Fälschungsverhütung:  
Über Sicherheitspapiere und Sicherheitstinten

 

Fälschungsverhütung war in der Philatelie immer ein Thema, 
auch damals schon, als es noch gar keine Briefmarken gab!


Ein spannendes - und bis zum heutigen Tage ein aktuelles Thema 
aus dem Gebiet der Fiskal-Philatelie, das ich Ihnen auf keinen Fall vorenthalten möchte!


Gerichtliche Chemie / Über Sicherheitspapiere und Sicherheitstinten


Auszug eines Berichtes an die Pariser Akademie der Wissenschaften
(Ann. d. chim, Janv. 1837. / Journ. f. prakt. Chemie. XI. 4.)

über die Papiere, durch welche das Wegwaschen der Schrift von gebrauchten Stempelpapieren, um sie wieder zu verkaufen, so wie die Verfälschung von öffentlichen und Privatacten 
verhütet werden soll. 
(Commissarien: Gay-Lussac, Dulong, Deyeux, The´nard, d'Arcet, Chevreul, Robiquet; Dumas, Berichtererstatter) 


 
Eine Commission, aus Mitgliedern der Akademie bestehend, sich seit einigen Jahren auf Veranlassung der französischen Regierung mit einer Untersuchung beschäftigt über die Mittel, die Verfälschung öffentlicher und Privatacten zu verhüten; zu gleicher Zeit hat sie mit Sorgfalt die Mittel studiert, durch welche die Regierung dem Bleichen gebrauchter Stempelpapiere entgegenwirken könnte, da diese Industrie, wie man weiß, ziemlich im Grossen getrieben wird, und man dadurch, zum großen Nachtheile der Staatscasse, Stempelpapiere, die auf diese Art mehrere Male gebraucht werden, zu niedrigem Preise in Handel bringen kann.

Um die Verfälschung von Schriften zu verhüten, hatte die Commission die Anwendung einer unzerstörbaren Tinte, durch Einrühren von chinesischer Tusche in mit Salzsäure angerührtem Wasser bereitet, vorgeschlagen. 

Um das Bleichen gebrauchter Stempelpapiere zu verhüten hatte sie gerathen, die Papiere mit einer auf der Guillochirmaschine gravirten Vignette zu versehen, die mit einer zerstörbaren Tinte aus gewöhnlicher aber auf angemessene Weise verdickter Schreibtinte gedruckt werden sollte. 

(Guillochieren ist ein spanabhebendes Verfahren, das heutzutage ein Nischendasein führt. Der aus dem Französischen stammende Begriff bedeutet soviel wie verschlungene Linienzeichnung. 
Ausgebildete Graveure verzieren mit Guillochiermaschinen Zifferblätter und Hülsen von Schreibgeräten mit linienförmigen Ornamenten.)

Angestellte Versuche haben die Zweckmäßigkeit dieser Vorschläge bewiesen.  

Die mit der unzerstörbaren Tinte geschriebene Schrift widerstand nicht nur allen Versuchen der Fälschung, welche von Personen angestellt wurden, die ein Interesse dabei hatten, andere Sicherheitsmaßregeln zu empfehlen, sondern die Tinte hatte auch im Verlaufe von sechs Jahren nicht die geringste nachtheilige Wirkung auf die Papiere ausgeübt. 

Die zerstörbaren Vignetten auf gewöhnliches Papier gedruckt wurden vollkommen durch die Mittel ausgelöscht, durch welche man gewöhnliche Schrift zerstören kann. Sie waren mit verdicktem Tintensatz gedruckt, wie es die Akademie vorgeschlagen hatte. 
Es blieben nun nur noch einige technische Schwierigkeiten zu überwinden übrig. 

So standen die Sachen, als eine neue Anregung des Gegenstandes von Seiten der Regierung erfolgte.

Man verlangt vorzüglich das Urtheil der Akademie über die Versuche zu hören, welche die Direction de l'enregistrement et des domaines angestellt hatte, und zu wissen, ob die Papiere, welche sie hatte fertigen lassen, das Bleichen gebrauchter Stempelpapiere und zugleich die Schrift-Fälschungen zu verhüten im Stande wären.
 
Die Akademie glaubt letztere Frage an die Spitze stellen zu müssen. Die Operation des Bleichens alter Stempelpapiere nämlich kann nur fabrikmäßig und mit wohlfeilen Mitteln betrieben werden, denn jeder Bogen macht einige Kosten, und wenn er gebleicht ist, muss er wohlfeiler verkauft werde als ein neuer. 
Eine geringe Schwierigkeit schon würde alsbald diesem Handel ein Ende machen. 

Anders ist es bei den Schriftfälschungen. Hier müssen große Hindernisse entgegengestellt werden, um die Geschicklichkeit derer zu vereiteln, die ein größeres Interesse leitet, und die auf ihr Verbrechen Zeit, Kosten und Mühe wenden können. 

§ 1. Untersuchung der von der Regierung vorgelegten Sicherheitspapiere.

Das  französische Stempelpapier hat drei Unterscheidungsmerkmale:

In der Mitte des Bogens das französische Wappen als Wasserzeichen, oben und rechts einen trockenen Stempel und einen Stempel mit Druckerschwärze. Diese Sicherungsmittel sind ganz trüglich. Jede mit gewöhnlicher Tinte auf solches Papier geschriebene Schrift lässt sich mit Leichtigkeit auslöschen, ohne eine Spur zu hinterlassen und ohne daß die drei Stempel die mindeste Veränderung erleiden. Wenn dagegen die Stempel zerstörbar, d. h. mit einer der gewöhnlichen Schreibtinte gleichen Schwärze gedruckt wären, oder wenn das Stempelpapier ganz mit einem mittelst gewöhnlicher Tinte gedruckten Muster bedeckt wäre, so könnte man die Schrift nicht mehr ausbleichen, ohne das Muster selbst zu zerstören, und dann verlöre das Stempelpapier seine Eigenthümlichkeit.  

Statt also das Stempelpapier mit unzerstörbaren Stempeln zu bedrucken, muss man es im Gegentheil mit solchen versehen, die in gewissem Grade zerstörbar sind. 

Die Regierung, diess erkennend, suchte nunmehr die von der früheren Commission vorgeschlagenen Sicherungsmittel mit Anwendung von Formpapier zu vereinigen, und auf diese Weise entstand eine Reihe von Versuchen, welche der Finanzminister der Akademie vorlegte.  

Die Commission hatte vorgeschlagen, den gewöhnlichen Tintensatz zu verdicken, und diese Schwärze auf das zum Stempelpapier bestimmte Papier mit Hülfe einer auf der Guillochirmaschine gravirten Walze aufzudrucken. Dieses Papier mit einem trockenen Stempel versehen, würde die vollkommenste Sicherheit gewähren und das Bleichen unmöglich gemacht haben.

Allein die Stempeladministration hatte sich bis dahin nur des bogenweise mit der Hand fabricirten Papiers, des Formpapiers bedient, und sie stand an, das von der Akademie vorgeschlagene Mittel zu ergreifen, da dieses die Anwendung von Maschinenpapier unerlässlich machte. Sie suchte daher das Verfahren der Akademie auf Formpapier anwendbar zu machen, und da Kupfer- und Steindruck zu kostspielig erschienen, suchte sie das gewöhnliche typographische Verfahren zu benutzen. 

Die Akademie hatte sich bei ihren Vorschlägen dadurch bestimmen lassen, dass sich eine wässrige Farbe sehr leicht auf Papier ohne Ende mit Hülfe von Walzen aufdrucken lässt; indem aber die Administration das typographische Verfahren anzuwenden suchte, musste sie die vorgeschlagene Tinte modificiren. Versucht man nämlich mit erhabenen Charakteren eine wässrige Tinte aufzudrucken, so erhält man höchst mangelhafte Abdrücke. Da nun die Buchdrucker eine fette Schwärze anwenden, so suchte auch die Administration in der Verbindung eines fetten Körpers oder Firnisses das Mittel gegen jenen Uebelstand. Da aber die gewöhnliche Tinte mit einem Firniss zusammengerieben der Einwirkung des Chlors und anderer Agentien, welche sie zerstören, zu sehr widerstehen würde, so suchte man diesem Fehler durch Zusatz einer beträchtlichen Menge Kreide zu begegnen. 

Wir wollen diese aus Kreide, Tintensatz und Firniss bestehende Schwärze mit dem Namen zerstörbare Firnissschwärze bezeichnen. Chlor und die Säuren wirken auf sie wie auf gewöhnliche Tinte, und zerstören sie in gleicher Zeit wie gewöhnliche Schrift.  

Allein schon bei der ersten Prüfung der vorgelegten Proben, die mit einer typographisch aufgedruckten Vignette von dieser Schwärze bedeckt waren, zeigten sich die grossen Nachtheile, welche diese Methode mit sich führt. 
Was den Druck anbetrifft, so weiß man, dass erhabene Charaktere eine Vertiefung in das Papier eindrücken, welche die Schrift auch ohne Schwärze sichtbar macht; das Papier ist an den gepressten Stellen dichter und glätter.
Es ist klar, dass diese Pressung allen Agentien widersteht, welche die Tinte oder die zerstörbare Schwärze ans sehen, und dass sie dann dem Verfälscher ein Anhalten geben würde bei der Wiederherstellung der zerstörten Vignette. 
Die Akademie wird sich bei Prüfung der vorgelegten Proben überzeugen, dass nach sorgfältiger Wegnahme jeder von der Schwärze der Vignette mittelst Chlor, Säuren und Alkohol die Pressung noch hinreichend ist, um jede Linie der Zeichnung zu erkennen. Eine geschickte Hand würde ihr ursprüngliche Farbe wiedergeben können, indem sie mit der Feder den Zügen folgt, und diess würde besonders durch die Beschaffenheit der Zeichnung selbst sehr begünstigt werden, ein Umstand, auf den wir zurückkommen werden. 
Diese Arbeit würde allerdings für den Handel mit gebleichtem Stempelpapier zu theuer sein, aber die Anwesenheit von Firniss in der angewandten Schwärze hebt diese Schwierigkeit sofort.
Wir haben zuvörderst, um die Wirkungen der Pressungen zu beobachten, das Papier mit Chlor und Säuren behandelt, zur Entfernung der Tinte und der Kreide, dann mit Alkohol, um den Firniss wegzunehmen. Diese Behandlung mit Alkohol würde für den Fälscher überflüssig sein, und er würde sie nicht vornehmen, und dann jeden Zug der Zeichnung theils vermöge der Pressung, theils vermöge der gelben Färbung des Firnisses, theils endlich vermöge der Durchsichtigkeit} welche er dem Papiere mittheilt, wiedererkennen. 
Alle diese Umstände erklären, weshalb es uns sehr leicht gewesen ist, nachdem wir auf das uns übergebene Papier geschrieben hatten, die Schrift gänzlich zu zerstören, und dann die Vignette ganz oder theilweise wiederherzustellen. Solche Bogen wurden mit Schrift bedeckt, Personen von geübter Hand übergeben; sie zerstörten einzelne Worte, die wir ihnen bezeichnet hatten, stellten die dabei verletzten Theile der Vignette wieder her und gaben uns die Bogen in einem Zustande zurück, welcher erlaubte, die ausgelöschten Worte mit anderen beliebigen zu vertauschen. 
Proben liegen vor.
Man würde also auf diese Weise die theilweisen Fälschungen nicht hindern können. Die Fälschung würde blos etwas mehr Zeit und Geschicklichkeit erfordern. Es entsteht nun die Frage, ob die versuchte Methode das Bleichen der gebrauchten Stempelpapiere zu hindern vermöge? 

Das Bleichen des Stempelpapiers darf nur sehr wenig kosten, wenn das Geschäft rentiren soll. Die geringste zerstörbare Vignette würde ihm also ein Ende machen, sobald die Vignette mit der Hand wieder hergestellt werden müsste. Allein diess wird bei dem vorgelegten Papiere gar nicht nöthig sein. Denn da die Schwärze, welche die Regierung angewandt hat, einen Firniss enthält, so wird man die Vignette auf einen lithographischen Stein übertragen und sie so in unendlicher Zahl auf den gebleichten Bogen wieder hervorbringen können. Das Bleichen der Stempelpapiere würde dann blos etwas theurer werden. 

Es blieb nun noch die von der Administration gewählte Vignette zu prüfen übrig, freilich nicht als Kunstwerk, sondern in Bezug auf die Schwierigkeiten, welche sie den Fälschungen entgegenstellt. 

Diese Zeichnung war durch ein ziemlich complicirtes Verfahren erhalten, das aber wesentlich auf dem sogenannten Medaillendruck beruht. 

Diese Gravirung wird  durch eine Maschine hervorgebracht, welche auf der Kupferplatte parallele Linien zieht, die sich an den beleuchteten Stellen von einander entfernen, und sich einander nähern, um Schatten zu bilden, die aber ohne Unterbrechung von einem Rande der Platte zum andern fortlaufen. 

Man wollte in der Mitte jedes Bogens die sitzende Figur der Gerechtigkeit, ungefähr 9 Centimeter hoch und breit, von einer Vignette umgeben, anbringen. Sie wurde nach einem erhabenen Stempel auf Kupfer in der bezeichneten Manier gravirt, von der Kupferplatte Abdrücke genommen, diese auf Holz übergetragen und dann erhaben in Holz geschnitten. Die Holzplatte wurde dann benutzt, um zuerst auf dem gewöhnlichen Wege eine vertiefte Matrize und mit Hülfe dieser die druckbaren Platten zu erhalten. 

Durch dieses Verfahren erhält man indessen keine Resultate, die sehr befriedigend wären, die Abdrücke stehen dem ursprünglichen Originale sehr fern. Aber selbst wenn die Kupferplatte unmittelbar auf das Papier abgedruckt werden könnte, so würde die Zeichnung zwar schwer wiederherzustellen sein wegen ihrer Feinheit und Reinheit, jedenfalls aber müsste sie doch mit größerem Vortheile durch eine andere Zeichnung ersetzt werden können.


Die Commission hatte den Druck mittelst einer guillochirten Walze vorgeschlagen, weil die am schwersten nachzuahmenden Zeichnungen nicht die sind, auf welchen Personen u. s. w. dargestellt sind, da hier der Mangel an Symétrie die Vergleichung sehr erschwert, sondern vielmehr die einfachsten Muster, durch Linien hervorgebracht, welche sich unter bestimmtes Winkeln kreuzen, und auf diese Weise eine große Anzahl einander ganz gleicher Figuren erzeugen, von denen das Auge eine große Anzahl auf einmal übersieht, und die deshalb leicht vergleichbar sind.  

Auf dieser Ansicht beharrt die Commission jetzt um so mehr, nachdem sie gesehen hat, mit welcher Leichtigkeit die Gestalt der Gerechtigkeit auf dem untersuchten Papiere, nachdem sie ausgelöscht worden war, wiederhergestellt werden konnte. Alle diese Nachtheile sind Folgen der Beibehaltung des Formpapiers.
Das typographische Verfahren bringt eine Pressung des Papiers hervor, gleicht man diese durch eine Glättung wieder aus, so giebt doch die neue Schwärze wegen ihres Firnisses die Zeichnung wieder, und endlich eignet sich die Typographie nicht gut für den Druck sehr zarter Zeichnungen, und so muss an eine minder zarte Zeichnung wählen, die sich mit Leichtigkeit nachahmen läßt. 
Das versuchte Verfahren wird also nicht nur Schriftfälschungen nicht verhüten können, sondern sogar keinen Schutz gegen das Bleichen des Stempelpapiers gewähren.
Die Commission theilt nun die Resultate mit, durch welche ihrer Ansicht der Zweck vollkommen zu erreichen steht. 
 

§ 2. Bleichen des alten Stempelpapiers. 


Um das Bleichen alter Stempelpapiere völlig unmöglich zu machen, müssen folgende Bedingungen erfüllt werden:

1) das Papier muss mit einer durch eine wässrige Tinte hervorgebrachten Zeichnung bedeckt werden, die auf keine Weise direct übergetragen werden kann;
2) die Zeichnung muss von solcher Zartheit sein, dass es der geschicktesten Hand unmöglich ist, die Züge derselben mit einer fetten Schwärze zu überziehen und auf diese Weise dann die Uebertragung auf Stein zu bewirken;
3) diese Zeichnung muss jedes Jahr geändert werden, um jeden Versuch einer Nachahmung durch die Mittel zu verhüten, mit welchen sie selbst hergestellt worden ist.  

Das typographische Verfahren ist hierzu nicht geeignet. 

Das Einfachste würde immer sein, auf die Anwendung des endlosen Papiers, eines gravirten Cylinders und einer wässrigen Tinte zurückzukommen. 
Die Commission will die Zweckmäßigkeit ihrer Vorschläge beweisen. 
Sie bat sich überzeugt, dass die gewöhnliche Tinte mit Firniss verdickt sich sehr gut zum Walzendruck eignet, und sie legt der Akademie einige auf diese Weise erhaltene Druck vor. 
Sie hat ferner gesucht, die Vortheile, welche die Anwendung einer wässrigen Tinte darbietet, beizubehalten, ohne zu dem Papier ohne Ende ihre Zuflucht zu nehmen. Sie fand dass eine Maschine zum Drucke von Platten sich gleichfalls eignete, um die zartesten Zeichnungen mit einer wässrige Tinte wiederzugeben. 
Die Regierung könnte sich also, insofern nicht die Druckkosten entgegenstehen, der Platten statt der Walzen bedienen, oder das Maschinenpapier durch aneinander geleimte Bogen ihres Formpapiers ersetzen, und dabei sich der gewöhnlichen verdickten Tinte ohne Dazwischenkunft eines Firnisses bedienen. 
Um auf typographischem Wege eine Vignette hervorzubringen, und das Bleichen gebrauchter Stempelpapiere zu verhüten, kennt sie nur ein Mittel ; es besteht darin, die Vignette mit zwei Tinten zu drucken, von denen die eine zerstörbar, die andere unzerstörbar wäre. 

Es enthalte die Vignette z. B. auf einem Spitzengrund Hunderte von kleinen, überall zerstreuten, kreisrunden Figuren und es sei jede dieser Figuren aus einer zerstörbaren und eine unzerstörbaren Hälfte gebildet, so würde dadurch das Bleichen des Stempelpapiers gewiss verhütet werden.
Wenn nämlich durch das Bleichen die zerstörbaren Theile aus gelöscht worden sind, wie sollen sie wieder hergestellt werden? 
Mit der Hand würde es zu theuer sein, und durch de Druck wäre es unmöglich, denn das genaue Zusammentreffen der übriggebliebenen Hälfte mit der neuen ist auf keine Weise zu erreichen. 
Bei dieser Methode würde es gleichgültig sein, ob die zerstörbare Tinte wässrig oder fett ist, denn der Ueberdruck würde nicht angewendet werden können.
Um ein solches Papier nachzuahmen, würde eine fabrikmäßige Einrichtung nöthig sein, die nicht leicht verborgen bleiben könnte. 

Die Herren Didot haben erklärt, dass es unmöglich sei würde, ein Papier dieser Art nach dem Ausbleichen durch de Druck wiederherzustellen, und sie halten zugleich den Druck einer Vignette, wie wir sie vorgeschlagen haben, mit zweierlei Schwärze für sehr gut ausführbar. Proben von Papieren, die auf diese Weise mit zerstörbarer Firnissschwärze und gewöhnlicher Druckerschwärze, mit schwefelsaurem Baryt blässer gemacht, gedruckt worden sind, liegen vor. 
Indessen beschränkt sich der Nutzen dieses Verfahrens blos auf die Verhütung des Bleichens gebrauchter Stempelpapiere; Schriftfälschungen würden dadurch nicht verhütet werden können.

Wenn dagegen die Regierung sich entschlösse, dass Formpapier zu  verlassen und Papier ohne Ende anzuwenden, so würde sie in der Anwendung des Walzendruckes ein Mittel haben, ebensowohl dem Bleichen des Stempelpapiers als den Schriftfälschungen zuvorzukommen. Dieses Mittel würde jede nöthige Garantie darbieten. 

Noch ein Umstand ist zu erwähnen, der sehr häufig eintritt. Das Stempelpapier muss nämlich geeignet sein, gewöhnlichen Letterndruck aufzunehmen, denn es werden oft Schemata im Voraus auf die Bogen gedruckt, die dann mit der Hand ausgefüllt werden. Das Stempelpapier muss also der Operation des Anfeuchtens vor dem Drucke widerstehen. Versuche mit dem von der Commission hergestellten Papiere haben bewiesen, dass hierin keine Schwierigkeit liegt, die Vignetten blieben rein und scharf, und der Druck kam gut zum Vorschein.  

Man kann demnach das Bleichen alter Stempelpapiere durch folgende Mittel verhüten:

1) dadurch, dass man Zeichnungen von großer Feinheit mit der Walze auf Papier ohne Ende druckt, und sich dabei gewöhnlicher mit Gyps verdickter Tinte bedient;
2) dadurch, dass man Zeichnungen von äußerster Feinheit mit derselben Tinte auf Formpapier mittelst Platten druckt;
3) dadurch, dass man auf Formpapier mittelst der typographischen Verfahrungsweise kleine Figuren druckt, die aus zwei Theilen bestehen, von denen der eine zerstörbar, der andere unzerstörbar ist. Als unzerstörbare Tinte kann man die gewöhnliche Druckerschwärze mit einem Zusätze von schwefelsaurem Baryt, um sie blässer zu machen, als zerstörbare ein Gemenge von Hutmacherschwärze mit Kreide und Firniss anwenden. 

Indessen können wir nur die beiden ersten Verfahrungsveisen unbedingt empfehlen.

 

§ 3. Von den Schriftfälschungen. 

Die schwierigste Art der Fälschung und die, welche sich am leichtesten verhüten lässt, ist die, welche nur einen Theil der Schrift verfälscht. Um eine solche theilweise Fälschung  auf Papieren hervorzubringen, welche mit einer zerstörbaren Vignette bedeckt sind, müsste diese Vignette entweder erhalten oder wiederhergestellt werden. Diese beiden Operationen erfordern Handgeschicklichkeit, und es würde leicht sein, sie selbst der geschicktesten Hand unmöglich zu machen. 

Guillochirte Muster würden hierzu hinreichen, noch besser aber würde man den Zweck mittelst einer von Hrn. Grimpé erfundenen Maschine (molette) erreichen, welche außerordentlich zarte und regelmäßige gravirte Figuren liefert, die von den geschicktesten Personen nicht nachgeahmt werden konnten. Diese Vignetten lassen sich über die ganze Fläche des Papiers ausdehnen. Die Commission hat Versuche in dieser Art gemacht, wobei sie sich zum Drucke der fetten zerstörbaren Schwärze bediente. Aber auch mit einer wässrigen mit Gips verdickten Tinte lassen sich diese Muster bei geeigneter Einrichtung drucken. Zu den Versuchen wurde theils Papier ohne Ende, theils zusammengeleimte Bogen gebraucht.
Papiere dieser Art würden den sichersten Schutz gegen jede Möglichkeit der Schriftfälschung gewähren. Es fragt sich nun, ob nicht die theilweisen Schriftfälschungen auch durch ein typographisches Verfahren mit zwei Arten von Schwärze zu verhüten sind? Es wird diess schwer, wo nicht unmöglich sein, obwohl sich unter den Verfahrungsarten. welche die Commission durch Herrn Grimpé kennen lernte, eine befindet, die dieses System anwendbar machen könnte. Die Schwierigkeit liegt immer darin, dass die Muster, welche die Typographie hervorbringen kann, niemals von solcher, Feinheit sind, dass sie nicht mit der Hand nachgeahmt werden könnten.
Ließe man das Papier, nachdem es mit zwei Tinten der Druckerpresse bedruckt worden wäre, zwischen ein paar sehr fein gerieften Walzen hindurchgehen, um ihm eine Pressung zu ertheilen, so würden allerdings die Fälschungen erschwert werden, da die Riefen die Federzüge dessen, der die Vignette wieder herzustellen suchte, hindern würden. Unter der Loupe müsste sich der Betrug sogleich erkennen lassen.

Allein eine solche Pressung vermindert die Haltbarkeit des Papiers beträchtlich, und es lässt sich schwer darauf schreiben. Der letztere Uebelstand würde verschwinden, wenn man die Pressung erst anbrächte, nachdem das Papier beschrieben worden ist. Allein die Pressung lässt sich durch chemische Mittel, welche das Papier anschwellen, und durch mechanische, welche die Oberfläche glätten, leicht wieder zum Verschwinden bringen.

Das Verfahren musste daher aufgegeben werden. 

Eine Anwendung der gepressten Muster, welche Herr Grimpé vorschlug, würde die Commission gern annehmen, ist diess ein unzerstörbarer Stempel, der zu der zerstörbaren Vignette in Beziehung steht. Herr Grimpé löste diese Aufgabe, indem er den Bogen mit einer zerstörbaren Vignette bedruckte, während der ganze Rand, in welchem sich die Vignette ohne Unterbrechung fortsetzt, ohne Tinte blos als trockener Stempel eingepresst ist. Es würde gewiss leichter sein, neues Stempelpapier zu fabriciren, als solches Papier nach Bleichen wieder herzustellen. 

Eine zerstörbare Vignette, die sich mit der Hand nicht nachahmen lässt und nicht auf Stein übergetragen werden kann, dass ist alles, was man braucht, um das Bleichen alter Stempelpapiere und jede theilweise Fälschung zu verhüten. Allein diese Art der Fälschung ist nicht die einzige, welcher man entgegenzuwirken hat.

Die leichteste Art der Fälschung, und die, welche sich am schwierigsten verhüten läßt, ist diejenige, wo man sich darauf beschränkt, einige Worte einer Schrift zu reserviren, und alles andere auslöscht, um es mit neuer Schrift zu verlauschen. Hierbei giebt man sich keine Mühe, das ganze Papier zu erhalten, sondern man entfernt z. B. den ganzen oberen oder mittleren Theil eines Stempelbogens, worauf sich die Stempel befinden, um nur den unteren Theil zu erhalten, der eine Unterschrift und einige Worte enthält, die der Fälscher nutzen will.
Diese Art der Fälschung lässt sich nur dadurch verhüten, dass man dem Papiere ein unzerstörbares Kennzeichen giebt, welches so über die ganze Fläche vertheilt sein muss, dass man an dem kleinsten Stücke den Charakter des Stempelpapiers wiedererkennt.

Von dieser Art ist das auf der Druckerpresse erzeugt Sicherheitspapier mit zweierlei Schwärze. Es ist in der That unmöglich, auf solchem Papier die ganze Schrift auszulöschen ohne zugleich den Charakter des Papiers zu zerstören, denn die mit der unzerstörbaren Tinte gedruckten Züge würden stets zurückbleiben.
Da aber der Druck mit zweierlei Schwärze blos Zeichnungen giebt, die mit der Hand nachgeahmt werden könne so bietet er in solchen Fällen keine Garantie, in welchen Zeit und Geschicklichkeit an die Fälschung gewendet werden kann.
Von allen Garantien gegen eine solche gänzliche Fälschung liegt die sicherste in der Anwendung der von der Akademie vorgeschlagenen unzerstörbaren Tinte. Mit dieser sind alle Papiere gut, ohne dieselbe erreichen sie alle ihren Zweck nicht. Sie sollte also ganz allgemein eingeführt werden. Leider ist sie bis jetzt fast gar nicht in Anwendung gekommen.
Will man aber ein Sicherheitspapier haben, das so viel als möglich die Fälschungen verhütet, so muss man die schon vorgeschlagenen Mittel dazu benutzen. 
Wenn man z. B. ein Papier ohne Ende anwendete, mit einem sehr feinen unzerstörbaren Wasserzeichen, und dasselbe auf beiden Seilen mit einer sehr zarten und durch die Hand nicht nachahmbaren zerstörbaren Vignette bedruckte, so würde man hierdurch jeder Fälschung vorbeugen. 
Bei versuchter Fälschung würde die Vignette mit der Schrift verschwinden, und das Wasserzeichen die Fälschung verrathen. 
Statt des Wasserzeichens könnte ein Druck mit fetter Schwärze dienen. 
Diess ist beinahe das Verfahren, dessen sich Herr Coulier zur Herstellung eines Sicherheitspapiers für kaufmännische Papiere bedient.
Er druckt auf die linke Seite ein unzerstörbares Muster, und wiederholt dasselbe auf der rechten Seite mit zerstörbarer Schwärze.
Dieses Papier scheint das beste von allen jetzt vorgeschlagenen zu sein, allein es entspricht doch nicht allen Wünsch der Commission, da diese verlangt, dass das zerstörbare und das unzerstörbare Muster gleichmäßig über die ganze Fläche ausgebreitet und ihr Ueberdruck unmöglich sein soll.  

Die Commission kann sich nicht für die Sicherheitspapiere entscheiden; dennoch wollte sie angeben, auf welche Weise an eins erlangen kann, das wenig zu wünschen übrig läßt, dann es entspricht den drei Hauptanforderungen:

1) es trägt ein charakteristisches Merkmal in seinem Wasserzeichen, so lange es als Papier besteht;
2) die zerstörbare Vignette verschwindet unter dem Einflüsse der Agentien, welche die Schrift angreifen;
3) diese Vignette könnte weder mit der Hand noch mittelst Ueberdruck wieder hergestellt werden. 

 Man wird aber folgende Betrachtungen nicht unberücksichtigt lassen: 

Dieses Sicherheitspapier verhindert nicht eine Schrift zum zerstören, sei es durch Zufall, indem einige Tropfen Säure auf das Papier fallen, sei es absichtlich und unter dem Vorwande des Zufalls. Die Sicherheitstinte dagegen ist unzerstörbar
(Die Ursachen, welche die frühere Commission bestimmten, je Tinte aus die chinesischer Tusche mit Salzsäure vorzuschlagen, sind ihr einleuchtend. Die Tusche enthält als färbenden Bestandteil sehr drin zertheilte Kohle, die jeder zersetzenden Einwirkung länger widersteht, als das Papier, aber so unzerstörbar ihre Farbe ist, so würde sie doch durch mechanische Mittel entfernt werden können, wenn man sie nicht in die Masse des Papiers eindringen ließe, und dass wird durch die Salzsäure oder das Alkali bewirkt. Es muss ja aber ein gewisses Verhältniss zwischen diesen und dem Grade der Leimung des Papiers stattfinden. Je stärker das Papier geleimt, desto mehr Salzsäure oder Alkali ist nothig, um das Eindringen der Tinte zu bewirken. Die von der Commission vorgeschriebenen Verhältnisse gelten für das gewöhnliche Papier des Handels. Für stärker geleimte Papiere müsste die Menge der Salzsäure grösser sein. In feuchtes Papier dringt die Tinte leichter ein und gewährt auch größre Sicherheit. Es wird also in wichtigen Fällen gut sein, das Papier schwach anzufeuchten, einige Augenblicke zu warten und in mit frisch in der verdünnten Salzsäure aufgerührter Tusche zu schreiben).

Das Sicherheitspapier gestattet Versuche der Fälschung, die sich zwar verrathen werden; die Sicherheitstinte aber lässt jeden Versuch scheitern.

Das beste Sicherheitspapier wiegt noch nicht die unzerstörbare Tinte auf, dennoch kann es nützlich werden, und gewiss würde die Consumtion von Stempelpapier zunehmen, wenn es wirkliche Garantien für denjenigen darböte, der sich desselben bedient.



Zerstörbare Tinten ohne fettige Substanz zum Walzendruck. 

1) Gewöhnliche Tinte, durch Eindampfen im Wasserbade verdickt.
2) Gewöhnliche Tinte, hinreichend mit Gips verdickt und damit lange zusammengetrieben.

Diese Tinten haben den Vortheil, dass sie der Wirkung des Wassers genug widerstehen, um die damit bedruckten Papiere anfeuchten zu können, so dass sie zum Lettern- und Steindrucke angewandt werden können, ohne dass die Vignette leidet. 

 

Fette zerstörbare Tinten zum Drucke der graphischen Vignette mit zweierlei Schwärze 

Firniss und Schwärze 1. und 2.
Firniss. Leinöl 60 Gr.
Fichtenharz 150 Gr.
Man schmilzt das Gemenge und seihet es durch Leinwand. 

Firnissschwärze No. 1.
Gewaschene und getrocknete Kreide 24 Gr.
Trockener Tintensatz 3 Gr.
Ultramarin 2 Gr.
Firniss so viel als nöthig. 
 
Firnissschwärze No. 2.
Kreide 24 Gr. 
Trockener Tintensatz 1,5 Gr.
Ultramarin 1 Gr.
Firniss so viel als nöthig.  




Unzerstörbare Tinten. 

1) Für Gänsefedern:
Tusche in verdünnter Salzsäure von 1 1/2° Baum`e zerrührt 

2) Für Metallfedern:
Tusche in einer Aetznatronlauge zerrührt, die 1° am Baseméschen Aräometer zeigt. 

3) Für den Druck unzerstörbarer Vignetten:
Gewöhnliche Druckerschwärze mit einer angemessenen Menge von gemahlenem Schwerspath oder künstlich bereitem schwefelsaurem Baryt versetzt, die lange mit Wasser gerieben worden sind. 

 

Aus Journal für praktische Chemie von 1837, darin zu finden unter Gerichtliche Chemie:

Auszug eines Berichtes an die Pariser Akademie der Wissenschaften, der von gebrauchten Stempelpapieren  handelt, bei denen das Wegwaschen der Schrift , um sie wieder zu verkaufen, so wie die Verfälschung von öffentlichen Akten und Privatakten, verhütet werden soll.

Ann. d. chim. Janv. 1837.


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