DIE BEDEUTUNG DER STEMPELMARKEN IN DER PHILATELIE


Markensammeln ist weitgehend eine Angelegenheit der persönlichen Liebhaberei, die ihrerseits, so glaube ich, sehr durch die verfügbare Information beeinflusst wird, bevor wir anfangen zu sammeln. 
Unsere eigenen Sammelwünsche ändern sich und werden von unserer eigenen Vermögenssituation bestimmt. 
Wir wollen uns daran erinnern, daß die Wahl bei uns liegt, und daß wir das sammeln sollten, war wir selbst wünschen.

Auch Konvention und Mode spielen eine Rolle. Vor dem letzten Weltkrieg haben die meisten führenden Persönlichkeiten in der Philatelie die Stempelmarken, wie auch die Motivsammlungen und sogar die heute gesammelte Postgeschichte abgelehnt. 
Um die Jahrhundertwende (20. Jhdt.)und besonders davor in den 80er und 90er Jahren, hat man dagegen Stempelmarken eifrig gesammelt und sie wurden von den führenden Philatelisten dieser Zeit ebenso hoch eingeschätzt, wie die Briefmarken.

Ihre Überlegungen waren logisch. Warum? Briefmarken und Stempelmarken sind gleicherweise Fiskalmarken! 
Für die Dienstleistung einer bestimmten staatlichen Institution haben wir an des Fiskus derselben eine Gebühr zu entrichten. 
Für die Beförderung unserer Briefe, Postkarten und Zeitungen, für Telefon und Telegrammdienste ist bei der Post zu bezahlen, zum Teil über Marken. 
Für Gerichtskosten müssen wir an die Gerichtskasse bezahlen. 
Zwischen beiden Kassen zu unterscheiden ist rein willkürlich, denn der Fiskus der Post, wie auch der Fiskus der Justiz erheben ihre Gebühren für den Staat.

Wenn Marken, die vom Postamt ausgegeben wurden aufgrund willkürlicher Unterscheidungen nicht als Postmarken betrachtet werden, dann wird solche Logik fragwürdig. 

Marken, die ausschließlich für Telefongebühren, Paket- oder Telegrammdienste Verwendung finden, werden sogar heute noch durch die engstirnige Definition von Briefmarken als nicht zugehörig betrachtet.

Um solche Logik zu analysieren, seinen die Worte des großen Philatelisten Robson Lowe zitiert  
"wie es von Anfang an war".

1) Die philatelistischen "Edelsteine" vieler heutiger Historiker der Postgeschichte sind Briefe aus dem 16. und 17. Jahrhundert, insbesondere, wenn sie vorphilatelistische Merkmale tragen. Die Post wurde im österreichischen Kaiserreich des 15. und 16. Jahrhunderts durch Kuriere der Kirche besorgt - es gab keine Postämter - und die Briefe tragen zuweilen "nichtpostalische"  Vermerke für die Beförderung.

2) Die ersten aufklebbaren Stempelmarken wurden gegen Ende des 17. Jahrhunderts ausgegeben und das British Inland Revenue Department (das Schatzamt, das für alle Marken aller Art zuständig war), sah in den Briefmarken des Jahres 1840 die Produktion ihrer 500. Fiskalausgabe.

3) Es gibt im 19. Jahrhundert viele Stempelmarkenausgaben, die gleichzeitig als Briefmarken verwendet wurden. 

Beispiele:

a) Im australischen Staat Victoria dienten von 1884 bis Januar 1901 alle Marken gleichzeitig für Briefporto oder sonstige fiskalische Zwecke. Sie trugen die Inschrift "Stamp Duty", und sie wurden auf internationalen Ausstellungen als Briefmarken gezeigt, auch wenn nicht ersichtlich war, ob sie für postalische oder sonstige fiskalische Zwecke verwendet wurden.

b) In Jamaica waren durch das Gesetz von 1887 die Briefmarken auch für die Vorauszahlung von Fiskalabgaben gültig, und von dieser Zeit an dienten alle Briefmarken von Jamaica für viele Jahre postalischen wie auch fiskalischen Zwecken.

c) In Ungarn konnten Stempelmarken vom 1. Nov. 1854 bis 9. Juli 1957 als Briefmarken verwendet werden.

d) In Bayern z.B.  waren Fiskalmarken auf Briefen ebenso erlaubt, wie umgekehrt Briefmarken als Fiskalersatz dienen konnten.

Das steigende Interesse an thematischer Philatelie (nach dem letzten Weltkrieg) brachte es unausweichlich mit sich, daß das Bild, und nicht der Brief, die Drucktype oder die Papierstärke, oder die Beförderungsart maßgeblich wurde - und wir haben diese Art des Sammelns wohlwollend und gerne akzeptiert.
Die FIP hat dafür eine eigene Klasse, und das ist recht so. Wenn wir die Maxime "wir sammeln, was wir lieben" akzeptieren, so hat dies Sinn!

 

Das Sammeln von Briefmarken zeigt im Jahr 1986 zwei Hauptkategorien:

1) Moderne ,Marken, die von den Postämtern einiger Länder für rein kommerzielle philatelistische Zwecke verkauft wurden (oft als "Ersttagsbriefe"), und die schon bald nach der Ausgabe unter Nennwert käuflich sind, und

2) klassische oder spezielle Briefmarken, von denen etliche nur für jene Sammler erreichbar sind, die außerordentliche Mittel aufwenden können. 
Stempelmarken sind zumindest echte Ausgaben für die Begleichung einer Dienstleistung, und sie sind mit ihren seltenen Stücken genau so selten, wenn nicht seltener als die gesuchten Briefmarken.

 

 

STEMPELMARKEN UND PHILATELIE

In den letzten Jahren war oft zu hören, daß Philatelie nur das Sammeln von Briefmarken betrifft, möglichenfalls noch unter Einbeziehung franco-gestempelter Briefe vor Einführung der Marken.

So um 1900 hörte sich das noch anders an, und auch heute noch wird der Begriff Philatelie, zum Beispiel in England und in den USA, viel weiter gefasst, wo die Stempelmarken und sogar die Weihnachssiegelmarken mit im Briefmarkenkatalog sind.

Fragen wir uns zunächst, was der Begriff Philatelie, um den es geht, eigentlich besagt.

Das Wort kommt aus dem Griechischen, ist aber nicht alt, sondern wohl erst nach 1850 entstanden. Es diene hier die Erläuterung aus dem Werk von Suppantschitsch: Grundzüge der Briefmarkenkunde und des Briefmarkensammelns, aus dem Jahre 1908 (J.J. Weber, Leipzig):

"Das Wort besteht aus dem viel verwendeten Namen Phil = Freund, aus dem Alpha Privativum, welches deutsch die Bedeutung von bar, frei, los hat, und dem Worte Telos. Unter Telos versteht man in diesem Falle die verschiedenen Abgaben, Steuern, Gebühren usw., somit heißt Philatelie die Befreundung mit dem was abgaben-, steuer- oder gebührenfrei macht."

Es handelt sich also in erster Linie und ganz generell um staatliche (bedingt auch private) Wertzeichen, sowohl postalischer, wie auch allgemein fiskalischer Natur. Die frühen Kataloge, wie der Moens, zeigen deutlich, daß seinerzeit die Sammler sich gleichzeitig für Brief ­und Stempelmarken interessierten. In einigen Ländern lassen sich diese Marken für bestimmte Zeiträume nur bedingt unterscheiden. So sind ein Großteil der englischen Ausgaben "postage and revenue". Auch in anderen Ländern sind Überschneidungen bzw. wechselweise Verwendung nicht selten.

Auch ist die willkürliche Begrenzung der Philatelie auf nur von der Post ausgegebene Briefmarken und deren Vorläufer im Grunde nicht logisch, denn auch in Deutschland, das als eine der Hochburgen des Postmonopolgedanken angesehen wird, gibt es amtliche Marken, die mit der Briefbeförderung zusammenhängen, aber nicht von der Post ausgegeben wurden, und es gibt postalische Marken, die mit Briefen nichts zu tun haben.

Daß es zuweilen Notverwendungen, zum Beispiel von Einkommensteuermarken als Briefmarken gegeben hat, ist wohl vielen Sammlern bekannt. Offensichtlich nur wenige würdigen die Tatsache, daß die deutschen Eisenbahnen und ihre Nachfolger, die Bundesbahn, eigene Postbeförderungsrechte haben, die nicht nur in den Ruhr-Schnellbriefen, sondern auch anderweitig, zum Beispiel in den Portokontrollmarken, belegt sind. Noch weniger wird beachtet, daß die Justizbehörden eigene Portoersatzmarken haben, die zeitweise sogar den Portostufen von 6, 8 und 12 Pfennigen entsprachen. Es gibt heute in Deutschland sogar noch Zeitungspaketmarken!

Nicht ganz logisch ist auch, daß zwar nun die deutschen Telegraphenmarken als Philatelie anerkannt werden, aber die von der Post verwendeten Rundfunkgebührenmarken (Generalgouvernement und auch Böhmen-Mähren), sowie die Sicherheitsmarken der Post ausgeklammert werden.

Zum Thema Postmarken wäre noch zu sagen, daß lange Zeit auch die allgemeinen Stempelmarken über die Postämter ausgegeben wurden, wie in anderen Ländern heute auch noch.

Die oft so verächtlich als "Fiskalisch" bezeichneten Stempelmarken, die heute meist als Fiskalmarken bezeichneten Ausgaben, sind im Grunde genau so A-Telos, wie Briefmarken. Sie sind genau so sammelwürdig, ja vielleicht sogar mehr als diese, denn mit ihnen wird nicht so viel fragwürdige Mache betrieben, wie heutzutage von ganzen Gruppen, die nur die Sammler schröpfen - staatliche Instanzen nicht ausgeschlossen.

In den letzten Jahrzehnten haben sich neue Sammelgebiete durchgesetzt. Besonders erwähnt seien hier Motiv- und Heimatsammlungen. Kann man wirklich eine Sammlung für einen heimatlichen Ortsbereich als umfassend bezeichnen, wenn die von der betreffenden Gemeinde ausgegebenen Marken, die oft auch Bilder des Ortes zeigen, fehlen? Wie steht es mit den Motiven, die gerade auf den frühen Stempelmarken zu finden sind? Gehören die nicht in eine Motivsammlung im Bereich der Philatelie?

Der heute vornehmlich für Fiskalmarken nicht - oder nur teilpostalischer Verwendung gebrauchte Begriff Stempelmarke, kommt wohl vom Übergang von den ursprünglichen Stempelpapieren auf aufklebbare Marken. Historisch ist zu erwähnen, daß die Landesherren zur „besseren Kontrolle ihrer Gebühreneinnahmen in Deutschland mit einem Wertstempel versehene Kanzleibogen einführten. Alle Petitionen, Gerichtsakte usw. mußten auf solchen Bogen geführt werden. Mit zunehmender Komplizierung der Abgaben wurden dann im vorigen Jahrhundert (in Württemberg ab 1808?) diese Wertstempel in aufklebbare Marken (Zeichen) umgewandelt.

 
Als Marken sind also die Stempelmarken wesentlich älter als die Briefmarken (in England schon ab Ende des 17. Jahrhunderts). Heute wird in der Philatelie die geschichtliche Kenntnis hoch bewertet, was bei den Briefmarken meist leicht erringbar ist.  

Wie steht es aber bei den Stempelmarken, deren Vorläufer bis in das 17. Jahrhundert reichen?
Nur wenige Sammler ermessen, was es heißt, die Vorläufer der Stempelmarken, die Stempel- oder Siegelpapiere, zu erforschen. 
Wo im postalischen Bereich schon sehr früh Konzentrationen und Monopole herrschend werden, blieb es im Fiskalbereich weithin bei der Aufsplitterung in Hunderte von Herrschaften. 


Fast jedes deutsche Herrscherhaus gab seine eigenen Stempelpapiere oder Stempelmarken heraus, auch noch zu einer Zeit, als längst alle Eigenbrödelei bei den Briefmarken zugunsten reichseinheitlicher Ausgaben weichen mußte.

So mancher kritische Philatelist sollte sich dies einmal vor Augen führen. 

Die "Fiskalisten", die Stempelmarkensammler, sind sicherlich keine Randerscheinung der Philatelie! 

Mit ihrer Forschung können sie wertvolle geschichtliche und generell philatelistische Beiträge erbringen. 

 
Es ist Zeit zu einer neuen Besinnung für eine Rückkehr zu den Quellen des A-Telos!

 


 

Schon damals ... 

Auszug aus dem Illustrierten Briefmarken- Journal 1875, 
No. 20 vom 1. August, Seiten 63 und 64.

 



 

 

 

Quelle: Kompletter Auszug aus einem Rundbrief der ARGE Fiskalphilatelie Deutschland unter dem Vorsitzenden Martin Erler Icking

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