Der Taglii 4 Soldi per Lettera (Brief) aus Venedig war eine 
Zuschlagsmarke für die gesamte amtliche Post innerhalb des Staates Venedig.
 

Und das ist bei den  Philatelisten in aller Welt schon seit zig Jahren bekannt!

Nicht so in Deutschland -  und das nach 160 Jahren Forschungstätigkeit der postalischen Sammlergilde!

 




Francesco Milo Dacio I. 
von 1632


 



nur zum Aufsagen: 
Aussagen zu diesen Taglis / Lettersheets gab es auch  in Deutschland schon lange zuvor, 
wie z. B. hier im  „Sammler- Dienst, Coburg 2 / 1975“.


 

Von 1609 bis 1797 war es in die Republik von Venedig Pflicht, dass alle Notare, Schriftgelehrten, und öffentlich Bediensteten, die Briefe an Behörden zu versenden hatten, 4 Soldi pro Brief zu zahlen mußten. 

Diese Einnahmen wurden verwandt für das Amt für Wasseraufsicht, das die Gezeiten- Hochwässer zu kontrollieren hatte,  sowie auch die Kanäle und Brücken in Venedig instand hielt.  

Deshalb trugen diese vorgefertigten Blätter die Buchstaben AQ (Acque für  Wasser) zusammen mit dem Löwen von San Marco, dem Symbol von Venedig.  

Die Gebühr wurde eingezogen durch den Einsatz von nummerierten AQ "lettersheets" (tagli DELLI Soldi 4 pro lettera).  

Die lettersheets wurden privat gedruckt und verteilt von einem "daziere" oder einem Finanzbeamten.  

Die AQ Blätter konnten entweder als Umschläge verwendet werden, die den eigentlichen Brief, die eigentliche Post umschlossen, oder die Nachricht konnte direkt auf dem Vordruck geschrieben werden. 
Dieses Briefpapier ist wie bei den Schnörkelbriefen üblich, auch versiegelt worden. 

Zusätzlich zu den Buchstaben AQ und dem Löwen von San Marco gab es auf diesen lettersheets einen vorgedruckten Text. 

Dort wurden der Reihenfolge nach die  berühmtesten Leute im Ältestenrat und die Führungskräfte der Gewässerverwaltung mit dem Hinweis auf die erlassene Verordnung ihrer Exzellenzen,  Venedig, den 12. November 1608 genannt, sowie die Festlegung einer Gebühr von 4 Soldi pro Brief.
 

Weiterhin stand darin geschrieben, das jeder Leiter eines Staatsamtes verpflichtet ist, dieses zu kontrollieren und auf Verstöße zu reagieren. Er war dazu verpflichtet,  Maßnahmen zu ergreifen, damit in  Zukunft  jede Nachricht, egal welche es auch sei, ob auf der vorab gestempelten und nummerierten Seite, oder aber in der Briefumschlagsseite eingeschlagen, auch bezahlt würde.

Der Inhalt dieses aufgedruckten Textes erwähnt auch eine Geldbuße von 100 Ducati für das Nichtbezahlen dieser Gebühr. 


 
Die AQ lettersheets werden von vielen Philatelisten als die weltweit erste Post-und Ganzsache angesehen.  

Aber wiederum andere sehen diese AQ lettersheets als eine Art von Einnahmen (Steuer-) Papier- (Stempelpapier). 

Andere wiederum vertreten die Auffassung, die AQ lettersheets sind zu den  semi- Postdiensten zu rechnen, wegen der Verwendung dieser Einnahmen für den Hochwasserschutz.  

Und ich frage mich heute und das nach 160 Jahren Postalischer Forschungen in der ganzen Welt: Ja wat`n nun?

 

Im Laufe der annähernd 200 Jahre, in denen diese AQ lettersheets verwendet wurden, 
gab es viele Variationen mit den verschiedenen Namen der Einnahmen- Leiter, ihrer Gültigkeit, den Stempeln des Markus Löwen und auch mit  Variationen der Jahreszahlen und den weiteren Daten ihrer Gültigkeit. 

Diese AQ Schreibumschläge lassen sich in 10 Kategorien einteilen:  

I -  Die Erste vorläufige Ausgabe (mit dem Namen des "Dacier"), 1608-1617 

II - Die Zweite vorläufige Ausgabe (mit dem Namen des "Dacio"), 1617-1658 

III - Die Dritte vorläufige Ausgabe (mit Name des "Datio"), 1658 - 1668

IV - Die Vierte vorläufige Ausgabe (mit dem Name des "Dacio"), 1668-1676 

V - Regelmäßige Transport /Carrier Ausgaben (mit dem Namen des "Condutors / Schiffers / Treibers"), 1676-1691 

VI – Regelmäßige Regierungsfragen (der große Rat der Stadt Venedig, ("Serenissima Signoria"), 1685-1709

VII –  Mit den Aufdruck der Jahreszahlen, das sind festgelegte, vorher datierte Ausgaben mit festgelegten Laufzeiten, 1705-1717 

VIII – Mit den Aufdruck der vorher datierten Jahreszahlen und deren Abänderung in andere festgelegten Laufzeiten, 1718-1730 

IX – Mit den Aufdrucken nach Jahreszahlen fest datierte Ausgaben ohne „e“ nach AQ, 1730-1797 

X - Undatierte, also unbeschriftete leere Ausgaben (sog. blanko Sheets) , 1786-1797 


 

In Deutschland wird über all das

sowohl in der vom BDPh gesponserten Literatur, 
als auch in den 160 Jahren andauernden Forschungstätigkeiten der Philatelistischen Briefmarkenzunft  nur das Mäntelchen des Schweigens gehängt!


Daß die Lettersheets und die Stempelpapiere mit diesen überall in der Welt benutzten Gebührenstempeln keine Vorläufer der Briefmarken sind, das wird uns auch heute noch in den neuesten Ausgaben der schreibenden Zunft weiß gemacht! 

Das Motto "back to the roots" , das scheint in Deutschland immer noch nicht richtig angekommen zu sein!
 

Ich frage mich nur, wie lange möchten uns diese Vorstandsherren in den Philatelisischen Verbänden Deutschlands noch für dumm verkaufen?


Für mich war und ist sonnenklar:
diese Papiere sind nun einmal Schreibbögen / Briefbögen, 
die in der Republik Venedig für alle amtliche Post zu benutzen waren  
und die vorab staatlich gestempelt wurden, nämlich mit den Buchstaben AQ, dem Markus- Löwen,
sowie einer laufenden Nummer, um die Sendung zurückverfolgen zu können;
schließlich
waren sie noch mit dem Aufklärungstext zu dieser Briefsteuer versehen.

Auf den vorab zu leistenden Zuschlag von 4 Soldi per Lettera (Brief), bevor dieser auf die Reise gehen durfte,  wurde in dem Vordrucktext nochmals ausdrücklich hingewiesen. 
Am Ende war das Jahr dieser staatlichen Verordnung, nämlich "1608" vermerkt. 

(Alles schon mal da gewesen, wollte ich meinen, denn sicher ist dieses ein Vorläufer der postalischen Briefsteuer in Sardinien mit den Cavallinis, die in der Philatelistischen Welt als erste Briefsteuer und erste Ganzsache verkauft werden!)


 
Auch frage ich mich, was sind dagegen die Mulreadies -Umschläge?
Doch eigentlich nur oller, aufgewärmter Kaffee, da gab es 1839 / 1840 eigentlich wirklich nix Neues für uns Fiskalphilatelisten zu entdecken! 
Und ne Vorrausbezahlung für ne staatlichen Leistung durch einen Gebührenstempel, auch das war nun wirklich nix Neues in der Welt der Fiskalpilatelie!

Wie bereits vielfach von mir auf meiner Website reklamiert, 
die Philatelie beginnt ja bei diesen Verbandsherren erst mit der ersten Briefmarke 1840!

Traurig ist auch, dass Briefmarken- Auktionshäuser diese philatelistische Schätze nicht einmal namentlich kennen bzw. richtig zuordnen können;
woher auch, drehte sich doch alles seit 1918 bei denen nur um die gezackten Gebührenzettel.

Und noch  vor  7 Jahren hatten diese selbst ernannten Berufsphilatelisten in Deutschland auf meine Nachfrage zu diesem Thema , nach Stempelmarken, Fiskalmarken, Steuermarken und Gebührenmarken, nur ein Schulterzucken übrig!  

Wie sich doch die Zeiten ändern!

 


Gez. Wolfgang Morscheck Baden

 

 

PS: eine vollkommene Übersetzung des Artikels zur Taglii habe ich bei einem Kenner und Leser (ital. Historiker) dieser Altitalienischen Schrift in Auftrag gegeben, was an der Grundaussage aber nichts ändert: 
Es handelt sich um einen Zuschlag für jeden amtlichen Brief innerhalb Venedigs, also eine Zuschlagsmarke (mit Markierung durch den Markusstempel, mit AQe und einer lfd. Nummer),  Punkt!


 

 

Quelle: Dal Gians Tagli, Sammlerdienst Coburg 2 / 1975;
Dokument: Gunter Wagner 

www.stempelpapier.de