Alles fing an mit dem Gesandtschaftswesen und deren diplomatischen Post! 

Hierzu verweise ich auch auf den Artikel von Helmut Hödl   
"Allgemeines zum Gesandtschaftswesen in Mitteleuropa zu Beginn der Neuzeit“ , mit besonderer Rücksicht auf das Reich unter Maximilian I. und die Republik Venedig.

Zuerst sollten wir wissen, was ist und war ein Kurier zur damaligen Zeit??

Zur Begriffsabgrenzung sei vorausgeschickt: Während ein Gesandter diplomatische oder politische Gespräche stellvertretend für einen Herrscher am Hofe eines anderen führt, ist ein Bote ein einfacher Überbringer eines Briefes oder einer Nachricht. Kurier nennt man einen Boten, der Briefe eines Herrschers befördert (oft betrifft das den Briefwechsel zwischen einem Herrscher und seinen Gesandten).

 Die Übermittlung der diplomatischen Korrespondenz

Die Kuriere waren zur Beförderung der herrscherlichen Schreiben (und zur Übermittlung der Depeschen ihrer Gesandten) besonders ausersehen. Der Grund für diese Stellung der Kuriere lag darin, dass sie im Gegensatz zu den Postboten (das Postwesen in Mitteleuropa ist im letzten Jahrzehnt vor 1500 aufgekommen
 (
Im Reich existierte spätestens 1489 eine Postlinie - also eine feste Reiterstafette - die Innsbruck mit den Niederlanden verband. Seit 1494 war der süddeutsche Raum mit Mailand verbunden. In Frankreich wurde die Post 1464 begründet und stand sogar den Kurieren und Gesandten befreundeter Mächte zur Verfügung. Italien gilt als das Ursprungsland der Post, wobei für Mailand der älteste Beleg von einem Boten mit wechselnden Pferden bekannt ist. Für das Jahr 1444 ist für das Königreich Neapel eine echte Stafettenkette bezeugt. ),
wenn sie eine Depesche einmal übernommen hatten, in der Regel sofort abgingen und die Depesche auch wieder persönlich dem Empfänger überreichten, da sie die ganze Strecke selbst zurückzulegen pflegten. (Auch in allen Gebieten abseits der noch nicht sehr zahlreich eingerichteten Poststrecken wurden natürlich Kuriere verwendet, mitunter in kombiniertem Betrieb mit der Post, und zwar auf Strecken, die sich teilweise mit festen Postlinien überschnitten.
 

Dies war weniger ein Kriterium für die Geschwindigkeit der Nachrichtenübermittlung (denn die Post hatte dagegen den Vorteil von Pferde- und auch Reiterwechselmöglichkeiten in einem bestimmten Abstand eingerichteten Aufenthaltsstationen, wodurch die Zeitverluste, die sich bei einem einfachen Kurier aufgrund seiner notwendigen Ruhepausen ergaben, verringert werden konnten, wohl aber ein Positivum für die Sicherheit der Übermittlung, soweit es eben vom Kurier, der der eigenen Organisation angehörte, abhing, ob ein Schreiben überhaupt jemals ankam oder nicht. Denn ein Vorteil der eigenen Kuriere war, dass man sie kannte und sich auf sie verlassen konnte. Man konnte ihre Erfahrung einschätzen und ihnen bei Bedarf auch weitere Aufgaben zusätzlich zur Beförderung der Briefe übertragen. Außerdem waren sie flexibler: Einen Boten (Kurier) konnte man je nach Dringlichkeit zu jeder Tages­- oder Nachtzeit losschicken, egal, wo man sich befand und wie es um die institutionellen Kommunikationsmittel bestellt war. So etwa auch von den Tiroler Bergen aus.

Nach Höflechner dürfte der Kurier auch wesentlich billiger gewesen sein als die Post, da ja bei der Post die gesamte Strecke erhalten werden musste, gleichgültig, welche Frequenz sie hatte, während der Kurier bei seinen Reisen wesentlich rentabler arbeitete. Lutter beurteilt dagegen die Kosten für berittene Boten höher (als jene für die Post). Deren Bezahlung richtete sich vor allem nach der Länge der Strecke und der Geschwindigkeit der Beförderung. Zusätzlich zu den Botenlöhnen mussten noch die Unterhaltskosten für den Kurier und sein Pferd bezahlt werden. (Fußboten dagegen waren weitaus billiger). So kostete z.B. die Beförderung von zwei Briefen 1507 von Straßburg nach Venedig etwas mehr als 30 Dukaten, was dem mittleren Jahresanfangsgehalt eines Sekretärs in der Kanzlei des Dogen in Venedig entsprach!

Nochmals zurück zur Geschwindigkeitszunahme der Nachrichtenübermittlung durch die Einrichtung der Postlinien: Auf diese Weise konnte die Beförderungsgeschwindigkeit von 20-30 auf 100-150 Kilometer pro Tag erhöht werden. So wurde z.B. die 764 Kilometer lange Strecke von Mechelen (im heutigen Belgien) nach Innsbruck in 5 1/2Tagen zurückgelegt." Höflechner spricht sogar von Spitzenwerten von 250 Kilometern pro Tag. Andererseits konnten nach Schäffer, „Zur Geschwindigkeit des „staatlichen" Nachrichtenverkehrs im Spätmittelalter (Vgl.: Roland Schäffer, Zur Geschwindigkeit des „staatlichen" Nachrichtenverkehrs im Spätmittelalter. In: ZHVSt 76 (1985),101-119. Im Folgenden kurz: Schäffer, Geschwindigkeit.), auch Boten (wie Kuriere) schon Tagesleistungen von etwa 100 Kilometern pro Tag erbringen. Dies geht aus vielen von ihm gebrachten Beispielen hervor, wie z.B., dass die Nachricht von der Königswahl Maximilians I. (vom 16. Februar 1486) in Frankfurt/Main in höchstens sieben Tagen (am 23. Februar) im 750 Kilometer (Landweg) entfernten Wien bekannt wurde."  (Roland Schäffer, Geschwindigkeit, 103)

Auch Höflechner (Walter Höflechner, Die Entwicklung österreichischer Diplomatie im Mittelalter und die Außenpolitik Maximilians I. In: Erich Zöllner (Hg.), Diplomatie und Außenpolitik  Österreichs. 11 Beiträge zu ihrer Geschichte (= Schriften des Institutes für Österreichkunde, Bd. 30). Wien 1977, 28-44. Im Folgenden kurz: Höflechner, Entwicklung berichtet von Leistungen damaliger Kuriere, die die Strecke Venedig - Brügge in 16 Tagen und London - Venedig in 21 Tagen zurücklegten, wobei es sich um Schnitte von über 70 km pro Tag handelte, und das durch drei Wochen hindurch. (Höflechner, Entwicklung, 37).

Die Masse der Depeschen wurde also von Kurieren befördert, von denen je nach Bedeutung des Gesandten und seiner Mission bereits eine gewisse Anzahl den Gesandten bei der Abreise vom Konstituenten begleitete. Nach und nach wurden sie mit Nachrichten zurückgesandt und durch die neue Nachrichten vom Konstituenten bringenden Kuriere ergänzt. Bei Kurieren über größere Distanzen war es - schon aus finanziellen Gründen - selbstverständlich, dass sie, sofern es die Route und die Dringlichkeit ermöglichten, von anderen Informationsstellen ihres Herrn weitere Depeschen übernahmen. Hin und wieder beförderten sie nicht nur Schriftgut, sondern auch kleinere Geschenke - wenn diese selbst laufen konnten, wie etwa ein Pferd, so auch größere. Sie überbrachten den Gesandten auch mündliche Informationen. 

Auch konnte es vorkommen, dass der Kurier als Überbringer eines Briefes eines Souveräns an den anderen, wenn kein Gesandter vorhanden war, vom Empfänger empfangen und in ein informatives Gespräch verwickelt wurde .Kuriere reisten allein, und dies oftmals auf derselben Route. Sie abzufangen und sich des Inhalts ihrer beförderten Schriftstücke zu bemächtigen, war - wenn es sich aus Gründen des Staatsinteresses empfahl - unter Hinwegsetzung über die etwas geschützte Rechtsstellung des Kuriers eine Selbstverständlichkeit. Es geschah dies so häufig, dass der Hinweis auf eine auf diese Weise verloren gegangene Nachricht eine der gängigsten Entschuldigungen und Ausreden für das Nichtreagieren auf Nachrichten war. Besonders dieser Gefahr ausgesetzt waren natürlich Routen, die an Feindesland vorbei, wenn nicht manchmal durch dieses hindurch, führten. Kuriere wurden immer wieder abgefangen, mancher landete in einem Kerker, mancher verschwand wohl für immer. Diese Unsicherheit führte zu der Gewohnheit, nach der Entsendung einer Originalnachricht solange Kopien derselben den nachfolgenden neuen Originaldepeschen beizulegen, bis der Empfang eines Exemplares - unter knapper Resümierung des Inhalts - bestätigt wurde. - Originale wie Kopien wurden in ihren chiffrierten Fassungen eigens als solche gekennzeichnet. Besonders wichtige Stücke wurden auch auf verschiedenen Routen gleichzeitig abgesandt. Den spanischen Königen z.B. galt generell die Seeroute (nach England) als sicherer - besonders die Route nach Bristol, auf der sogar nichtchiffrierte Depeschen befördert wurden, die vom Kurier im Falle der Kaperung in das Wasser zu werfen waren.

Neben den Kurierdiensten und der Benützung verschiedener Postlinien, die sich anboten, verfügten zumindest die führenden italienischen Stadtstaaten, wie etwa die Signorie von Venedig, Florenz und auch Mailand, über ein sehr wirksames Nachrichten- und Transportsystem in Form ihrer Handelshäuser, die dafür ihrem Staat zur Verfügung standen. (Vor allem die italienischen Bankhäuser, unter ihnen besonders die der Medici, sind dabei hervorzuheben).

Für im Ausland weilende Venezianer war es eine selbstverständliche Pflicht, alles von Belang an die Signorie zu melden, aber auch die Beförderung von Depeschen zu übernehmen bzw. zu unterstützen. Die Bankdirektoren in Lyon wurden sogar zur politischen Berichterstattung verpflichtet.

Nach Lutter scheint die Mitbenützung des funktionierenden Nachrichtenwesens der Kaufleute (namentlich der Welser und auch der Fugger) vor der Einrichtung der königlichen Postkurse (im Reich) eines der besten Mittel gewesen zu sein, Informationen rasch weiterzuleiten und die Kosten für Einzelboten zu sparen.

Nicht zuletzt gab man diplomatische Schriftstücke auch Personen mit, die sich gerade auf der Durchreise befanden. Darunter waren wiederum Kaufleute, wie auch andere Gesandte, denen man offenbar vertraute und die in die gewünschte Richtung unterwegs waren oder einen nahe gelegenen Verkehrsknotenpunkt passierten. Aber auch Geistliche fungierten gelegentlich als Kuriere.

Ständige Gesandtschaften in der Diplomatie um 1500

Solche Absicht kann man zuerst (und darüber sind sich die zahlreichen Forschungen im Großen und Ganzen einig) in gegenseitigen Beziehungen zwischen den italienischen Kleinstaaten nachweisen. Die Frage, ob diese Absicht zuerst in Venedig, in Florenz oder in Mailand auftauchte, ist (seit Anbeginn der Forschungen) strittig. 

Für Nahlik brachte der Mexikaner Weckmann überzeugende Beweise, dass der erste völlig absichtliche Austausch von ständigen Gesandten in der zweiten Hälfte des fünften Jahrzehntes des 15. Jahrhunderts, 1446-1450, in gegenseitigen Beziehungen zwischen Cosimo de Medici und Francesco Sforza, also zwischen Florenz und Mailand, stattfand.

Fest stehe, dass es zuerst eine grundsätzlich italienische „Erfindung" war, die jedenfalls um die Mitte des 15. Jahrhunderts entstand und seither nicht mehr aufgegeben wurde. (Andere Forschungen hingegen zeigen, dass bereits im 13. Jahrhundert im Mittelmeerraum ständige Konsuln tätig waren, denen häufig politisch­diplomatische Aufgaben zukamen. Man ist sich uneinig). Die Großmächte folgten nicht ohne Zögern allmählich dem italienischen Beispiel. Der Pionier der neuen Institution außerhalb Italiens war, laut Nahlik, Ferdinand der Katholische von Spanien, der einzige unter den größeren Herrschern, der ein paar ständige Gesandtschaften bereits im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts einsetzte. Allmählich, nach der Epoche der „italienischen Kriege" (also erst im 16. Jahrhundert), in welchen manche der italienischen Staaten untergingen, sei die Rolle des Vorkämpfers der ständigen Diplomatie auf Frankreich übergegangen, nämlich seit Franz I.  

Vor 1500 war die ständige Diplomatie besonders gut bei den Venezianen entwickelt, während der Kaiser, aber auch die römische Kurie (als die beiden Häupter der Christenheit) immer noch glaubten, es entspreche ihrer Würde besser, Gesandte wohl zu empfangen, aber solche nur in seltenen Fällen abzusenden. Die Heilige Liga von Venedig (im März 1495), die das italienische System des Gleichgewichts auf die gesamte europäische Staatenwelt übertrug, gab auch der Einrichtung ständiger gegenseitiger Gesandtschaften, zumindest unter den Verbündeten, den entscheidenden Anstoß.

So kristallisierte sich nach 1495 eine kleine Zahl von zwischenstaatlichen Beziehungen heraus, die sich einigermaßen konstant erwiesen und durch ständige Gesandte betreut wurden: Spanien bei England und später Venedig bei Frankreich waren zwei der stabilsten Verbindungen um 1500. Doch war bis ins 16. Jahrhundert hinein das Institut der ständigen Gesandtschaft außerhalb Italiens eher eine Ausnahme, nicht alle Mächte traten in ständigen diplomatischen Kontakt. Eine Veranlassung dazu war nur gegeben, wenn einigermaßen gute Beziehungen herrschten und auch offene Fragen oder gemeinsame Pläne vorhanden waren, deren Behandlung und Verfolgung ausstand.

Eine ständige Vertretung bedeutete einen nicht unwesentlichen Kostenaufwand, einmal in der Bezahlung des Gesandten, aber vor allem durch die Nachrichtenverbindung, die man aus Sicherheitsgründen (trotz des schon hoch entwickelten Chiffrierwesens) selbst besorgen wollte. Weiters hatte man in vielen Ländern eine Abneigung gegen die ständigen Gesandten (eines fremden Landes), die man nicht ganz zu Unrecht als Spione oder wenigstens als unerwünschte, dauernd fließende Informationsquelle ansah. So verhielt es sich z.B. in Russland oder in Frankreich.

 So antwortete etwa der französische König Ludwig Xl. 1464 auf den Wunsch des Herzogs Franzesco Sforza von Mailand, künftig „dauernd einen der Seinigen beim König zu halten", der Brauch in Frankreich sei nicht wie der in Italien, „hier bei uns erscheint das Halten eines ständigen Gesandten als Sache des Mißtrauens und nicht der Freundschaft; bei euch ist es das Gegenteil". Wenn sich aber etwas ereigne, solle er jemand schicken, „und sie sollten gehen und kommen und nicht ständig bleiben".

So viel  zu dem genannten Herzog Franzesco Sforza  in Mailand und seinem privaten Kurierdienst, wohin auch immer!!

 

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