Auch ein weiteres Gebiet der Fiskalphilatelie darf auf meiner Website  nicht unerwähnt bleiben:

Der Chaussee-, Wege-, Pflaster- und Brückengeld- Impost 
im Römischen Reich Deutscher Nation 
- auch eine indirekte Steuereinnahme und
ein gestempeltes Papier!

 

Bisher wurde und wird dieses  sogenannte „Borderline Material“ (??) in postalischen Ausstellungen aufgezeigt und von den BDPh Prüfern auch nicht beanstandet! 
So gehen in postgeschichtliche Sammlungen immer wieder unbemerkt Steuerbelege ein! 
Mit Post haben diese Scheine allerdings nichts zu tun, mit Fiskal- Philatelie aber schon!


 

 

Geschichtliches zu diesen Steuer- Einnahmen:

Den Kommunen oblag es von jeher, die zu jeder Gemeinheit gehörende Wege instand zusetzten. 
Ursprünglich wurden zu diesen Wegen auch die Verbindungsstrassen von Ort zu Ort gerechnet. 
Da sich aber in den ewig wiederkehrenden Kriegen durch die das Land durchziehenden Söldnerschlangen gewisse Hauptwege herausgebildet hatten, die dann durch Kaufmannswagen und seit Bestehen der ordentlichen Posten auch durch Postwagen regelmäßig benutzt wurden, richteten die regierenden Fürsten ihr Augenmerk darauf, dass gerade diese Strassen stets in Ordnung gehalten wurden. 
Es kam aber häufig vor, dass gewisse Ortschaften ihren Verpflichtungen zur Instandhaltung nicht gebührend nachkamen und dann durch die Obrigkeit besonders dazu angehalten werden mussten. Für manche Gemeinde lag darin aber eine gewisse Härte, da sie selbst durch die Kriegsfurien oft so verwüstet waren, dass sie die Lasten für die Wiederinstandsetzung des Ortes selbst nicht aufbringen konnten. Durch die Berücksichtigung dieser Umstände übernahm dann schließlich der Staat die Verwaltung und Instandhaltung der Hauptstrassen und Brücken und es bildete sich der Begriff „Staatsstrassen“ heraus. 

Diese grossen Verkehrsstrassen mit ihren Flussübergängen standen jedermann zur Benutzung frei, doch hatten die Benutzer der „öffentlichen Strassen und Brücken“, wie sie in den Verordnungen genannt wurden, die Verpflichtung, stets Platz zu machen, wenn Truppen oder Kuriere oder hochherrschaftliche Gefährte, die Armee und auch Postwagen sich auf diesen Strassen bewegten. Die Postillione mussten, um sich schon weither vernehmlich
zu machen ihr bekanntes Posthorn  blasen. Der im Laufe der Zeit immer mehr zunehmende Verkehr auf den Strassen und Brücken und die dadurch natürlich eintretende grössere Abnutzung derselben, brachte auch eine mehr und mehr ansteigende Kostenlast für die Herrschaft, den Staat mit sich.  

Bei Unwettern gab es nicht nur  sogenannte Schlaglöcher, es kam auch vor, dass in manchen Gegenden ganze Teile der Strassenoberfläche fortgeschwemmt wurden. Dann blieb nur übrig, die Strassen besser als vorher zu befestigen und es begann die sogenannte Chaussierung. 
Bei dieser reichten die auf den Feldern aufgesammelten Feldsteine oft nicht aus und es musste Strassenbaumaterial oft weither angefahren werden. Dieser planmässige Chausseebau wurde in einer Verordnung festgeschrieben und ein bestellter Wegmeister nahm sich z.B. in Preussen dieser Aufgabe an. Seit dieser Zeit nannten sich die Hauptstrassen soweit sie außerhalb der Ortschaften lagen, Chausseen.

Um diese Last der Öffentlichkeit finanzieren zu können, ist das Chausseegeld / Wegegeld (Pflastergeld) für die Benutzer erlassen worden. Bei öffentlichen Brücken, das Brückengeld! 
Also eine Maut für die Benutzung der Strassen, wie heute auch wieder aktuell bei uns eingeführt!

Es ist dies eine indirekte Steuer und zählt zu den Stempelsteuern, da diese Fiskalbelege der Herrschaft oder eines Staates, bzw. seiner Kommunen meistens vorab mit Hoheitsinsignien und der zu bezahlenden Summe Geldes gestempelt wurden. 
Aus einem Bogen gestempeltes Papier ist dann vom staatlich bestellten Chausseekontrolleur ein Teilstück herausgeschnitten und nach dem Bezahlen sogleich ausgefüllt worden! Ohne dessen schriftliches Signum und auch nur mit dem Datum, der Hebestelle etc. ausgestellt, galt dieser Schein nichts! 
Alle Chaussee-, Pflaster-, Wege- und Brückengeld- Abschnitte mussten bis zur nächsten Kontrollstation immer aufbewahrt werden um die ordnungsgemäße Bezahlung an der vorhergehenden Kontrollstation nachzuweisen. Ohne diesen Beleg war eine rechtswidrige Benutzung angezeigt und zog schwere Strafen nach sich, ganz so, wie es heutige Mautpreller auch oft noch zu spüren bekommen!

 

Ein kompletter Druckbogen der Fürstlich Schwarzburgischen 
Chausseegelder Einnahme um 1910





 

Ein kompletter Bogen gestempeltes Papier
aus der Stadt Tübingen über das zu zahlende Brückengeld um 1800





 

Auch die Postwagen und Postfuhren wurden zur Besteuerung herangezogen, die hatten oft übers Jahr freie Fahrt, aber am Ende vom Jahr ist dann doch auch abgerechnet worden. Die  Postbücher mussten dem Fiskus vorgelegt  werden und wurden von der Herrschaft oder vom Staat einer Prüfung unterzogen und waren hier sogar der Stempelsteuer unterlegen. Es war dies eine sogenannte Steuerprüfung, die mit dem Einreichen auf Stempelpapier, der Stempelung des Rechnungs- bzw. Kassenbuches der Post erst abgeschlossen war! 

Vielleicht weiß ja ein Postgeschichtler etwas mit dem sog. „Paraphenstempel“ anzufangen, eine Stempelsteuer!


 

 

Braunschweiger Brückengeld um 1800





 

Aschaffenburger Brückengeld um 1800



  

Städtisches Brücken und Pflastergeld aus Seelbach 1828



 



Mannheimer Brückengeld Zeichen für das linke Rheinufer um 1820,


und für das rechte Rheinufer!


  


Brückengeldscheine aus dem Herzogtum Zweibrücken
Diese Stempel sind identisch mit denen vom Stempelpapier, nur kleiner!




um 1780

 



 



  

Brückengeld Scheine aus Hanau schon vorgestempelt
mit Datum und dem Namen des Einnehmers, hier Brenzel



 



Ort der Einnahme die Kinzigbrücke


 





 
 Brückenzollscheine aus Kronach mit farbigen Stempelabschlägen um 1840 herum


 

 


Pflaster- und Brückengeld aus der Stadt Pforzheim 
um 1800 bzw. 1830 herum 




 

  

Pflaster- Weeg- und Brückenzoll Scheine aus der Stadt Bischofsheim um 1790



 



 

Elb- Brückenzoll der Stadt Dresden 1795


 



Chaussee und Brückengeld aus Kloster von 1840




 

Brückenzoll für die Stadt Offenburg 1813



 


Chaussee- und Brückengeld aus Eisenach 1851

    

 



Weeg- Geld aus der Hochfürstlich- Speyerisch Stadt Bruchsal um 1805



 

Hoheitliche Chausseegeld Scheine aus dem Kurfürstentum Hessen um 1830,
wieder von der Kinzigbrücke und ein Brenzel ist immer noch der Einnehmer!


 

Chausseegeld Nr. 215 aus Sachsen ZEHRENTOM STR. 
mit Entwerter Datums Stempel 9.5.



  

 



Seltener aufzufinden als so manch seltenste Briefmarke! 
Ein Pflastergeldschein aus der Herrschaft Wiesenheid bei Nürnberg!!



 

 



Chausseegeld Scheine aus dem Fürstentum Schwarzburg Rudolstadt, 
entwertet mit blauer Stempelfarbe 24. Sept. 1811




 

Chausseegeld aus Kurmainz, 
also hier ist es eine staatliches Einnahme um 1790 herum



 


Chausseegeld aus der Stadt Speyer



 



Gernsbacher Weg- und Pflastergeld von 1837



 


Althanauer Weg- Geld zahlt……1818 und 1824



 


  

Salzwedeler Chaussee Geld 



 



 

Großherzoglich Badisches Weggeld, 
also eine hoheitliche Einnahme der indirekten Steuer



 



Zahlt 8 Kreuzer Pflastergeld Stadt Karlsruhe um 1800




 



Markgräfliches Chaussee- Geld - Zeichen aus 1808



 



Mit Prägestempel das Großherzoglich- Badisches Chaussee- Geld 1810



 

 



Weggeld zu Durlach 1808





 
1812



 

1813



 



Zweimal ein Viertels Kreuzer bezahlte Chaussee- Geld Zeichen 
aus der Markgrafschaft Baden 1808



  

1808



 



Hochfürstliches Hohenlohe Bartensteinisches Chaussee- Geld 1809



 

Hohenlohe Bartensteinisches Chaussee- Geld aber in Pfedelbach 1809



 

Churpfälzer Chaussee- Geld



 



Drei Sasbacher Weeg- Geld Zeichen 1808





 

Hagsfelder Weg- Geld- Zeichen



  

Auch seltener als so manche - als selten angepriesene - Briefmarke aufzufinden!
Waaggeld statt Chaussee- bzw. Pflastergeld für das ehemalige Gebiet des Bistum Straßburgs im Jahre 1813, im Ort Oberkirch. Hier wurde das Gewicht des Wagens für die Benutzung der Strasse zugrunde gelegt, das Gewicht in Stein.
Ein Stein = 10 Pfund = 5 Französische Kilogramm



 

 Churpfälzer Chaussee- Geld im Oberamt Lautern



  


4er Streifen an Großherzoglich Würzburger Chaussee- Geld @ 4 Kreuzer 



 

 


Heidelsheimer Weegzeichen um 1800



 

 


Kurhessisches Chaussee- Geld auf der Kinzigbrücke 1818






 

Stadt- Pflasterzoll Teuschnitz 1837



 

 



Brandenburg- Onolzbacher Zoll bezahlt 1729, 
aber damit auch frei vom gewöhnlichen Pflaster, Brücken und Weg- Zoll!



 



Preussische Weggeld - Scheine



 

 



 

Weeg- Geld Lauffen 1759



 



Sächsisches Wegegeld








 

Seltener als so manche der zu bezeichnenden Briefmarkenraritäten!
Der Weegzoll aus CRUCIS 1796



 


Braunschweigisches Weggeld um 1800



 

Braunschweigisches Chaussee Geld , Einnehmer Pinne 1833



 

Stadt Lauterner Weggeld aus 1789



 



 

Wegzoll der fränkischen Stadt Laudam 1799



 



Königlich Hannoversches Chaussee- Geld. 
Alle drei folgenden Scheine sind am gleichen Tag = 2. Juni 1842
benutzt und an den Barrieren 1, 2, und 3 bezahlt worden
und das dann bei verschiedenen Chausseegeld- Einnehmern



1.

Diese Scheine waren alle auf einer Fuhrmannrechnung
mit Kleie aufgeklebt!




2.




3.

 

 

von 1844 



 

von 1846



 

Königliches Weggeld aus Celle für die Burgvogtei



 


Einnehmer Stackemann 1861



 

 

 

Ich könnte hier sicher noch hunderte von indirekten Steuerscheinen einstellen, 
dass würde aber die Website sprengen!



www.stempelpapier.de