Vorab sei gedankt 
- Herrn Martin Erler, Icking,
dem Nestor der ganzen Stempelpapier-Sammel- und Forschungs-Leidenschaft
sowie
 - Herrn Gunter Wagner, Filderstadt
für seine tatkräftige Unterstützung!
Artikel zur Forschung 
 
Forschungs-Chronologie von Wolfgang Morscheck
nach Angaben des Autors verfaßt von Harald Holder, Kempten
 

Wolfgang Morscheck hat sich seit Beginn seiner Forschungstätigkeit vor sechs Jahren in großem Maße um die Erforschung des Stempel-Impost bemüht.

Im Einzelnen konnte er folgende Forschungsergebnisse erzielen: 

- Erstmalige  Bekanntmachung im Deutschen Sprachraum, daß es in Venedig schon ein postalisch-steuerlich- gestempeltes Papier frühestens 1604 - endgültig aber ab1608 gegeben hat (das aber  wegen des venezianischen Kalenders erst im Jahr 1609 auftaucht)! 

- Auffinden des ersten Ediktes der Welt über einen Gebührenstempel: Aus den Vereinigten Staaten von Holland  und West-Vriesland 1624

- Feststellung, dass die Pseudo-Reichsstadt Emden schon vor allen anderen Herrscherhäusern in Deutschland Gebührenstempel herausgegeben hat und zwar im Jahre 1666 

- Nachforschung, dass die Herzöge der Holsteiner die ersten im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gewesen sind, die den Gebührenstempel heraus gegeben haben, nämlich im Jahre 1660. Eventuell kann dieses Datum noch durch weitere Recherchen sogar auf das Jahr 1657 zurückdatiert werden! 
Aber das wird die weitere Forschung zeigen müssen.

Somit konnte W. Morscheck  die Ersterscheinung eines Gebührenstempels für Deutschland von 1682 auf 1660 vorverlegen. 
Immerhin 22 Jahre früher, als in der bisher gesamten Literatur vermerkt worden ist

.

 

 

Geschichtsdaten zur Papiersteuer (lat.: Charta Signata)


Die "alten Römer" waren erfinderisch, neue Geldquellen, als Steuern oder Abgaben, zu erschließen: "pecuniae non olet". 
So gebot der oströmische Kaiser Justinius
(518 – 527) den Gerichtsschreibern, beim Anfertigen von  Urkunden  den Namen des  "Intendanten der Finanzen" obenan zu stellen, weiterhin den Zeitpunkt , wann die Urkunde angefertigt wurde, den Namen des Verfassers und schließlich eine stichwortartige Inhaltsangabe. 
Daß der Name des Finanzbeamten genannt werden mußte, läßt darauf schließen, daß für die Urkunde bezahlt werden mußte.

Die erste Erwähnung eines Stempelsteuer-Impost in der Neuzeit erfolgte 1623
Johannes von den Broeck, aus der Provinz Holland, schlug  in einer öffentlich dotierten Ausschreibung der Stände ihre Einführung vor (Die Idee der kleinen Steuer ('het middel van`t kleyn Zegel' oder auch 'impost van bezegelde brieven') von ihm wurde eingeführt, nur den ausgeschrieben Preis bzw. seine dafür versprochenen Tantiemen, die haben er und seine Familie nie erhalten!). 
1624 wurde durch Gesetz in den Provinzen der Vereinigten Staaten von Holland und Westfriesland der Stempelpapier-Impost für offizielle Urkunden eingeführt. Begründung: 
Zur Finanzierung der Bekämpfung der Spanier, deren Armeen unser Volk zu versklaven drohen. Die Generalstaaten führten den Impost 1635 ein.

Heute wissen wir, daß die Altdeutschen Staaten  von Holland diese Einnahme am schnellsten kopierten. 
Denn berücksichtigt man, daß die vorgefundenen Taxverordnungen, genau wie das in Brandenburg / Preussen gebrauchte Urkundenpapier / Kanzleipapier / der Papieraufschlag / das Gnadensiegel etc., auch eine Gebühr für das gestempelte Papier beinhalten (wiewohl es hierfür keinen Gebührenstempel mit einem Werteintrag gab), wie das in Baden- Durlach 1628, Mainz 1628, Brandenburg /Preussen 1632 / 1650 / 1651, Churpfalz 1656, Dänemark, Holstein 1657 und Frankreich 1655/1662 der Fall gewesen war, so sieht die zeitliche Reihenfolge der Einführung heute ganz anders aus!
Denn hier wurden ausschließlich Lacksiegel, Papier- Oblatensiegel, Herrschaftliche Insiegel jedweder Art, sowie auch angehängte Kapselrollen benutzt;  und die Gebühren, die wurden immer handschriftlich eingetragen! 

Aber all diese Abarten waren auf jeden Fall urkunden-gestempelte Papiere, also eine Abgabe / Impost an den Staat für jegliche schriftlich zu beurkundende Leistung und Anfrage!

Spanien und seine Kolonien folgten im Dez. 1636 / Jan. 1637, in Frankreich wurde ein Gebühren- Aufdruck- Schwarzstempel erst 1673 eingeführt / benutzt und nicht schon 1655

Aber auch die Belgischen Herrschaften und Städte folgten sehr früh schon dem Beispiel von Holland und Spanien nach: Brabant 1648, Liege 1649, Antwerpen 1664, Genth 1672, Mons 1684, Nivelles 1685, Mechelen 1689, Leuven 1703, die spanischen Niederlande 1703, Flandern 1705, County of Hainaut 1710, Namur 1717. 

Dänemark und Holstein hatten bereits 1657, Schweden 1660 und die Reichsstadt Emden 1666 das Stempelpapier eingeführt. 

1675, endgültig 1686, erfolgte die Einführung der Gebührenwertstempel 
durch Leopold I. für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation

Die Kriege gegen Frankreich und die Türken forderten einen finanziellen Beitrag.

Landgrafschaft Hessen-Darmstadt 1681, Brandenburg Bayreuth 1681, Brandenburg 1682, Kurköln 1682, Bayern, Nürnberg 1690, und fast alle anderen Territorien folgten nach.


Im Jahre 1682/1700 führte auch der Kurfürst von Sachsen und König von Polen, Friedrich August, den Stempelpapier-Impost  mit unterschiedlichen Beträgen, die sich nach dem Wert der Urkunde richteten, ein.

Großbritanien soll den Stempelpapier-Impost 1671 (bisher nicht belegt und auch ohne einen Gebührenwertstempel) eingeführt haben! 
Im Frieden von Utrecht 1713 und von Fontainebleau 1763 hatte Frankreich an England umfangreiche Gebietsabtretungen in Nordamerika vorzunehmen (Neufundland, Hudson- Bay, Kanada). Die Verdrängung der französischen Herrschaft kam in erster Linie den 13 amerikanischen Kolonien zu gute, so die englische Ansicht. Dafür sollten höhere Steuern und Zölle an das Mutterland gezahlt werde, eine direkte Steuer für die Kolonisten.

In einem engl. Lexikon findet sich eine andere Version: Der Indianeraufstand von 1763 - 64 wurde mehr von den dortigen englischen Truppen, als von den Siedlern bekämpft. Das englische Parlament war der Ansicht, daß die Siedler wenigstens die englischen Truppen, die erfolgreich waren, besolden sollten, zu einem Drittel der tatsächlichen Kosten.

Der Widerspruch der Kolonien lautete: no taxation without representation!
Lieber wurden keine Prozesse geführt, als Impost-Stempelpapier zu kaufen.

So wurde 1766 die Stempelsteuer wieder aufgehoben. Jedoch 1767 Hafenzölle auf Tee, Glas, Papier und Farben eingeführt. Begründung des engl. Mutterlandes: Besoldung der englischen Kolonialbeamten durch die 13 Kolonien. Endlich führten die Hafenzölle zur amerikanischen Unabhängigkeit.

Der Stempelpapier-Impost und die Stempel davon 


Ein Stempel ist ein Werkzeug, welches auf der einen Fläche mit erhabenen oder vertieften Figuren, Buchstaben u. dgl. versehen ist, um mittels aufgetragener Farbe diese Figur abzudrücken oder vermittelst eines Drucks diese Figuren in eine etwas weichere Masse einzudrücken, wie namentlich die Stempel zur Verfertigung der Münzen und Medaillen. Auch das mit einem solchen Werkzeug aufgedrückte Zeichen, welches als Merkmal der erprobten Güte einer Ware, des Ursprungs (von woher) oder einer bezahlten Abgabe dient.

Im Staatshaushalt wird der Stempel (eigentlich: die Stempelung) als Mittel benutzt, um auf bequemem und nicht kostspieligem Wege Gebühren und Steuern (Verkehrssteuern) zu erheben (Gebührenstempel, Steuerstempel). Derselbe ist wegen seiner finanziellen Ergiebigkeit zuerst im verkehrsreichen Holland, seit 1624 in Gebrauch. Er ist überall da anwendbar, wo einer zu belastenden Leistung eine Schriftlichkeit zu Grunde liegt, die der Zahlungspflichtige überreicht oder empfängt. In diesen Fällen können sowohl Stempelbogen (gestempeltes Papier) als aufzuklebende, für den Gebrauch bequemere Stempelmarken benutzt werden, in anderen bedient man sich auch wohl gestempelter Umschläge (Banderollen, z. B. beim Tabak), die bei dem Gebrauch zerrissen werden, während der Stempelbogen durch das Beschreiben, die Stempelmarke durch Durchstreichen oder Ausdrücken eines Zeichens für weitere Verwendungen unbrauchbar gemacht (kassiert, nullifiziert) wird. Endlich kann auch ein Gegenstand (z. B. Edelmetall, Zeitung, Kartenspiel) unmittelbar durch Aufdrücken des Stempels gestempelt und damit der Beweis der Steuer- oder Gebührenzahlung geliefert werden.

Zu unterscheiden sind:

» Der Fixstempel, welcher mit einem festen Geldbetrag für die einzelne in Anspruch genommene öffentliche Leistung heute meist in der Form der Stempelmarke eintritt;

» Der Klassenstempel, bei welchem nach gewissen Merkmalen (Bedeutung des Gegenstandes, verursachte Kosten) die verschiedenen Fälle in Klassen eingeteilt werden und innerhalb der einzelnen Klassen Feststempel zur Anwendung kommen;

» Der Dimensionsstempel, dessen Höhe sich nach der Ausdehnung des Gegenstandes (Zeitung, Prozeßakten) richtet, an welchen der Stempel angeknüpft wird;

» Der Wert- (Gradations-, Proportional-) Stempel, welcher sich nach dem durch die steuerpflichtige Urkunde repräsentierten Wert richtet und in Prozenten des letzteren oder auch mit Abrundung der Prozenthöhe in festen Beträgen für gewisse Klassen (klassifizierter Wertstempel) erhoben wird.

Gegen Stempelfälschungen schützt man sich durch künstliche Herstellung der Stempelzeichen (geschöpftes Papier, Wasserzeichen etc.), gegen Umgehungen dienen Kontrolle und Strafe. Die Strafe kann dadurch verschärft werden, daß das vorgenommene Rechtsgeschäft für nichtig erklärt wird. Da hierdurch jedoch auch leicht Unschuldige getroffen werden, so begnügt sich die Stempelgesetzgebung meist mit Geldstrafen, während die Gültigkeit des Rechtsgeschäfts nicht weiter angefochten wird.

 

 

Artikel zur Forschung

 

Das Ende der Fahnenstange in der Fiskalphilatelie ist noch nicht erreicht. 

Müssen wir etwa bei den Vorläufern aller Gebührenmarken - insbesondere für die Altdeutschen Staaten - umdenken?


 
Aufgrund eines  Hinweises in der Literatur, wonach Brandenburg schon ein gestempeltes Papier 1675 heraus gegeben haben soll, tauchte ich weiter in die Geschichte ab und habe herausgefunden,  

daß es in Brandenburg eine Stempelpapier- Verordnung (Taxverordnung) sogar schon 1632 
und dann wieder 1650 bzw. 1651 gegeben hat!

Demnach nähme die Markgrafschaft Brandenburg die zweite Stelle in der Welt ein, die vor Spanien (1636) das gestempelte Papier für Urkunden eingeführt hätte!!  

aber……….!!!!

Kann man die Taxverordnung von 1628 für Baden- Durlach nicht auch als solch eine Gebührenordnung für das gestempelte Papier ansehen?

Und: Stellt dieses Siegel nicht ebenfalls etwas Gleiches dar, wie jenes Siegel in Brandenburg auch?!

 

Wenn man nur die Gebührenstempel mit einem Werteintrag rechnet , 

dann sieht die Rangfolge folgendermaßen aus: 
Holland 1624, Spanien 1636 und seine Kolonien 1637, sowie Dänemark, Holstein und Schweden 1660, Norwegen 1661, Emden 1666, Frankreich 1673, Brandenburg- Bayreuth 1681, Sachsen, Hessen, Preussen, Kleve 1682 und auch Österreich 1686 zu nennen, sowie England 1691!!

Berücksichtigt man jedoch, 

daß  Urkundenpapier / Kanzleipapier / Papieraufschlag / Gnadensiegel etc.
auch eine Gebühr für das gestempeltes Papier beinhalten (wiewohl es hierfür
keinen Gebührenstempel mit einem Werteintrag gab), 
wie das in Baden- Durlach 1628, Brandenburg /Preussen 1632 / 1650 / 1651, Churpfalz 1656, Dänemark, Holstein 1657 und Frankreich 1662 der Fall gewesen war, so sieht die zeitliche Reihenfolge anders aus!


Es wurden Lacksiegel, Oblatensiegel, Herrschaftliche Insiegel sowie auch angehängte Kapselrollen benutzt;  und die Gebühren, die wurden immer handschriftlich eingetragen!

Aber es war auf jeden Fall ein Urkunden- gestempeltes Papier!


 www.stempelpapier.de