Der Spielkartenstempel aus dem Fürstentum Würzburg von 1806


 

Diese Spielkarten- Stempelsteuer wurde im Hochstift Würzburg und Bamberg am 15. Jänner 1768 eingeführt und war die einzigste Stempelsteuer in diesem Land bis zur endgültigen Säkularisierung und Übernahme durch das Churfürstentum Bayern 1803.  

So schrieb Schöpf 1802 noch in seiner „Historisch-Statistischen Beschreibung des Hochstifts Würzburg“ und hatte dabei auch die Einwohner gepriesen: 
„Das Stempelpapier, womit einige Reichsritter in Franken ihre einige Dutzend Untertanen zu plagen wussten, kennen sie nur dem Namen nach! 

Im Jahr 1803 wurde das bayrische Stempelpapier für Würzburg und alle anderen fränkische Lande, die auch an Bayern gefallen waren, eingeführt,  und in Bayern gab es auch den Spielkartenstempel!

Der Churfürst von Salzburg, seine Königliche Hoheit Erzherzog Ferdinand, vormals Großherzog in Toscana, bekam im Frieden von Preßburg am 26. Dezember 1805 das Fürstentum Würzburg vom Churfürstentum Bayern übereignet. Bayern erhielt dafür im Tausch Tirol, Brixen und Trient zugesprochen.  

Ferdinands Bruder der Römische Kaiser Franz II. nahm in seiner Abwesenheit am  11. Jänner 1806 dieses Land Würzburg förmlich für ihn in Besitz. 

Mit der allerersten Verordnung im Fürstentum Würzburg überhaupt, veränderte Ferdinand am 6. Februar 1806 die noch in Vollzug stehende bayerische Stempelpapier-Verordnung von 1803 und ordnete sofort an, neue Stempel zu schneiden. 

Ferdinand nannte sich nach der Übernahme von Würzburg 1806 noch immer Churfürst, da er diesen Titel auch zugesprochen bekommen hatte, obwohl die Hochstifts- bzw. Bistumszeiten für Würzburg und Bamberg längst passee waren, dafür hatte nach der Machtübernahme auch Bayern schon gesorgt! 
Alles Gold und Geschmeide und was sonst von Wert gewesen war, war schon längst an München übereignet und dort eingeschmolzen worden! Auch die kostbarsten Bibliotheken und Bilder waren längst nach München überführt oder sind auch anschließend öffentlich versteigert oder verramscht worden! 

Mit dem Beitritt zum Rheinbund und der schonmal vorab Ernennung zum Großherzog am 30. September 1806, also nun Großherzogtum Würzburg, musste  Ferdinand schon wieder neue Stempel schneiden lassen, stimmte doch nun der Fürstenhut, der das Hoheitswappen zierte, gar nicht mehr.

Es wurde neue Gebührenstempel für das gesamte gestempelte Papier gefertigt, also Stempel mit einer Großherzogskrone, dem neuen Zeichen der Standeserhöhung.
 

 
 



Hier ein 2 Kreuzer Gebührenstempel vom gestempelten Papier
mit dem Würzburger/Fränkischen Wappenschild und einem Herzschild, dem österr. Bindenschild. 
Ein Fürstenhut ist dem Wappen aufgesetzt! 

Also handelt es sich hierbei um einen Gebührenstempel vom Stempelpapier aus der ersten von Ferdinand in Auftrag gegebene Gebührenstempel- Serie vom 6. Februar 1806.

Demnach kann diese Karte also frühestens ab März 1806 
gestempelt worden sein!!

 

 



Auch dem österr. Bindenschild ist eine Fürstenkrone aufgesetzt!

Zum Beweis folgt hier ein Gebührenstempel von einem gültigen Stempelpapier aus dem Fürstentum Würzburg, das frühestens noch im Februar 1806 in Gebrauch gekommen ist!

Somit sind die von Martin Erler angegebenen Daten und Informationen über das Stempelpapier von Würzburg in seinem Handbuch über die Stempelpapiere von Bayern leider nicht richtig!


 

Und ich zeige hier weiterhin einen Gebührenstempel vom Stempelpapier auf, das im Großherzogtum Würzburg gebraucht worden war und frühestens im September 1806 im Gebrauch gekommen sein dürfte!

Das Wappenschild ist in beiden Gebührenstempeln gleich:

Feld 1 + 4 die Fränkischen Rechen
Feld 2 + 3 die Würzburger Reichskriegsfahne 




Zu sehen ist hier also das Würzburgisch/Fränkische Wappen mit einem Herzschild, dem Habsburgischen Bindenschild des Erzherzogs von Österreich, Ferdinand III. Johann Joseph, auch Großherzog von Toscana (geb. 6. Mai 1769, gest. 18. Juni 1824).

Der zweite Sohn des Großherzogs Leopold und Maria Luisens; Infantin von Spanien. Großherzog Ferdinand erhielt unter Leitung des Marchese Manfredini eine gediegene Erziehung, in welcher jedoch die militärische Ausbildung gänzlich vernachlässiget wurde. Als sein Vater Leopold nach dem Tode des Kaisers Joseph II. den Kaiserthron bestieg, folgte ihm sein Sohn am 2. Juli 1790 in der Regierung als Großherzog von Toscana nach. 
Beim Ausbruch des durch die französische Revolution hervorgerufenen Krieges der verbündeten Mächte gegen Frankreich hielt Ferdinand strengste Neutralität und nahm am 16. Jänner 1792 den Gesandten der französischen Republik La Flotte in seinem Staate auf. Erst die Drohungen Englands bewogen den Großherzog, um von seinem Volke großes Unheil abzuwenden, den französischen Gesandten aufzufordern, am 9. October 1793 Toscana zu verlassen; jedoch trotz des Einflusses, den England nunmehr in Toscana ausübte, gewährte der Großherzog den in seinem Lande ansässigen Franzosen jeden möglichen Schutz. 
Die Neutralität Toscanas ward wieder hergestellt, nachdem die französische Armee Piemont besetzt hatte und der toscanische Gesandte Graf Carletti am 21. März 1795 vom Nationalconvent in Paris auf das Wohlwollendste empfangen worden war. Aber es war dem Großherzog bald nicht mehr möglich, der immer mehr wachsenden Schwierigkeiten Herr zu bleiben. 
Die Engländer hatten die Flagge der Republik im toscanischen Hafen Livorno beschimpft, und der Großherzog war nicht im Stande, England zur Einhaltung der Neutralität zu Toscana zu zwingen. 
Bonaparte besetzte nun Livorno. Als bald darauf Napoleon selbst in Florenz erschien, wurde zwar die Neutralität Toscana´s im Februar 1796 wieder hergestellt, aber diese Schonung kostete Toscana nicht nur 2 Millionen, sondern auch viele herrliche Kunstwerke aus der berühmten großherzoglichen Sammlung, darunter die mediceische Venus. 
Kaum waren aber die Verhältnisse mit dem Auslande geordnet, so erschwerten die von französischer Seite hervorgerufenen und genährten Umtriebe im Lande dem Großherzog so sehr seine Lage, daß er die bisherige Politik, wodurch er sein Land vor allem Schaden zu bewahren vermeinte, aufgeben und Manfredini nach Wien schicken mußte, um von dort Verhaltensmaßregeln einzuholen. Daselbst wurde beschlossen, daß er die bisherige Politik äußerlich beizubehalten, jedoch alle Maßregeln dahin zu treffen habe, im rechten Augenblicke den Verbündeten hilfreiche Hand zu leisten. Den geheimen Verbindungen der Republik gelang es bald, den eigentlichen Stand der Dinge zu erforschen. Der erste Vorwand wurde benützt, Toscana der Krieg erklärt, und im März 1799 rückten die Franzosen in Florenz ein. Ferdinand, der vorher seine Unterthanen durch eine Proclamation zur Ruhe aufgefordert hatte, begab sich nach Wien, während die Franzosen im Lande in einer Weise hausten, daß sie alsbald der Gegenstand des Hasses der Bewohner wurden. 

Im Frieden von Luneville (1802) mußte Ferdinand auf Toscana Verzicht leisten, und erhielt als Entschädigung Salzburg, Berchtesgaden, Passau und Eichstädt, welche Gebietstheile er unter dem Namen eines Herzogs und Churfürsten nicht ganz drei Jahre regierte; denn im Preßburger Frieden (1805) mußte er diese Länder an Oesterreich und Bayern abtreten, wofür ihm das Bistum Würzburg und der Churfürstentitel zugesprochen wurde. Durch diese absichtliche Versetzung mitten zwischen die kleinen Staaten des westlichen Deutschlands, trennte ihn Napoleon von Oesterreich, an das ihn Bande des Blutes knüpften, und stellte ihn Bayern, das durch ihn seine Gebietstheile verloren hatte, feindlich gegenüber. Als nach Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation der Churfürstentitel seine Bedeutung verlor, erhielt Ferdinand an dessen Stelle den eines Großherzogs mit dem Beitritt am 16. September 1806 in den Rheinbund.

Ferdinand, der in allen diesen Verhältnissen im Einverständnisse mit seinem Bruder, dem Kaiser Franz vorgegangen sein mochte, fühlte sich in dieser Lage als Souverän eines Landes, das ihn nicht wollte und das er nicht kannte, wenig behaglich.
Im Jahre 1810 begab er sich nach Paris und wohnte als Einziger seines Hauses, der Vermählung Napoleon´s mit seiner Nichte Maria Louise bei. Bei dieser Gelegenheit schien ihm eine Änderung seiner Lage von Napoleon in Aussicht gestellt worden zu sein, und tatsächlich bezeichnete ihn Napoleon in einer 1812 an die Polen gerichteten Proclamation als ihren künftigen König. Welches von Europa heiß ersehnte Ende dieses Ein- und Absetzen der Könige und Fürsten, dieses Zuschneiden, Zusammensetzen und Auflösen von Königreichen und Fürstentümern endlich im Jahr 1814 nahm, ist bekannt. Durch den Pariser Frieden, 30. Mai 1814, erhielt Ferdinand Toscana wieder zurück. Nur mehr neun Jahre waren ihm vergönnt, das Land, das seine Rückkehr mit aufrichtigem Jubel begrüßt hatte, zu regieren. Aber diese Zeit ist für Toscana unvergeßlich. Wie im Jahre 1790, als er die Regierung antrat, war nun auf die Gerechtigkeitspflege, auf die Hebung der Finanzen, des Verkehres, auf Förderung der Wissenschaften und Künste sein Hauptaugenmerk gerichtet. Selbst aufgeklärt und duldsam, suchte er die Parteien zu versöhnen, handhabte auf das gelindeste, mehr von außen genöthiget als aus eigener Überzeugung, die Censur, und gewährte politisch Verfolgten, wenn sie sich ruhig verhielten, sichere Zuflucht. Während in allen andern Landen der italienischen Halbinsel die Revolutionen immer wieder ausbrachen, ja selbst in Spanien und Portugal der Bürgerkrieg wüthete, wurde in Toscana die Ruhe nicht einen Augenblick gestört, und man war in Europa einig, Toscana sei der bestregierte Staat Italiens, und in keinem anderen lasse es sich so frei, angenehm und sicher leben, als in demselben. Ferdinand genoss die Liebe seines Volkes im vollsten Maße, und als er im Alter von 55 Jahren, zu früh für die Wohlfahrt seines Volkes, demselben entrissen ward, beklagte Toscana in wirklicher Trauer den Tod des Vaters des Vaterlandes, das ihm eine leider zu kurze Epoche des Segens und ungetrübten Glückes zu danken hatte. So hinterließ Ferdinand seinem Nachfolger eine durch das herrliche Beispiel wirklicher Regentenweisheit gefestigte Regierung.


 

Quelle: 

- Handbuch über den Stempelpapier- Impost aus dem Habsburg/Toscanischen Fürstentum und Großherzogtum Würzburg, von Wolfgang Morscheck Bad Säckingen, 2003/2005

- Wikipedia, Würzburger Chronik, Würzburger Regierungsblatt ab 1806 – 1808,
Spielkarte aus Sigmar Radau/Matthes „Deutsche Spielkarten 1650 – 1900“
GNM Nürnberg 2001, S.56, Kat. Nr. 5,  

 


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