geleisteter Zahlung konnte die Tür im Rathaus wieder abgeholt werden.

 Steuereinnahmen von 1832

 1,138000 fl. Bergwerks und Hüttennutzung,

    76,000 fl. Bruttoertrag der Steinkohlebergwerke,

     23000 fl. Münznutzungen,

   280000 fl. Nettoeinkommen vom Salzverkauf,

     65000 fl. Nettoeinkommen wegen gleicher Ursache,

   419000 fl. Postnutzungen,

   225000 fl. an Chausseegeldern,

     13317 fl. an Brückengeldern,

   103884 fl. an Geleitsgeldern,

     63000 fl. an Elbzollgeldern,

   131244 fl. an Fleischsteuern,

   300900 fl. Grenzaccisen und Tranksteuern von ausländischen Getränken,

   712615 fl. Generalaccisen und Mahlsteuern,

       1250 fl. Stempelgelder von einigen Fabriken,

     10000 fl. Oberlausitzer Biersteuern,

     28500 fl. zufällige fiskalische Einnahmen,

   347006 fl. Kavallerieverpflegungsgelder,

   137534 fl. Tranksteuern,

   105464 fl. Stempelimposten in den alten Erblanden,

       4000 fl. desgleichen der Oberlausitz,

   157787 fl. Personensteuern,

1, 149125 fl. Schock,- und Quartembersteuern,

        4237 fl. Schönburgsches Steuerkontingent,

      31400 fl. ritterschaftliche Beiträge,

      78979 fl. Oberlauzitzer Rauch,- und Mundgut,- Steuern

____________  zusammen

7, 162925 fl. = (Gulden),

 

Das Räuber-und-Gendarm-Spiel zwischen Steuereintreibern und dem störrischen Volk ist Jahrtausende alt - und die Frage durchaus offen, wer hier jeweils der Gute und wer der Böse war. Diesen Eindruck nimmt mit, wer die finanzgeschichtliche Schausammlung der Bundesfinanzakademie", in Brühl bei Köln besucht hat.

 Wenn alles besteuert werden konnte, warum also keine Bärte. Das jedenfalls dachte sich der russische Zar Peter der Große und verlangte ab 1698 von Bartträgern einen Obolus. Betuchte Kaufleute hatten 100 Rubel zu zahlen, Höflinge und Beamte 60 Rubel, sonstige Städter 30 Rubel. Ehrliche Zahler bekamen Quittungsmarken, die stets mitzuführen waren, wollte man nicht bei einer Kontrolle zur Bartschur genötigt werden.

Die Bartsteuer war nicht nur anmaßend, sondern auch perfide: Denn religiöse Vorschriften verboten die Rasur, weil sie als „Verhöhnung des Gottesbildes im Menschen" empfunden wurde.

Auch Hüte wurden besteuert, wie auch Perücken! Es gab damals nichts, was nicht zu besteuern gewesen wäre!

Um die Steuermoral zu heben, gab es eine bewährte Methode des 18. Jahrhunderts: Im "Würtembergischen Gesangs-Buch" findet sich eine Strophe, die dem Volk das Steuerzahlen versüßen sollte:
„Hilf, dass wir geben herzlich gern, und zwar bey zeit und richtig, was jeder seinem Oberherrn sich weiß zu geben pflichtig.


In einem Liederbuch „Zum Gebrauch für Kirchen und Schulen" von 1823 findet sich der Zusatz:

Gib, als gäbst du's Gott dem Herrn, was du schuldig bist, stets gern.“

Heute müssen zwanghafte Raucher die Tabaksteuer zahlen - um die 14 Milliarden Euro pro Jahr werden in die Kassen des Fiskus gespült.

Auch die Biersteuer in Höhe von knapp 800 Millionen Euro freut den Finanzminister.

 Im Mittelalter wurde er- sie als Breiiges, Bierpfennig, Trankgeld oder Malzaufschlag erhoben. Hinzu kommt die über zwei Milliarden Euro eintragende Branntweinsteuer, und auch bei der Schaumweinsteuer (400 Millionen Euro) sagt Vater Staat nicht Nein.

 

Das Zündmonopol wurde erst vor einem Jahr abgeschafft!

Auch in neuerer Zeit hat es nie an Ideen für neue Steuern gemangelt. Eine Essigsäuresteuer, wurde in der Bundesrepublik bis 1980 erhoben.

Eine Warnung an allzu forsche Steuer-Erfinder könnte der Aufstand der Moselwinzer im Jahr 1926 sein. Ende Februar 1926 stürmten und verwüsteten Weinbauern das Finanzamt von Bernkastel. Heute demolieren Steuerzahler keine Finanzämter mehr, sondern erfinden absetzbare Werbungskosten. Oder sie schmuggeln ihren Zaster ins Ausland.

Finanzpolitiker vermeiden es deshalb, Kühe zu schlachten, die man noch melken kann.

 

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